FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Wenn der Kunde nicht zahlt
  FTD-Serie: Risikoschutz für Unternehmen

Ist der Kunde pleite und zahlt die Rechnung nicht, haben Unternehmen ein echtes Problem. Mit einer Kreditversicherung können sich Firmen davor schützen, auf offenen Rechnungen sitzen zu bleiben. Diese FTD-Serie erklärt, wo Gefahren lauern und wie Unternehmen sich dagegen wappnen können.

Merken   Drucken   01.05.2008, 09:00 Schriftgröße: AAA

Kreditversicherung: Wenn der Kunde nicht zahlt

Will der Auftraggeber die Rechnung nicht begleichen, geraten kleine und mittlere Betriebe schnell in Schwierigkeiten. Mit einer Kreditversicherung können sie Engpässen vorbeugen.
von Carolin Wedekind

Die Geschäftsbeziehung endete unerfreulich. Als der Jülicher Sanitärtechniker Klaus Thanscheidt dem Bauunternehmer eine Rechnung von über 500.000 Euro stellte, bemängelte dieser die Arbeit und wollte nur die Hälfte zahlen. Zwar hätte Thanscheidt die Zahlung einklagen können, dann hätte er aber bis zur Gerichtsentscheidung von dem dringend benötigten Geld nichts gesehen.

"Ich hatte keine andere Möglichkeit, als mich auf die Rechnungskürzung einzulassen", sagt Thanscheidt. Seine Firma hat einen Umsatz von etwa 4 Mio. Euro. Eine längere Zahlungsverzögerung konnte das Unternehmen nicht verkraften. Um Liquiditätsprobleme zu vermeiden, müssen sich kleine Unternehmen oft zähneknirschend aufs Feilschen einlassen.

"Auftraggeber versuchen häufig, die geleistete Arbeit kaputt zu reden, um zusätzliche Rabatte zu bekommen", sagt Thanscheidt. Inzwischen ist er vor solchen Fällen mit einer Kreditversicherung geschützt.

Schutz vor säumigen Zahlern   Schutz vor säumigen Zahlern

Kaum Policen bei kleinen Unternehmen

"In der Baubranche ist der Unternehmer oft über lange Zeit mit einem Auftrag beschäftigt", sagt Michael Timmermann vom Kreditversicherer Atradius. "Kann am Ende der Auftraggeber nicht zahlen, fehlen dem Bauunternehmer die nötigen Rücklagen." Die Kreditversicherung schützt Thanscheidt nicht nur vor Ausfällen durch zahlungsunfähige Kunden. Bemängelt jetzt einer seiner Auftraggeber die Leistungen, muss er nicht um seine Liquidität fürchten.

"Früher hat der Kreditversicherer abgewartet, bis die Höhe der Forderung geklärt ist", sagt Timmermann. "Inzwischen decken unsere Policen auch solche Forderungen." Im Streitfall lässt Atradius von einer Drittfirma ein Gutachten erstellen und entschädigt den Versicherten entsprechend. Kleine und mittlere Unternehmen trifft ein finanzieller Engpass besonders hart.

Mit Kreditversicherungen könnten sie sich vor Liquiditätsproblemen schützen. Aber immer noch haben nur wenige Firmen mit unter 10 Mio. Euro Umsatz eine solche Police. Die deutschen Kreditversicherer versuchten in den vergangenen Jahren verstärkt, Policen an kleine Betriebe zu verkaufen. Atradius will vor allem durch weniger komplizierte Produkte Kunden gewinnen.

Jenseits der Rosinenpickerei

"Man muss für den Mittelstand die Kreditversicherung einfacher machen", sagt Timmermann. Die üblichen umfangreichen Risikoprüfungen seien für kleinere Firmen zu aufwendig. "Wer heute zehn Fragen beantwortet, kann schon Versicherungsschutz bekommen", sagt Timmermann. Die Angebote der Kreditversicherer für den Mittelstand seien viel besser geworden, lobt der Kölner Kreditversicherungsmakler Dirk Bedenbecker.

"Früher waren das nur Lippenbekenntnisse, wenn sich die Versicherer an den Mittelstand richteten", sagt Bedenbecker. "Die Angebotsvielfalt hat sich in den vergangenen zwei Jahren deutlich erhöht." Die Anbieter kalkulierten risikobereiter, die Angebote seien deshalb auch für den Mittelstand interessanter. "Verglichen mit der früheren Rosinenpickerei sind die Kreditversicherer jetzt sehr zeichnungsfreudig geworden", sagt Bedenbecker.

Der zu den Genossenschaftsbanken gehörende Versicherer RV hat traditionell viele kleinere Kunden. Von etwa 80.000 mittelständischen Firmen, die RV kreditversichert, kommen etwa 80 Prozent auf weniger als 2 Mio. Euro Umsatz. Kleine Handwerker sind besonders insolvenzgefährdet, wenn der Auftraggeber bankrott geht.

Teil 2: Versicherer unterstützen beim Risikomanagement

  • FTD.de, 01.05.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler