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Merken   Drucken   21.04.2012, 09:13 Schriftgröße: AAA

Marktausblick: Das Hauptrisiko bleibt Spanien

Die Quartalssaison ist gut angelaufen und bringt den Märkten neuen Optimismus. Doch wie eine ungeliebte Bekannte drängt sich die Finanzkrise wieder in den Vordergrund und quält die Anleger mit der Sorge um die Euro-Zone.
von , Frankfurt und Kim Bode, New York

Mit der Rückkehr der europäischen Staatsschuldenkrise ins Bewusstsein vieler Investoren steht den Finanzmärkten erneut eine holperige Woche bevor. Ein großes Paket von Unternehmensergebnissen dies- und jenseits des Atlantiks könnte zwar Optimismus insbesondere an den Aktienmärkten schüren. Da sich viele Marktteilnehmer jedoch auf eine Krise in Spanien eingeschossen haben, dürfte jede negative Stimme zur Lage in dem Königreich die Risikobereitschaft der Anleger sinken lassen. "Die zugrunde liegende Stimmung ist noch immer sehr nervös, und die Anleger sind wegen der fiskalischen Aussichten Spaniens sehr besorgt", sagte Stratege Nick Stamenkovic vom schottischen Brokerhaus RIA Capital Markets der Nachrichtenagentur Bloomberg.

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Unsicherheit bedeutet in der Regel sinkende Kurse bei Aktien sowie bei Anleihen aus den europäischen Krisenstaaten. Profitieren würden davon die traditionellen sicheren Anlagehäfen, die Staatsanleihen Deutschlands und der USA, deren Kurse steigen und deren Renditen sinken dürften. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten am Freitagabend mit 1,70 Prozent drei Basispunkte niedriger als vor Wochenfrist.

In diesem Umfeld kann es für Italien schwer werden, Anleihen zu verkaufen. Nach Schätzungen der Commerzbank könnte das Land am Donnerstag mit Papieren im Volumen von rund 8 Mrd. Euro an den Markt kommen.

Zum Wochenschluss waren die Sorgen um die Euro-Zone Dank der anhaltend guten Stimmung in den deutschen Unternehmen jedoch erst einmal in den Hintergrund getreten. Der Ifo-Geschäftsklima-Index war unerwartet den sechsten Monat in Folge gestiegen. Der DAX  schloss 1,2 Prozent fester mit 6750 Punkten und gewann damit auf Wochensicht 2,5 Prozent. Der Euro  verteuerte sich im gleichen Zeitraum um 1,1 Prozent und kostete am Freitagabend 1,3225 Dollar.

Unterstützung erhielt die Gemeinschaftswährung von Nachrichten aus Washington, wo der Internationale Währungsfonds (IWF) zu seiner Frühjahrstagung zusammengekommen ist. Dabei beschloss die Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), die IWF-Krisenkasse um 430 Mrd. Dollar zu erhöhen. Der IWF soll unter anderem den Euro-Ländern Rückendeckung im Kampf gegen die Schuldenkrise geben.

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Nächste Woche veröffentlichen zahlreiche deutsche Unternehmen Zahlen. Den Anfang machen am Mittwoch SAP , Siemens  und Puma . Einen Tag später folgen unter anderem Deutsche Bank , Volkswagen  und der Bayer -Konzern. Am Freitag folgen unter anderem Daimler  und BASF .

Die Quartalszahlen könnten jedoch wegen der angespannten Lage in Spanien schnell in den Hintergrund treten. Die wieder aufgekommenen Diskussionen um die Finanzierungssituation der Iberer und die steigenden Refinanzierungskosten - zehnjährige Anleihen des Landes rentierten zuletzt um sechs Prozent - schlugen im Madrider Leitindex Ibex voll ein. In den vergangenen vier Handelswochen ging es für ihn rund 20 Prozent bergab. Beim DAX betrug das Minus im gleichen Zeitraum nur gut fünf Prozent.

Neil Robson, Fondsmanager für globale Aktien beim Fondsanbieter Threadneedle, bezeichnet Spanien in einem Marktkommentar als "negatives Territorium". Ein wichtiger Tag für Spanien könnte der Donnerstag werden. Dann präsentieren die beiden Großbanken BBVA  und Banco Santander  ihre Ergebnisse aus dem ersten Quartal.

