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Merken   Drucken   08.07.2009, 07:55 Schriftgröße: AAA

Märkte und Technik: Dax - Starker Kursanstieg wirft Fragen auf

Panik und Gier prägten das erste Halbjahr am deutschen Aktienmarkt: Machten in den ersten drei Monaten Weltuntergangsszenarien die Runde, was den Dax um über 25 Prozent abstürzen ließ, so kam ab Mitte März wieder leichter Optimismus auf. von Reza Darius Montassér
Reza Darius Montassér ist Vorstand für Vermögensverwaltung und Asset-Management der Alpenbank, Privatbanktochter der Raiffeisengruppe.
Am Ende konnte der Index seine Verluste mehr als wettmachen, zur Halbzeit liegt der Dax fast auf Jahresanfangsniveau.
Doch der rasante Anstieg des Dax  wirft Fragen auf. Denn aus fundamentaler Sicht hat sich die Lage seit den Jahrestiefs Anfang März kaum verändert. Im Gegenteil: Konzentriert man sich auf die harten Fakten, wird deutlich, dass sich die hiesige Wirtschaft in einem rapiden Abwärtstrend befindet. So sind die Gewinne der Dax-Unternehmen in den vergangenen Monaten um mehr als 60 Prozent eingebrochen. Und was die Zukunft betrifft, hört man hier kaum belastbar Positives. Zudem werden nachgelagerte negative Effekte wie eine drastische Erhöhung der Arbeitslosigkeit und damit verbunden ein deutlicher Rückgang des privaten Konsums den Aktienmarkt belasten.
Das für diese Analyse verwendete ökonometrische Modell errechnet für 2009/2010 aggregierte Gewinne der Dax-Unternehmen von 260 Euro, was ein Gewinnanstieg von gut 30 Prozent gegenüber 2008 bedeutet und auf aktuellem Dax-Niveau einem relativ hohen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 18,8 entspricht. Zum Vergleich: Das langjährige mittlere KGV für den Dax liegt bei 14,7.
Langfristige Trendanalyse des Dax anhand eines ...   Langfristige Trendanalyse des Dax anhand eines technisch-ökonometrischen Modells
Gleichzeitig zeigen die Modelle auch, dass sich die Wirtschaft aufgrund des weltweit massiv gestörten Geld- und Kreditflusses nur sehr mühsam aus dem Tal der Rezession wird befreien können, sodass sich die Konjunktur frühestens ab 2012 auf einem Niveau entwickeln sollte, das ihrem eigentlichen Potenzial entspricht. So lange aber werden Anleger hohe Ertragsrisiken bei den Unternehmensgewinnen in Kauf nehmen müssen. Um dieses Risiko auszugleichen, ist ein Abschlag auf das langjährige Mittel von mindestens drei KGV-Punkten auf zwölf angebracht, was einem Dax-Stand von 3120 Punkten entspräche. Werden in die Berechnung des fairen Werts weitere Kennzahlen wie etwa Buchwert, Verschuldungsgrad und Ertragsdynamik einbezogen, weist das ökonometrische Modelle zwar einen höheren Stand von 3600 Punkten aus. Dieser liegt aber immer noch 25 Prozent unter dem aktuellen Niveau. Nun gibt es aber am Aktienmarkt noch eine Reihe anderer Faktoren, die den wirtschaftlich fairen Wert des Dax überlagern können. Etwa die aktuell sehr hohe Liquidität, die nach renditeträchtigen Anlagemöglichkeiten sucht.
Hier kommt nun die technische Analyse zum Zug. Danach weist der Anstieg des Dax seit dem Frühjahrstief im Bereich von 3600 Punkten noch keine Anzeichen einer nachhaltigen Bodenbildung auf, was sich an zwei Punkten festmachen lässt: Zum einen ist das Handelsvolumen während der gesamten Anstiegsphase - trotz der hohen Liquidität am Markt - relativ gering gewesen. Das deutet darauf hin, dass lediglich zuvor eingegangene leerverkaufte Positionen (Short-Selling) wieder zurückgekauft wurden. Zum anderen würde der Index auf Basis der Dow-Theorie erst bei einem nachhaltigen Überschreiten des Widerstands bei 5300 Punkten eine Trendwende einläuten. Bis dahin bleibt der dominante sekundäre Abwärtstrend bestehen.
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Allein aus markttechnischer Sicht ist ein Unterschreiten der März-Tiefs zurzeit eher wahrscheinlich als eine nachhaltige Trendwende. Ersteres wäre extrem negativ, da in diesem Fall der langfristige Aufwärtstrend gebrochen würde (siehe Grafik). Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit, das ein solches SZenario eintritt, aufgrund der sich positiv entwickelnden langfristigen technisch-ökonometrischen Indikatoren (LTD-Technik) relativ gering. Dennoch zeigt der ganzheitliche LTD-Indikator (fundamental und technisch) an, dass der Dax sich in einem stark überhitzten Bereich befindet. Ein Einstieg in den Aktienmarkt wäre ceteris paribus daher frühestens im Bereich von 3600/4000 Punkten ratsam.
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  • FTD.de, 08.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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