Der Ausgang der Wahlen in Frankreich und Griechenland und die Sorge um die weltweite Konjunktur werden in der kommenden Woche die Tendenz an den Finanzmärkten bestimmen. Schwache Arbeitsmarktdaten aus den USA und enttäuschende Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone lasteten zum Schluss dieser Woche auf der ohnehin angeschlagenen Stimmung der Investoren.
So hat die US-Wirtschaft im April außerhalb der Landwirtschaft nur 115.000 neue Stellen geschaffen, teilte das Arbeitsministerium am Freitag mit. Ökonomen hatten im Schnitt mit 170.000 neuen Jobs gerechnet. Die Aktienmärkte reagierten mit Verlusten, deutsche Staatsanleihen kletterten auf Rekordhochs, und auch US-Papiere waren gefragt.
Auf Wochensicht verloren der DAX 3,5 Prozent auf 6561 Zähler und der Eurostoxx 50 sogar 4,0 Prozent. Der S&P 500 fiel um 2,4 Prozent. Strategen erwarten, dass die Anleger auch diese Woche risikoreiche Anlagen wie Aktien scheuen und sich auf sichere Werte stürzen werden. Speziell für die europäischen Aktien rechnen Strategen mit weiteren Kursverlusten. Für die US-Titel sind sie optimistischer.
"Vor dem Hintergrund der hohen und eher wieder zunehmenden konjunkturellen Risiken in der Eurozone halten wir eine erneute Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise für wahrscheinlich", schreibt Matthias Thiel von MM Warburg in seinem Wochenausblick. "Für die Aktienmärkte drohen somit erneut turbulente Zeiten." Dazu könnten auch die Wahlen beitragen. Der allgemein erwartete Wahlsieg des Sozialisten Francois Hollande dürfte nach Ansicht von Analysten negativ aufgenommen werden.
Sie sehen die bisherigen Sparbemühungen in Frankreich in Gefahr. Der größere Unsicherheitsfaktor ist aber Griechenland, falls dort eine europakritische Regierung an die Macht kommt. "Das größte Risiko für die Märkte ist, dass es in Griechenland nicht zu einer Regierungsbildung kommt und es völlig unklar ist, ob Athen die Sparmaßnahmen einhalten kann,", so Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank in London.
Umfragen zufolge könnten bis zu zehn Parteien in das Parlament einziehen, was es schwer macht, eine Regierung mit einem klaren Mandat zu formen. "Wenn wir Pech haben, werden sich die Märkte am Montag fragen, ob Griechenland innerhalb einiger Monate aus dem Euro aussteigt."
Für US-Aktien spricht derzeit nach Ansicht von Manfred Bucher, Aktienstratege der BayernLB, dass die Gewinnerwartungen ebenso wie die Einkaufsmanagerindizes zwischen den USA und dem Euro-Raum zugunsten der US-Unternehmen auseinanderlaufen. So wurden die Gewinnerwartungen 2012 beim Eurostoxx in den letzten zwei Monaten um 3,3 Prozent nach unten revidiert. Bei den S&P-500-Unternehmen stiegen sie im gleichen Zeitraum um 0,3 Prozent. Von Jahresbeginn bis Ende April hat der S&P 11,2 Prozent zugelegt, der Eurostoxx 50 verlor dagegen 0,4 Prozent.
An der Wall Street erwarten Analysten nicht, dass sich der Dämpfer längerfristig auf die Kurse auswirkt. "Auch wenn die Märkte unmittelbar enttäuscht reagiert haben, denke ich nicht, dass die Arbeitsmarktzahlen einen negativen Trend in der US-Wirtschaft unterstreichen", sagt Fred Cannon, Chefanalyst bei der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods. "Die Zahlen sind eigentlich auf einer Linie mit dem, womit nicht nur wir, sondern auch die US-Notenbank in nächster Zeit rechnen: moderates Wachstum."
Manche Experten halten sogar eine Rally für möglich. "Natürlich sind die Jobzahlen ziemlich enttäuschend", sagt Mark Newton, Chef der technischen Aanalyse beim Handelshaus Greywolf Execution. "Aber technisch sind wir immer noch auf einem Niveau das in den kommenden Wochen eine Aufwärtsrally ermöglicht." Nicht zuletzt stehe die US-Wirtschaft immer noch bedeutend besser da als weite Teile der Welt.
Das werde sich auch positiv auf den Dollar-Kurs auswirken. Newton rechnet mit einem Einbruch beim Euro, der wiederum der US-Währung zugute kommen werde. Sollte die Erwartung um sich greifen, dass die US-Notenbank auf eine dritte Runde geldpolitischer Lockerungsmaßnahmen verzichten kann, wird dies den Dollar zusätzlich stützen. Am Freitagabend kostete ein Euro 1,3094 Dollar.
An den Rentenmärkten bleiben Bundesanleihen und Papiere aus Staaten mit der Bonitätsbestnote "AAA" gefragt. Am Freitag rentierten zehnjährige finnische Anleihen mit 1,95 Prozent so tief wie nie zuvor. Auch die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel mit 1,58 Prozent auf ein Rekordtief. Und dies dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, erwarten Experten.