Knapp daneben ist auch vorbei: Der DAX ist am Donnerstag einmal mehr an der runden Marke von 7000 Punkten gescheitert. Nach seinem knapp zehnprozentigen Anstieg in den vergangenen beiden Wochen stellen sich viele Investoren die Frage, ob dieses Plus gerechtfertigt ist. Der deutsche Leitindex verabschiedete sich fast unverändert bei 6964 Punkten in den Feierabend. Der EuroStoxx50 schloss beinahe unverändert bei 2434 Zählern. An der Wall Street lag der US-Standardwerteindex Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland 0,1 Prozent im Minus.
"Wenn man eine weitere Lockerung der Geldpolitik erwartet und realistische Chancen auf ein moderates Gewinnwachstum sieht, sind Aktien nicht besonders teuer", sagte Investment-Stratege Richard Batty von Standard Life Investments. "Man sollte sich aber nicht zu weit aus dem Fenster lehnen."
Die Politik wecke meist hohe Erwartungen, die sie dann enttäusche, sagt sein Kollege Henk Potts von Barclays Wealth Management. "Dies wird Anleger vorerst im Zaum halten."
EZB-Chef Mario Draghi hatte mit seinem Bekenntnis zum Euro Ende Juli zunächst Spekulationen auf unbegrenzte Käufe von Anleihen kriselnder Staaten durch die Notenbank genährt. Die EZB will aber nur dann einspringen, wenn Staaten Hilfsanträge beim EU-Rettungsfonds stellen und sich Spar- und Reformauflagen unterwerfen.
Durchwachsene Geschäftszahlen einiger Konzerne schwächen die Aktienindizes. Im DAX kamen Deutsche Telekom und Commerzbank mit ihren Zwischenberichten bei den Anlegern nicht sonderlich gut an - auch wenn es bei beiden positive Signale gab, wie Börsianer sagten. So begrüßten sie bei der Telekom vor allem die stabile Dividendenrendite von derzeit rund sieben Prozent. Bemängelt wurde die mangelnde Fantasie für die Zukunft. T-Aktien rutschten um zwei Prozent ab. Die Papiere des Konkurrenten France Telecom verloren in Paris 0,7 Prozent.
Auch bei der Commerzbank machten Analysten Licht und Schatten aus: Die Stärkung der Kapitaldecke wurde durchweg positiv gewertet. Enttäuscht zeigten sich Börsianer aber über den zurückhaltenden Ausblick. Der sank um 4,2 Prozent auf 1,23 Euro.
Metro legte gegen den Trend zwei Prozent zu, nachdem der Konzern im Dauer-Streit mit Media-Saturn-Gründer Erich Kellerhals um das Sagen bei Europas größter Elektrohandelskette einen Punktsieg errungen hatte. Die Spekulationen um eine Herausnahme von Media-Saturn aus der Metro-Bilanz seien damit beendet, schrieb DZ Bank-Analyst Herbert Sturm in einem Kommentar. Damit könnten sich Anleger wieder auf die Fundamentaldaten konzentrieren. Viel Luft nach oben habe die Metro-Aktie allerdings nicht, da eine Gewinnwarnung nicht ausgeschlossen werden könne.
Dagegen legte Rhön-Klinikum im Nebenwerteindex MDAX um 3,9 Prozent zu. Auslöser des Kursanstiegs war eine Reuters-Meldung, der zufolge ein zweites Übernahme-Angebot von Fresenius wahrscheinlicher wird. "Positiv ist vor allem, dass Fresenius sich zunächst mit einer Mehrheit von 50 Prozent plus einer Aktie zufriedengeben würde", sagte ein Händler. Danach wäre eine größere Mehrheit vermutlich rasch zu erwerben.
Im Technologieindex TecDAX verdunkelte sich für viele Anleger von SMA Solar der Himmel - da half auch eine leichte Anhebung der Prognose nicht. "Die Zahlen lagen unter den Erwartungen", schrieb Equinet-Analyst Stefan Freudenreich in einem Kommentar. "Das Wachstum der Auslieferungen kann nicht mit dem des Konkurrenten Power One mithalten." SMA brachen um 7,7 Prozent ein, Power One gewannen an der Wall Street 2,3 Prozent.