FTD Herr Kaldemorgen, wie bewerten Sie das Heraufschnellen der Volkswagen -Aktie? Ohne den Gewinn des VW-Papiers hätte der Dax am Montag immerhin neun Prozent verloren, nun aber fast ein Prozent gewonnen.
Klaus Kaldemorgen Ich kritisiere heftig, dass ein Unternehmen wie Porsche in unverantwortlicher Art und Weise den VW-Kurs manipuliert. Hier ist für andere Anleger nicht nachvollziehbar, was Porsche macht. Alle spielen mit offenen Karten, nur einer spielt mit verdeckten. Es kann auch nicht sein, dass ein Wert in einem angesehenen Index wie dem Dax aufgrund des geringen Streubesitzes an einem Tag um mehr als 100 Prozent steigt.
FTD Was bedeutet der extreme Anstieg der VW-Titel für Anleger, die sich am Dax orientieren?
Kaldemorgen Alle aktiv gemanagten Fonds, die den Dax als Benchmark haben, verlieren relativ zum Index, weil sie bei diesem Kurs nicht verantworten können, VW-Aktien zu kaufen. Deshalb hinken diese Fonds dem Dax immer hinterher.
FTD Wie kann man als Investor in der aktuellen Situation noch reagieren?
Kaldemorgen Man kann die VW-Aktie schwer kaufen, weil man sie am Markt kaum bekommt. Und ihr Wert nähme in vielen Aktienfonds einen zu hohen Anteil ein. Eine Position darf maximal zehn Prozent an einem Aktienportfolio ausmachen. Außerdem ist die Bewertung viel zu hoch.
FTD Wo liegt Ihrer Einschätzung nach derzeit die faire Bewertung der Volkswagen-Aktie?
Kaldemorgen Vielleicht bei 100 Euro. Wenn man sich an den Vorzugsaktien orientiert und 20 Prozent aufschlägt, dann eher bei 50 Euro.
FTD Was erwarten Sie von der Deutschen Börse als Indexanbieter, der ja die Regeln für die Zusammensetzung des Dax festlegt?
Kaldemorgen Die Börse muss bei so einer außerordentlichen Gegebenheit agieren. Es ist höchste Zeit, dass sie ihre Indexregeln ändert. Denn sie leistet solchen Fällen Vorschub, weil sie sich sklavisch an ihre bisherigen Regeln hält.
Interview: Elisabeth Atzler