Die Euphorie an den Märkten hat am Freitag ein Ende gefunden. Nachdem sich Anleger am vergangenen Donnerstag nach dem Euro-Gipfel an den explodierenden Kursen berauscht hatten, stellte sich zum Wochenende der nach solchen Höhenflügen drohende Kater ein. Viele europäische Indizes schlossen zwar nur leicht in der Verlustzone - waren aber von den Vortagsgewinnen von bis zu fünf Prozent weit entfernt.
Auch die kommende Woche wird von Zurückhaltung geprägt sein - darin sind sich Aktien- und Anleihenstrategen einig. Sie trauen den Gipfelbeschlüssen nicht zu, dass sie die Verschuldungskrise endgültig beenden können. "Die Erleichterung am Markt über den Schuldenschnitt für Griechenland steht auf tönernen Füßen, denn die Antwort auf die Krise bleibt eine Fortsetzungsgeschichte", sagt Rainer Guntermann, Analyst bei der Commerzbank. Der Schuldenschnitt falle zwar größer aus, aber die Details des freiwilligen Anleihetauschs müssten noch ausgearbeitet werden.
Nur ein verbindliches Bekenntnis der Investoren, sich an einem erweiterten Rettungsschirm zu beteiligen, sowie ein reibungsloser Schuldentausch würden für ein nachhaltigeres Szenario sprechen, in dem die Investoren wieder verstärkt in riskantere Anlagen gehen würden.
Bei Aktien rechnen Experten daher mit leicht sinkenden Kursen, möglicherweise bereits zu Wochenbeginn. "Angesichts der derzeitigen Umstände könnte es so sein, dass der Markt gerade die Ruhe vor dem Sturm erlebt. Auch wenn die Aktienkurse seit ihrem Tiefpunkt am 4. Oktober sich wieder gut erholt haben, erwarten wir, dass die Volatilität zurückkehren wird, möglicherweise sogar schlimmer als zuvor", sagt Sameer Samana, Analyst bei Wells Fargo.
Der DAX schloss am Freitag 0,1 Prozent im Plus bei 6346 Punkten. Auf Wochensicht gewann der Leitindex 4,8 Prozent oder rund 290 Zähler. Der europäische Auswahlindex Stoxx 600 ging am Freitag 0,2 Prozent schlechter aus dem Handel. Er legte in der vergangenen Woche 2,9 Prozent oder knapp sieben Punkte zu. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann auf Wochensicht 3,6 Prozent auf 12.231 Zähler. DAX und Dow Jones laufen derzeit auf einen rekordverdächtigen Oktober zu. Steigt der Dow Jones bis kommenden Dienstag weiter, wäre das der beste Oktober seit Auflegung des Index 1896. Der DAX steht mit einem Plus von bislang knapp 16 Prozent ebenfalls vor dem besten Oktoberergebnis seiner mehr als 20-jährigen Geschichte.
Interessiert werden die Anleger in der kommenden Woche wohl auch die Quartalszahlen der Unternehmen verfolgen. Mit Credit Suisse und Barclays legen gleich am Dienstag zwei Schwergewichte aus dem Finanzsektor ihre Bilanzen vor. Es folgen unter anderem Standard Chartered, BNP Paribas und ING Group. Commerzbank und Royal Bank of Scotland beschließen den Reigen am Freitag.
Teil 2: "Markt wird sich auf die Schwachpunkte konzentrieren