Robuste Wirtschaftsdaten aus China und ein überraschend stabiler Quartalsgewinn von JP Morgan geben den europäischen Börsen am Freitag Auftrieb. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagentur Moody's prallte an den Marktteilnehmern dagegen ab. Der DAX schloss 2,2 Prozent im Plus bei 6557,10 Punkten. Auf Wochensicht legte der deutsche Leitindex 2,3 Prozent zu. Der EuroStoxx50 stieg am Freitag um 1,1 Prozent auf 2252 Zähler. An den US-Börsen ging es ebenfalls kräftig bergauf, obwohl der von Reuters und der Universität Michigan ermittelte Index zum Verbrauchervertrauen im Juli mit 72 Zählern schlechter ausfiel als angenommen.
Einen Extra-Schub verlieh den europäischen Finanzmärkten am Nachmittag Händlern zufolge eine große Umschichtung von ETF-Anlegern. Demnach trennten diese sich von ETFs (börsennotierten Indexfonds) auf US-Staatsanleihen und investierten in Produkte auf europäische Aktien und den Euro . Die europäische Gemeinschaftswährung stieg auf 1,2227 Dollar.
Zuvor hatten bereits Konjunkturdaten aus China die Börsen beflügelt. Die Wirtschaft der Volksrepublik wuchs im zweiten Quartal um 7,6 Prozent, so stark, wie Analysten erwartet hatten. Allerdings schwächte sich das Wachstum ab, denn im ersten Quartal hatte das chinesische Bruttoinlandsprodukt noch um 8,1 Prozent zugelegt. "Die Chancen stehen gut, dass wir im zweiten Quartal den Boden gesehen haben", sagte Volkswirt Sun Junwei von HSBC in Peking. Die Analysten der Commerzbank rechnen damit, "dass die Regierung den Abschwung abfedern will und hierzu auch in der Lage ist." Angesichts der neuen Zuversicht in Sachen China waren unter anderem Autowerte gefragt. BMW , Daimler und VW schlossen mit Aufschlägen zwischen 2,5 und 3,5 Prozent.
Ohne größere Probleme konnte Italien Anleihen in Volumen von 5,25 Mrd. Euro am Markt platzieren - obwohl Moody's die Bonität des Landes mit der Herabstufung auf Baa2 nur noch zwei Stufen über Ramschniveau sieht. Italien muss den Anlegern für die Bonds weniger Zinsen zahlen als zuvor: für die dreijährigen Papiere nur noch 4,65 Prozent nach 5,3 Prozent vor einem Monat. Der italienische Aktienleitindex beendete den Tag mit einem Plus von einem Prozent.
Profitieren konnten die meisten europäischen Finanztitel von den Quartalszahlen von JP Morgan. Der europäische Branchenindex drehte am Nachmittag ins Plus und schloss 0,3 Prozent höher. JP Morgan musste im zweiten Quartal wegen des Handelsskandals im Londoner Büro zwar 4,4 Mrd. Dollar abschreiben. Trotz dieser Verluste schaffte die US-Großbank aber einen Nettogewinn von 4,96 Mrd. Dollar. "Dieses Kunststück hat den Markt offenbar nachhaltig beeindruckt", sagte ein Händler in Frankfurt. In New York schossen die Papiere des Instituts um 5,6 Prozent nach oben. Lediglich an den Aktien der Deutschen Bank ging die gute Stimmung vorbei. Sie schlossen mit einem Abschlag von 1,9 Prozent und verbuchten damit in dieser Woche ein Minus von 6,5 Prozent.
An der DAX-Spitze standen am Freitag die Papiere der Deutschen Telekom mit einem Aufschlag von 5,7 Prozent. Die Analysten von Credit Suisse hatten die Titel hochgestuft auf "Neutral" von "Underperform". Auch andere europäische Titel der Branche waren gefragt. Im Pariser Leitindex verbuchten France Telecom -Aktien ein Plus von 5,6 Prozent, Telecom Italia gewannen in Mailand 4,6 Prozent.
Die Anleger setzten zudem weiter auf die Titel von SAP . Die Anteilsscheine gewannen am Tag nach der Vorlage von Quartalszahlen drei Prozent, nachdem sie am Donnerstag bereits 2,7 Prozent zugelegt hatten.