Wenn es noch eines Beweises dafür bedarf, dass es keinen besseren Frühindikator für die wirtschaftliche Entwicklung gibt als den Aktienmarkt selbst, dürfte er im aktuellen Börsenzyklus erbracht sein: 47 Prozent legte der Deutsche Aktienindex (Dax) seit März zu. Vier Fünftel des Weges sind damit schon zurückgelegt, um wieder auf das Niveau des Tages vor der Lehman-Pleite zu klettern.
Für Anleger, die das Treiben noch immer fassungslos von der Seitenlinie aus betrachten, ist es für einen Einstieg zu spät. Tag für Tag reichen Ökonomen und Unternehmen nun Belege für den Aufschwung nach, den die Börse bereits vorweggenommen hat.
Statt der nun bereits mehr als optimistisch eingepreisten Erholung der Unternehmensgewinne nachzulaufen, sollten Anleger lieber antizyklisch handeln: mutig zukaufen, wenn die Stimmung am Boden ist. Und stillhalten, wenn die Laune, wie derzeit, wieder steigt. Es ist die einzige Strategie, die in der zu erwartenden Schaukelbörse der nächsten Jahre belohnt werden dürfte. Ein Blick auf die Absatzstatistik von Investmentfonds und der Zahl der Aktionäre in den letzten Jahren belegt indes, dass die Strategie der meisten Privatanleger - getrieben auch von den Mechanismen und Anforderungen des Vertriebs - eher umgekehrt aussieht.
"Kaufen und Halten" ist keine Lösung
Es erfordert Mut und Disziplin, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Doch die erratischen Schwankungen der letzten zehn Jahre lehren, dass die These überholt ist, derzufolge der Einstiegszeitpunkt langfristig keine Rolle mehr spielt. Hinter Investoren liegt unter dem Strich ein verlorenes Jahrzehnt mit zwei zwischenzeitlichen Halbierungen der Kurse sowie einer Achterbahnfahrt. Der Dax hat seit 1998 das heutige Niveau von 5400 Punkten nicht weniger als siebenmal im Zuge einer Hausse nach oben oder einer Baisse nach unten regelrecht durchschossen. Die Investitionszeiträume der meisten Anleger dagegen haben sich durch einen späteren Berufseinstieg, berufliche Unwägbarkeiten und biografische Brüche eher verkürzt als verlängert. Sie werden immer schwerer planbar. Einen Anlagehorizont von 20 Jahren haben nur noch wenige Investoren.
Dass die sehr langfristigen Renditen trotzdem noch immer ermutigend ausfallen, ist dem Superbullenmarkt der 80er- und 90er- Jahre geschuldet. Zwischen 1982 und 2000 hat sich der Dax - wie die meisten anderen Aktienindizes von Industrienationen auch - versechzehnfacht.