Der Euro stieg am Dienstagvormittag zeitweise auf 1,6038 $, den höchsten jemals erreichten Stand seit Einführung der Gemeinschaftswährung 1999. Auch gegenüber anderen Währungen gab der Dollar massiv nach. Der australische Dollar stieg gegenüber der US-Währung auf den höchsten Stand seit 25 Jahren. Der Dollar-Index, der den Greenback im Vergleich zu einem Korb aus den sechs anderen wichtigsten Weltwährungen misst, fiel auf 71,501 Punkte. Den tiefsten jemals erreichten Stand hatte der Index im März bei 70,698 Zählern erreicht.
Aktueller Anlass für die Dollarschwäche ist die Skepsis der Marktteilnehmer gegenüber dem Rettungspaket der US-Regierung zur Stützung der beiden Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Trotz des am Montag bekannt gegebenen Plans waren auch die Aktienmärkte rund um den Globus massiv unter Druck geraten. Der Nikkei verlor am Dienstag 2,0 Prozent, der Dax rutschte auf ein neues Zweijahrestief unter 6100 Punkten.
Der Notplan sieht vor, dass der staatliche Kreditrahmen für die Institute von heute 2,25 Mrd. $ vorübergehend angehoben wird. Zudem ist Washington erstmals bereit, Anteile an den Unternehmen zu kaufen, um deren Kapitalbasis zu stärken. Der US-Kongress muss den Maßnahmen noch zustimmen. Die beiden Finanzierer decken mit Schuldverschreibungen von 5000 Mrd. $ fast die Hälfte des US-Hypothekenmarkts ab. Die Summe entspricht außerdem rund einem Drittel des jährlichen Bruttoinlandsprodukts der größten Volkswirtschaft der Welt.
Im Zusammenhang mit den massiven Liquiditätsproblemen der beiden Finanzierer sind am Devisenmarkt Befürchtungen gewachsen, die USA könnten in Schwierigkeiten kommen, ihr Außenhandelsdefizit weiter durch Geldzuflüsse aus dem Ausland zu finanzieren. Neben US-Staatsanleihen sind Schuldpapiere von Fannie und Freddie ein Hauptvehikel für diese Geldströme.
Im Umfeld dieser Diskussion hatte US-Finanzminister Henry Paulson am Donnerstag versucht, die Marktteilnehmer zu beruhigen. Er veröffentlichte eine Statistik, laut der Ölländer wie Saudi-Arabien, Russland und Norwegen in immer größerem Umfang US-Staatsanleihen kaufen. Laut den Zahlen hielten solche Länder per Ende April Treasuries im Wert von 510,8 Mrd. $, ein Plus von 44 Prozent zum Jahresende 2007.