Das Dauerthema Griechenland begleitet die Anleger auch in der kommenden Woche. Die meisten Strategen gehen trotz aller Probleme davon aus, dass es zu einer Lösung kommen wird. Am Montag verhandeln die Finanzminister der Euro-Zone erneut über die Freigabe der Milliardenkredite an das hoch verschuldete Land. Erleichtert würde ein Abschluss der Verhandlungen, wenn sich die EU am Wochenende auf ihre Haushaltsplanung einigt, schreibt Berndt Fernow, Investmentanalyst der LBBW in seinem Ausblick. Kompensationen für die übrigen in Bedrängnis geratenen Mittelmeerstaaten würden diese sicher Griechenland gegenüber kompromissbereiter machen. Sollte es am Montag kein positives Ergebnis geben, wäre die Enttäuschung enorm, befürchtet Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen. Optimismus der Anleger bezüglich Griechenland hatte den den Euro am Freitag noch auf ein Drei-Wochen-Hoch bei 1,2929 Dollar getrieben.
Für eine positive Überraschung sorgte am Freitag noch der Ifo-Geschäftsklimaindex, der im November erstmals seit sechs Monaten um 1,4 auf 101,4 Punkte gestiegen war. Das ließ den DAX um weitere 0,9 Prozent auf 7309 Punkte steigen. Das bedeutete ebenso wie beim Eurostoxx 50 einen satten Wochengewinn von je 5,2 Prozent.
Die Einschätzung der Strategen für die Entwicklung der Börsen ist zumindest mittelfristig weiter optimistisch: "mit Fokus auf Wertpotenzial in Europa und den Schwellenmärkten." Die schrittweise Verbesserung der Wirtschaftsdaten in den USA und Asien habe ihre Erwartung untermauert, dass die Produktionsdynamik moderat zunehmen und 2013 ein angemessenes, jedoch unspektakuläres Weltwirtschaftswachstum ermöglichen dürfte, schreiben sie. Dadurch sollten die Abwärtskorrekturen bei den Gewinnprognosen in den nächsten Monaten abnehmen. Das bedeute zugleich, dass die Aktienbewertungen attraktiv - und gegenüber Anleihen sogar sehr attraktiv - bleiben.
Nach Ansicht der Strategen der DZ Bank ist der DAX ist auf Jahressicht 2013 "the place to be", weil die Unternehmen im Index einen Großteil ihrer Umsätze in Nordamerika und Asien erzielen und der Aktienmarkt im Vorgriff auf die bessere Weltkonjunktur steigen sollte. "Weil kurzfristig aber noch zyklische Konjunkturrisiken bestehen, erscheinen zunächst noch Anlagen im breiter gefassten Euroraum attraktiver." Eine Investition in den Stoxx-600-Index nennen die Banker "vielversprechend", weil die Werte im Index weniger zyklischen Konjunkturrisiken ausgesetzt sind und Investoren gleichzeitig auf die Unterbewertung der im Index enthaltenen Titel aus der europäischen Peripherie setzen können.
Die Wall Street schaut unterdessen auf die US-Verbraucher und den Kongress. Daten zum Konsum stehen im Mittelpunkt. Fernow von der LBBW erwartet sich vom Verbrauchervertrauen des Conference Board am Dienstag allerdings keine großen Sprünge nach oben. Die monatliche Einkommens- und Ausgabenstatistik am Freitag könnte sogar ein marginales Minus beim Konsum anzeigen. "Einen wirklichen Schub kann die US-Ökonomie erst erhalten, wenn sich in Washington eine konstruktive Lösung im Haushaltsstreit findet", so der Stratege.
Für die Anleihemärkte ist eine Einigung in den USA ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Kommt sie zustande, dann "könnten Safe-Haven-Gelder aus deutschen und US-Staatsanleihen abfliessen und in den kommenden Wochen einen moderaten Renditeanstieg bewirken". Das zumindest glauben die Investmentstrategen der Credit Suisse. In Europa könnte ein Wahlsieg der Uabhängigkeitsverfechter in Katalonien die Unsicherheit über die Zukunft Spaniens verschärfen und die Renditen der Staatsanleihen wieder hoch treiben. Umgekehrt könnten Bundesanleihen profitieren.