Banger Blick nach Frankreich

Auch die Präsidentenwahl in Frankreich fachte die Nervosität an. Französische Konzerne wie Vivendi  und Peugeot  reagierten bereits darauf, dass ein Wahlsieg der Linken ihnen den Zugang am internationalen Kapitalmarkt erschweren könnte. Sie deckten sich zuletzt in großem Stil am Anleihemarkt mit frischem Geld ein.

Nach Einschätzung von Devisenanalystin Kathleen Brooks von Forex.com macht es jedoch keinen Unterschied, ob der Sozialist Francois Hollande oder der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy die Wahl gewinnt. "Wir haben wenig Hoffnung, dass einer von beiden die tiefsitzenden wirtschaftlichen Probleme Frankreichs lösen kann", sagte sie.

Der am vergangenen Montag an der Eurex gestartete Terminkontrakt auf langlaufende französische Staatsanleihen (FOAT) fiel in seiner ersten Handelswoche um 0,7 Prozent auf 124,55 Zähler. Hingegen stieg der Bund-Future um 0,3 Prozent auf 140,86 Punkte und damit den höchsten Stand seit der Euro-Einführung.

Die US-Börsen wurden zum Wochenschluss vom Ifo-Index und guten Geschäftszahlen von Unternehmen angeschoben. Der Dow-Jones -Index der Standardwerte schloss am Freitag 0,5 Prozent fester bei 13.029 Punkten - ein Wochenplus von 1,4 Prozent. Der breiter gefasste S&P500  gewann 0,1 Prozent auf 1378 Zähler, auf Wochensicht ein Plus von 0,6 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel am Freitag um 0,2 Prozent auf 3000 Punkte, auf die vergangenen fünf Handelstage gerechnet ein Minus von 0,4 Prozent. Laut Bloomberg-Berechnungen haben die Firmen im S&P 500, die bereits Quartalszahlen vorlegten, die Gewinnerwartungen der Analysten um 8,5 Prozent übertroffen.

Der Trend könnte sich in der neuen Woche fortsetzen, denn an der Wall Street geht die Quartalssaison mit Volldampf weiter. Hier rechnen die Analysten mit positiven Überraschungen: "Die Vorab-Schätzungen liegen für die Ergebnisse dieser Woche auf ziemlich niedrigen Niveau, die Unternehmen haben also gute Chancen diese zu übertreffen", meint John Praveen, Chefstratege beim Versicherungs- und Vermögensverwalter Prudential. "Die Frage ist nun vielmehr: Wie weit übertreffen sie die Erwartungen?" Dazu würden vor allem auch die Zukunftsaussichten der Unternehmen weiter Aufschluss geben.

Die Fed-Mitglieder veröffentlichen ihre Prognosen   Die Fed-Mitglieder veröffentlichen ihre Prognosen

Mit besonderer Aufmerksamkeiten werden die US-Börsen wohl die Quartalszahlen von Apple  am Dienstag analysieren. Nach einer enormen Rally war der Unternehmenskurs in den vergangenen Wochen heftig unter Druck geraten. Die Erklärungsansätze dafür sind vielfältig: Rückläufige

iPhone- und iPad-Absatzzahlen könnten zu Buche geschlagen haben. "Außerdem sehen viele hier nach dem gewaltigen Höhenflug auch die Möglichkeit zu Gewinnmitnahmen", sagt Praveen. Die Ergebnisse von Caterpillar , die am Mittwoch erwartet werden, würden zudem zeigen, inwiefern die abflauende Wirtschaft in Indien und China sich auf die US-Hersteller auswirken.

Auch aus makroökonimischer Perspektive erwarten die US-Börsen einige spannende Termine. So wird die Sitzung der Notenbank Federal Reserve am Mittwoch vor allem wegen der Veröffentlichung der Prognosen der einzelnen FOMC-Mitglieder im Fokus stehen. "Wir erwarten von dieser Sitzung keine Überraschungen hinsichtlich der Zinsrate oder einer möglichen weiteren Runde der geldpolitische Lockerung", meint Praveen. "Es könnte aber sein, dass eine der Einschätzungen eines FOMC-Mitglieds andeutet, dass im Gegenteil eine geldpolitische Straffung vor 2014 anstehen könnte." Das könne die Märkte durchaus in Aufruhr versetzen.

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