Der DAX ist am Freitag nahe seinem Wochenhoch aus dem Handel gegangen. Der deutsche Leitindex stieg den fünften Tag in Folge und legte dabei um 0,9 Prozent auf 7309 Punkte zu.
Das sind über fünf Prozent mehr als vergangenen Freitag. Damit hat der DAX das größte Wochenplus seit Anfang Dezember 2011 erzielt. Der EuroStoxx50 stieg um 0,7 Prozent auf 2553 Punkte. Für den MDAX ging es vor dem Wochenende um 0,23 Prozent auf 11.408 Punkte nach oben. Der TecDAX zog um 0,26 Prozent auf 826 Punkte an.
Die Aussicht auf eine baldige Lösung für das griechische Finanzierungsproblem und eine überraschend gute Stimmung in den deutschen Unternehmen stützten den Markt, sagten Händler. Allerdings hatten es die europäischen Börsen bis zum Nachmittag nur leicht ins Plus geschafft. Erst der positive Start an der Wall Street brachte auch hierzulande frischen Schwung. "Es hat die US-Märkte gebraucht, um die 7300 Punkte zu nehmen", sagte ein ein Börsianer über die Bewegung im DAX. "Es gibt zu wenige Anleger hier, als dass wir das alleine hinkriegen."
Die Wall Street notierte kurz nach Börsenschluss in Europa ebenfalls im Plus. Der Dow Jones lag 0,8 Prozent höher, die Technologiebörse Nasdaq 1,1 Prozent. Angesichts des verlängerten Wochenendes vieler US-Anleger lief das Geschäft vergleichsweise ruhig. Am Donnerstag war an den US-Börsen wegen des Feiertages Thanksgiving nicht gehandelt worden. Am Freitag schließt die Wall Street bereits um 19.00 Uhr (MEZ), weil an diesem Tag in den USA traditionell das Weihnachtsgeschäft in den USA eingeläutet wird. Entsprechend standen vor allem Einzelhändler wie Branchenprimus Wal-Mart im Blickpunkt, dessen Aktien um 1,4 Prozent zulegten.
Neue Zuversicht für Investoren hatte Vormittags der Ifo-Geschäftsklimaindex verbreitet, der im November überraschend gestiegen ist und so eine sechsmonatige Talfahrt gestoppt hat. Positiv werteten Anleger auch, dass die Verhandlungen um neue Gelder für Athen offenbar vorankommen. Nach griechischen Angaben zeigt sich der Internationale Währungsfonds bereit, das angepeilte Sanierungsziel für 2020 zu lockern. Damit wäre der Konflikt mit den europäischen Gläubigern entschärft. Investoren am griechischen Aktienmarkt blieben dennoch skeptisch. Der Athener Leitindex scherte aus dem europäischen Trend aus und gab 0,2 Prozent nach.
Ein Unsicherheitsfaktor in Europa blieb der Streit um den EU-Haushalt. Der Gipfel der Staats- und Regierungschefs wurde am späten Nachmittag abgebrochen. "Wenn sich die Politiker nicht auf einen Haushalt einigen können, dann konterkariert das letzten Endes die gesamte Griechenland-Debatte", sagte ein Händler. Die europäischen Gläubiger diktierten Athen strenge Sparvorschriften, gleichzeitig bekämen die Politiker es beim europäischen Haushalt nicht hin. Unterdessen scheinen die Fronten in den Verhandlungen um den Etat bis 2020 verhärtet. Nettozahler wie Großbritannien oder Deutschland verlangen, dass spürbar gespart wird. Andere Länder stellen sich gegen Subventionskürzungen. Eine Lösung erwarten viele Investoren erst im neuen Jahr.
Nachdem die Aktien der Commerzbank am Donnerstag noch um gut sechs Prozent zugelegt hatten, übernahmen sie am Freitag mit einem Minus von 1,6 Prozent die rote Laterne im DAX. Auf der Gewinnerseite stand Bayer mit einem Plus von 1,6 Prozent. Die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns profitierten von einer Kurszielerhöhung von Nomura. Auch die Lufthansa setzte in Reaktion auf einen Analystenkommentar ihren Anstieg fort und gewannen 0,6 Prozent.
Im MDAX gaben die Aktien des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS wegen Spekulationen um eine bevorstehende Aktienplatzierung um 1,6 Prozent nach, in Paris betrug das Minus 1,4 Prozent. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf deutsche Regierungskreise berichtet, die KfW solle ein EADS-Aktienpaket von drei Prozent von Frankreich übernehmen. Die Bundesregierung bezeichnete den Bericht als Spekulation. Eine Folge des neuen Modells wäre, dass der Bund nur noch etwa 1,5 Prozent vom deutschen EADS-Großaktionär Daimler erwerben würde. Daimler will seit längerem die Hälfte seiner 15-prozentigen Kapitalbeteiligung an EADS verkaufen. "Daimler müsste dann Aktien über den Markt verkaufen. Das drückt den Kurs, weil das ein größeres Paket wäre", sagte ein Händler.
An der österreichischen Börse zogen die Titel des Energieversorgers Verbund um 4,2 Prozent an. Anlegern gefiel, dass der Konzern seine 50-prozentige Beteiligung am türkischen Versorger Enerjisa an EON abtreten will. Der deutsche Versorger will nach Angaben von mit dem Vorgang vertrauten Personen den Markteintritt in der Türkei schaffen. EON-Aktien schlossen 0,1 Prozent niedriger.