11.11.2009, 15:40
Märkte und Technik: Bei amerikanischen Aktien ist Vorsicht angebracht
Ungeachtet der labilen Lage, in der sich die US-Wirtschaft befindet, haben sich US-Aktien in den vergangenen Monaten wacker nach oben gearbeitet. Allerdings wurde der Anstieg so gut wie gar nicht von der Ertragsentwicklung der Unternehmen bestätigt.
von Reza Darius Montassér
Reza Darius Montassér ist Vorstand für Vermögensverwaltung und Asset-Management der Alpenbank, Privatbanktochter der Raiffeisengruppe.
Während die technische Lage relativ überschaubar ist, wirft die fundamentale Bewertung doch etliche Fragen auf. So zeigt eine Analyse der letzten 150 Jahre ganz klar, dass die stabilsten und nachhaltigsten Trends am US-Aktienmarkt ausschließlich dann zu verzeichnen waren, wenn sowohl die fundamentale als auch die markttechnische Lage harmonisierten.
Davon kann aktuell jedoch keine Rede sein. Denn gemessen an den fundamentalen Modellen, welche die US-Unternehmenserträge in einem Top-down-Ansatz herleiten, ist in den kommenden zwölf Monaten mit Unternehmensgewinnen von 45 bis 50 $ zu rechnen. Dem stehen laufende Erträge von rund 28 $ (bereinigt um die Abschreibungen beziehungsweise Wertberichtigungen der Banken auf toxische Wertpapiere) gegenüber.
Langfristige Trendanalyse des S&P 500 anhand eines technisch-ökonometrischen Modells
Das impliziert einen Gewinnanstieg von mehr als 60 Prozent. Legt man das langfristige mittlere KGV bei US-Aktien von 17,8 zugrunde, errechnet sich hieraus ein fairer Wert für den S&P 500 von 836 Punkten, was auf aktuellem Niveau einer Überbewertung von etwa 22 Prozent entsprechen würde.
Der Marktkonsens sieht das anders. Dieser rechnet für die kommenden zwölf Monate mit Firmengewinnen von etwa 77 $. Auf Basis des hier verwendeten Modells lässt sich ein so starker Gewinnanstieg - vor Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2007 erreichten die US-Firmen im S&P 500 einen aggregierten Gewinn von 86 $ - nicht erklären.
Anders die Situation aus technischer Sicht. Hier sind die positiven Bewegungen der vergangenen Monate durchaus nachvollziebar. So sind starke technische Gegenbewegungen nach heftigen Abwärtstrends in der Vergangenheit immer wieder anzutreffen gewesen. In 80 Prozent der Fälle setzen die Aktienmärkte nach solchen Gegenbewegungen - die durchaus von den jeweiligen Tiefs aus gemessen mehr als 50 Prozent betragen können - ihren vorhergehenden Abwärtstrend fort. Entweder durch einen erneuten Test der Tiefstände oder durch eine ausgeprägte Seitwärtsbewegung. Wobei Ersteres häufiger zu beobachten ist. Selbst nach dem Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 konnte der US-Aktienmarkt erst im dritten Anlauf im Frühjahr 2003 die Basis für die Haussejahre 2003 bis 2007 legen.
Teil 2: Fundament für einen Bullenmarkt
-
FTD.de, 11.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland