Wahlbörse 2005
Kommt die große Koalition oder nicht? Das bleibt die beherrschende Frage an der FTD-Wahlbörse. Am Nebenmarkt "Koalition" hat sich inzwischen die Aktie "Union/SPD" über der Marke von 50 Wahleuro festgebissen. Zuletzt waren es 53,19 Wahleuro, ein Plus von 2,8 Prozent gegenüber dem Vortagesmittelkurs. Die Händler trotzten damit den Appellen der beiden Spitzenkandidaten Gerhard Schröder und Angela Merkel, die öffentliche Diskussion über ein Regierungsbündnis der beiden großen Parteien zu vermeiden.
Viel lieber wäre beiden, die Diskussion ginge um eine klare Lagerentscheidung zwischen der bestehenden Koalition oder Schwarz-Gelb. Während die Händler die Wahrscheinlichkeit für eine Koalition zwischen Union und FDP mit immerhin 48,92 Prozent einschätzen, notierte das Papier "SPD/Grüne" zuletzt bei 0,01 Wahleuro. An der Wahlbörse wird damit die Wahrscheinlichkeit, dass die jetzige Koalition ihre Arbeit fortsetzen kann, mit nahezu Null eingeschätzt.
Am Hauptmarkt legte die SPD erneut zu und stieg um 0,5 Prozent auf 30,32 Wahleuro. Die Union notierte dagegen unverändert bei 40,02 Wahleuro. Ungehört blieben dabei Forderungen von CSU-Chef Edmund Stoiber, der von Merkel ein Ergebnis von 42 bis 45 Prozent forderte. "Das können und müssen wir erreichen", sagte er in einem Interview mit dem Magazin "Stern". Recht hat er damit insofern, als der Union ansonsten Stimmen zur Bildung einer Regierung gemeinsam mit der FDP fehlen würden. Das Papier der Liberalen notierte nahezu unverändert bei 7,19 Wahleuro.
Stoiber-Aktie nahezu unverändert
Stoiber selbst wird allerdings nicht dem so genannten Kompetenzteam angehören, das Merkel in der kommenden Woche vorstellen will. Er wolle die Frage seines persönlichen Umzugs nach Berlin "nach der Wahl in Ruhe erörtern". Am Nebenmarkt "Stoiber nach Berlin", in dem die Händler darauf setzen, ob der bayerische Ministerpräsident in ein Ministeramt nach Berlin wechselt, hatte dies bislang aber keine Auswirkungen. Die Aktie "Nein" gab sogar leicht um 0,5 Prozent auf 55 Wahleuro nach.
Tagesgewinner unter den Parteiaktien waren am Mittag die Bündnisgrünen. Das Papier notierte 1,4 Prozent fester bei 8,18 Wahleuro. Ein Trend war hier jedoch noch nicht auszumachen, es handelte sich lediglich um den Ausgleich der Vortagesverluste. Die Hoffnung einiger grüner Spitzenpolitiker, dass SPD-Anhänger für ihre Partei stimmen könnten, um so eine Große Koalition zu verhindern, ist bislang nicht aufgegangen.
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