FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Christian Kirchner - Die Dividende macht's

Merken   Drucken   29.03.2011, 11:00 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Christian Kirchner - Die Dividende macht's

Viele kenntnisreiche Menschen behaupten, Dividenden seien wichtig für den Anlageerfolg. Das stimmt nicht. Sie sind entscheidend. von Christian Kirchner 
Jedes Jahr im März ist es das gleiche Spiel in Redaktionskonferenzen: Meist ist es ein Volontär oder Praktikant, der vorschlägt, man könne sich doch mal der nun beginnenden Dividendensaison der DAX -Konzerne widmen oder der Dividendenstrategie, die auf dividendenstarke Aktien setzt. Erfahrenere Kollegen schweigen dann meist betreten, selbst mancher Ressortleiter rollt die Augen. Wieder ein Jahr rum. Und wieder das Thema Dividenden, das intern als bieder und unsexy gilt, wenig Neues birgt außer ein paar Wasserstandsmeldungen über Ausschüttungsquoten und -summen. Will der Leser überhaupt noch etwas darüber wissen?
Christian Kirchner   Christian Kirchner
Er muss dringend mehr wissen. Zum Beispiel, dass Dividenden nicht wichtig, sondern absolut entscheidend für den Anlageerfolg sind. Oder dass die rituell rezitierte These Quatsch ist, nach der Dividenden langfristig rund ein Drittel des Gesamtertrags mit Aktien ausmachen und Kursgewinne zwei Drittel.
Fangen wir mit dem letzten Punkt an, der perfekt illustriert, wieso Dividenden notorisch unterschätzt werden. Denn tatsächlich machen Dividenden langfristig 99 Prozent des Gesamtertrags einer Aktienanlage aus. Was nach einer zurechtgebogenen Statistik klingt, ist eine ebenso einfache wie eindrucksvolle Folge des Zinseszinseffekts, den Forscher der Universität Princeton im Jahr 2002 belegt haben: Zwischen 1900 und 2000 haben US-Aktien ohne Berücksichtigung von Dividenden (der Einfachheit halber wie in allen Folgerechnungen vor Steuern) 5,4 Prozent pro Jahr zugelegt und mit Dividenden 10,1 Prozent pro Jahr. Intuitiv könnte man nun vermuten, Dividenden trügen etwas weniger zum Gesamterfolg bei als Kursgewinne - nämlich 4,7 Prozent, errechnet aus 10,1 Prozent Gesamtrendite minus 5,4 Prozent Kursgewinne. Und dass das Endvermögen folglich einschließlich Dividenden also etwa doppelt so hoch ausfällt wie ohne. Was schätzen Sie?
Tatsächlich fällt es 86-mal so hoch aus. Aus einem 1900 investierten Dollar wuchs ohne Dividenden ein Vermögen von 198 Dollar und mit Dividenden von 16.979 Dollar. Macht 99 Prozent Ergebnisbeitrag für wiederangelegte Dividenden und ein Prozent für den nackten Kursgewinn. Hintergrund: Nur wiederangelegte Dividenden zünden den Turbo beim Zinseszinseffekt, da sie ebenfalls von künftigen Kurssteigerungen profitieren und nach Wiederanlage ebenfalls wieder dividendenberechtigt sind.
Nun kann man, zugegeben, seine Zeit sinnvoller mit Rasenmähen oder einem Mittagsschlaf verbringen, als sich mit einhundertjährigen Betrachtungsperioden bei der Geldanlage zu beschäftigen. Doch dass Dividenden die entscheidende Stellschraube bei der Aktienanlage sind, lässt sich auch mit einem deutschen Standardwert und einer für die Vorsorge typischen Haltedauer von 30 Jahren belegen. Wer im Jahr 1980 5000 Euro in BASF-Aktien angelegt hat, verfügt heute über Papiere im Wert von knapp 84.000 Euro und hat 29.000 Euro Dividende kassiert. Macht in der Summe 113.000 Euro und folglich rund ein Viertel Renditebeitrag durch Dividenden. Wer seine Dividende stets in neue BASF-Aktien angelegt hat, sitzt heute auf Aktien über 265.000 Euro, und der Gewinnbeitrag der wiederangelegten Ausschüttungen liegt bei 70 Prozent.

Teil 2: Achtung bei jahrelangen Dauerbrennern

  • FTD.de, 29.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Kommentare
  • 01.04.2011 01:53:55 Uhr   focus: Marktkapitalisierung

    Stichwort: Börsen abschaffen

    Was hat Buffet gemacht? Er hat ein Unternehmen gekauft, und dann für sich die Dividende des Unternehmens erhöht? Hat er das Unternehmen nun gekauft oder nur die Akteinmehrheit? Unterstellt, die Erhöhung sei der ganze Gewinn des Unternehmens gewesen, dann hat er dem Unternehmen doch jede Möglichkeit genommen handlungsfähig zu sein. Trifft hier der Begriff "looting" zu? Wenn ihm das Unternehmen jetzt ganz oder tw. "gehört", was haben die Anleger von dem gestiegenen Aktienkurs, wegen der Dividende, davon? Sie zahlen mehr Geld, wie vorher, nur weil sich die Dividende erhöht hat, obwohl das Unternehmen sich aber überhaupt nicht verändert hat. Es hat keine neues, verkaufsfähiges Produkt auf den Markt gebracht, es hat keine patentierbare Erfindung gegeben, es sind nicht mehr Produkte verkauft worden usw.. Ist ein Unternehmen dann profitabel, wenn sich der Kurs geändert hat?

    Steigt jetzt der Kurs der Aktie an der Börse, dann wird doch, mit dem Gebimmel der Schlußglocke, der Börsenwert des Unternehmens gesteigert. Hat jetzt diese Kurssteigerung einen Einfluß auf das dem zufließende Kapital oder nicht? Wohl kaum, denn das Unternehmen erhält durch diese Kennziffer keinen Cent an neuem Kapital um realwirtschaftlich "profitabel" sein zu können. Kursänderungen vernichten auch kein Kapital. Was glauben aber Alle? Mit dem veröffentlichten Kurs könnten jetzt alle Aktien dieses Unternehmens zu diesem Kurs veräußert werden. Deshalb ist dieses Unternehmen jetzt soviel "Mehr"wert! Wann wird der Schlußkurs realisiert? Dann, wenn alle Verkäufer von allen Käufern, ohne Zeitverzögerung, den Kaufpreis für alle Aktein bezahlt bekommen. Wie realistisch ist diese Annahme? Wenn dieses Ereignis, Rrealisierung der Kurssteigerung durch Verkauf, nicht eintritt, dann liegt doch Selbstbetrug über den Wert des Unternehmens vor, oder irre ich mich?
    Was treiben die bloß an der Börse?

  • 31.03.2011 17:59:12 Uhr   focus: Besteuerung
  • 30.03.2011 17:27:02 Uhr   Christian_W: Schwellenländer vs. Dividendenstrategie
  • 29.03.2011 18:38:50 Uhr   Christian Kirchner: Buffett
  • 29.03.2011 15:01:18 Uhr   Christian Kirchner: Besteuerung
Kommentar schreiben Pflichtfelder*




Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6339,94  [24.05 +0,38%
  Euro Stoxx 50 2161,87  [5.35 +0,25%
  Dow Jones 12460,84  [-68.91 -0,55%
  Nasdaq Composite 2836,4  [-2.98 -0,11%
  Euro 1,2514 USD  [-0.00209 -0,17%
  Brent-Öl 106,83 USD  [0.27 +0,25%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote