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Merken   Drucken   09.11.2012, 10:32 Schriftgröße: AAA

Jens Ehrhardt im Interview: "Es wird noch mal richtig krachen"

Interview Jens Ehrhardt gehört zu Deutschlands populärsten Vermögensverwaltern. Im FTD-Interview erklärt er, wieso er seine Goldposition hält, was gegen Immobilien spricht und warum eine große Inflation droht.
Jens Ehrhardt   Jens Ehrhardt

FTD Herr Ehrhardt, kann man mit einer 25 Jahre alten Investmentstrategie in diesen Zeiten noch Fonds verwalten, oder ist es nicht langsam mal an der Zeit, sich etwas Neues auszudenken?

Jens Ehrhardt Es ist zwar alles komplizierter als vor 25 Jahren, aber unsere Investmentstrategie, die sogenannte FMM-Methode, ist über die Jahre an die sich immer weiter verändernde Welt angepasst worden. Es geht letztendlich immer noch darum, sich vor dem Investieren die Fundamentaldaten eines Unternehmens oder einer Region anzusehen und dabei auf das Zinsumfeld und die technischen Indikatoren zu achten. Aber das ist im Moment leichter gesagt als getan.

FTD Warum?

Jens Ehrhardt Weil die Notenbanken und die Geldpolitik alles überschatten. Das hat man in diesem Jahr sehr gut gesehen: Wenn Herr Draghi oder Herr Bernanke die Geldschleusen öffnen, kaufen die Anleger alles - und sobald der Enthusiasmus verflogen ist, verkaufen sie alles wieder. Das hängt allerdings auch damit zusammen, dass viele Investoren sich gar nicht mehr die Mühe machen, einzelne Aktien auszuwerten. Stattdessen kaufen sie einen börsennotierten Indexfonds oder einen Future auf den breiten Markt.

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FTD Aber wenn man Umfrageergebnisse und Zahlen von Direktbanken glauben darf, sind gerade bei den Privatanlegern diejenigen, die selbst in Aktien investieren, wieder etwas auf dem Vormarsch ...

Jens Ehrhardt Stimmt, das ist ein noch junger Trend, den ich erfreulich finde.

FTD Dabei scheinen diese Anleger aber lieber selbst ihre Aktienauswahl zu treffen, als ihr Geld einem Fonds zu überlassen. Und das finden Sie als Fondsmanager erfreulich?

Jens Ehrhardt Ich glaube, viele haben mit Fonds in den vergangenen Jahren schlechte Erfahrungen gemacht. Da sind einige vielleicht zu dem Ergebnis gekommen, dass sie ihre Aktienauswahl lieber selbst machen. Ich finde das nicht verkehrt. Es ist doch ein viel größeres Armutszeugnis, wenn man gar nicht mehr auf einzelne Papiere achtet und nur noch auf einen Index setzt. Da ist es mir lieber, ein Anleger kauft sich eine Nestlé - oder Unilever -Aktie oder ein anderes Papier, das eine vernünftige Dividende abwirft.

FTD Ihre 25 Jahre alte Strategie hat allerdings dazu geführt, dass Sie derzeit stark in Rohstofftitel investieren.

Jens Ehrhardt Ja, aber bin ich gerade dabei, das zurückzufahren. Denn ich denke, dass die weltweite Konjunktur weiter schwächeln wird. Auch wurden zuletzt in vielen Segmenten die Produktionskapazitäten stark ausgebaut, sodass ein höheres Angebot die Preise drücken könnte. Rohstoffe dürften in nächster Zeit enttäuschen.

FTD Und warum ist ihre größte Einzelposition im FMM-Fonds dann immer noch ein Papier, das den Goldpreis abbildet?

Jens Ehrhardt Bei Goldinvestments spielt Psychologie eine wichtige Rolle, es geht vor allem um Vertrauen. Tatsächlich ist es ein Rohstoff, mit dem man in der Wirtschaft außerhalb der Schmuckindustrie praktisch wenig anfangen kann. Aber Gold  hat den Vorteil, dass es sowohl von der Angst vor Inflation als auch von der Angst vor Deflation profitiert.


Anderer Schnack
Manager Jens Ehrhardt ist Vorstandsvorsitzender und Fondsmanager bei der Pullacher Vermögensverwaltung DJE, die er 1974 gegründet hat. Er kommt aus Hamburg, ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und leidenschaftlicher Segler.
Methode Ehrhardt hat vor 25 Jahren seine sogenannte FMM-Methode entwickelt. Die Abkürzung steht für eine Investmentstrategie, die fundamentale, monetäre und markttechnische Faktoren zur Wertpapierauswahl heranzieht. In dem gleichnamigen FMM-Aktienfonds verwaltet Ehrhardt derzeit rund 600 Mio. Euro.

FTD Wovor fürchten Sie sich mehr?

Jens Ehrhardt Kurzfristig vor keinem von beiden. Die Eingriffe der Notenbanken verhindern Risse im Finanzsystem, die zu einer Deflation führen könnten. Doch da das viele Geld noch nicht im Wirtschaftskreislauf angekommen ist, gibt es im Moment noch keine erhöhte Geldentwertung. Doch das wird nicht ewig so weitergehen.

FTD Warum denn nicht?

Jens Ehrhardt Weil ich nicht glaube, dass es einen selbsttragenden Aufschwung geben wird. Irgendwann wird es noch mal richtig krachen.

FTD Das klingt ja bedrohlich. Sind Sie etwa unter die Crashpropheten gegangen?

Jens Ehrhardt Nein. Ich weiß, dass andere schon lange mit solchen Aussagen ziemlich danebenliegen. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das System, das wir im Moment haben, auf die Dauer funktionieren kann. Mit den Notenbankeingriffen schiebt man Probleme vor sich her, statt sie zu lösen. Und genau deswegen investiere ich in Gold, auch wenn es kurzfristig hier wohl keine großen Sprünge geben wird. Gewissermaßen als Versicherungsprämie für eine relativ hohe Aktienquote.

FTD Auf der Suche nach Sicherheit investieren deutsche Anleger mindestens ebenso in Immobilien wie in Gold. Sie haben Ihren Immobiliendachfonds zum Ende 2011 auflösen müssen. Was ist da schiefgelaufen?

Jens Ehrhardt Das war eine bittere Erfahrung. Wir wollten mit dem Fonds die Liquidität als Dachfonds besser steuern und das Risiko über mehrere Immobilienfonds streuen. Die sind dann aber in der Krise in Schieflage geraten. Zu viele Anleger wollten zu schnell aus den Fonds raus, diese konnten sie nicht auszahlen und wurden geschlossen. Dieser Dominoeffekt hat dann zuletzt auch unser Produkt erwischt. Ich bin deshalb mittlerweile der Meinung, dass offene Immobilienfonds für Privatanleger nicht das Richtige sind. Wenn alle gleichzeitig aus einem Fonds rauswollen, kann der Manager noch so gut sein, am Ende kann er für die Anleger so aber nichts erwirtschaften.

FTD Also keine Immobilien mehr bei Ihnen?

Jens Ehrhardt Ich habe überhaupt nichts gegen Immobilieninvestments. Ich halte es sogar für gut, wenn ein Anleger sich dafür erwärmen kann. Aber ich glaube heute mehr denn je, dass das Wichtigste an einer Kapitalanlage gute Liquidität und Handelbarkeit ist. Das ist wiederum das Schöne an Aktien. Die lassen sich nun mal jederzeit kaufen und verkaufen.

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  • Aus der FTD vom 09.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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