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Merken   Drucken   17.08.2009, 18:10 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Lucas Zeise - Wahrheit unerwünscht  

Auch zwei Jahre nach ihrem Ausbruch werden die Ursachen der Finanzkrise ausgeblendet. Ökonomen, Banker und Politiker haben ein Interesse daran, die tieferen Gründe der Krise zu verschleiern. von Lucas Zeise
Der zweite Jahrestag des Beginns dieser historischen Finanzkrise ist, wie ich finde, nicht genügend gewürdigt worden. Es gab keine Sonderseiten in den Zeitungen, keine Diskussionsrunden zum Thema im Fernsehen, ja nicht einmal Feierstunden und Festakte im Bundestag oder den Frankfurter Banktürmen. Auch ich bin mit dieser schriftlichen Würdigung acht Tage zu spät.
Anders als Konjunkturkrisen haben Finanzkrisen meist ein eindeutiges Datum, an dem sie offen ausbrechen. So begann die Asienkrise mit dem Absturz der thailändischen Währung, des Baht. Der Crash am Aktienmarkt zu Anfang des Jahrtausends begann im März 2000. Und die immer noch fortdauernde aktuelle Krise brach am 9. August 2007 offen aus. Die Welt der Finanzen änderte sich schlagartig von einem Zustand des Überangebots an Kredit in einen Zustand, in dem Kredit Mangelware ist.
Der 9. August 2007 war jener Tag, als die Liquidität am Geldmarkt plötzlich verschwand. Wo zuvor ein Meer war, gab es jetzt Wüste. Der Liquiditätsmangel trat am ansonsten liquidesten Finanzmarkt, dem Geldmarkt unter Banken auf. Seit damals funktioniert der Finanzmarkt insgesamt nicht mehr, wie wir es bis dahin gewohnt waren.
Das Datum für den offenen Ausbruch der Krise ist wichtig. Es ist Teil der Antwort darauf, wer oder was diese Krise verursacht hat. Banker und Regierungsvertreter reden beispielsweise gern vom unverhofften, plötzlichen Happening der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers, die zu ganz außergewöhnlichen Verwerfungen am Finanzmarkt geführt habe. Wer so redet, hat ein Interesse daran, die tieferen Ursachen der Krise zu verschleiern.
  • Aus der FTD vom 18.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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