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Merken   Drucken   15.02.2012, 18:32 Schriftgröße: AAA

Marktbericht: Griechenland-Debatte lässt DAX-Plus schmelzen

Das Sparpaket wurde im Athener Parlament zwar abgenickt, doch die Geberländer wollen langfristigere Garantien. Das verhagelt die Kauflaune der Anleger.
© Bild: 2011 Reuters/PAWEL KOPCZYNSKI
Das Sparpaket wurde im Athener Parlament zwar abgenickt, doch die Geberländer wollen langfristigere Garantien. Das verhagelt die Kauflaune der Anleger.
Die schärfer werdenden Töne zwischen der Euro-Gruppe und Griechenland im Streit um langfristige Sparmaßnahmen haben die Aktienanleger vorsichtiger gestimmt. Das Plus in DAX und EuroStoxx50  schmolz im Handelsverlauf auch wegen der uneinheitlich tendierenden US-Börsen. Der DAX schloss 0,4 Prozent fester bei 6757,94 Punkten, nachdem er am Mittag noch bis auf 6830 Zähler gestiegen war. Der EuroStoxx50 verbuchte zum Börsenschluss ein Plus von 0,3 Prozent bei 2494 Stellen.
Deutschland verlangt vor der Freigabe des zweiten Rettungspakets für Griechenland überzeugende Vertrauensbeweise von allen Spitzenpolitikern in Athen. "Wer stellt denn sicher, dass Griechenland danach zu dem steht, was wir jetzt mit Griechenland vereinbaren", sagte Finanzminister Wolfgang Schäuble in einem Radio-Interview. Als Drohung stellten Deutschland und die Geber-Staaten Niederlande und Finnland Insidern zufolge eine Verschiebung des gesamten Pakets bis nach der Parlamentswahl im April in den Raum. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos warf "gewissen Mächten" vor, mit dem Feuer zu spielen und Griechenland aus der Euro-Zone drängen zu wollen.
Kursinformationen und Charts
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"Wenn das Griechenland-Paket verschoben wird, wäre das natürlich ein hartes Stück", sagte Christian Schmidt, Aktienmarkt-Analyst bei der Helaba. "So ganz überraschend käme das nicht, schließlich wurde die Entscheidung über die Rettungsgelder schon mehrfach vertagt. Klar ist bislang nur, dass die Rettung Griechenlands weiterhin mit vielen Fragenzeichen und Unklarheiten verbunden ist."
Gestützt wurden die europäischen Indizes von der Ankündigung der chinesischen Zentralbank, sich stärker im Kampf gegen die Euro-Krise zu engagieren. China werde über den Internationalen Währungsfonds und den Euro-Rettungsschirm EFSF eine größere Rolle bei der Lösung der Probleme in Europa spielen, sagte Zentralbank-Gouverneur Zhou Xiaochuan. "Die Hoffnung auf chinesische Schützenhilfe hilft dem Markt", sagte ein Börsianer.
Daneben sorgte die französische BNP Paribas  mit ihrem Quartalsergebnis für Optimismus in der Bankenbranche. Neben dem höher als erwartet ausgefallenem Gewinn machte vor allem der Umstand Mut, dass BNP die strengeren Kapitalvorgaben der europäischen Aufsicht bereits sechs Monate vor Inkrafttreten erfüllt hat. Der Bankenindex legte um 1,7 Prozent zu. Im DAX gewannen die Titel von Deutsche Bank  und Commerzbank  bis zu drei, beziehungsweise 2,2 Prozent. Der ungewisse Ausgang der Griechenland-Verhandlungen machte den Anstieg im Handelsverlauf aber wieder zunichte, so dass die Deutsche Bank mit einem mageren Plus von 0,4 Prozent aus dem Handel ging, während bei der Commerzbank-Aktie ein Minus von 0,6 Prozent stand. Im Pariser Leitindex CAC40 führten BNP die Gewinnerliste mit einem Plus von 4,1 Prozent an, Societe Generale  war mit einem Aufschlag von 2,2 Prozent ebenfalls gefragt, die Anteilsscheine von Credit Agricole  drehten ins Minus und beendeten den Tag 0,7 Prozent schwächer.
Adidas dank Puma im Plus
Unter den deutschen Einzelwerten konnten Adidas -Papiere punkten. Die Aktien kletterten nach den positiv aufgenommenen Zahlen des Konkurrenten Puma  um bis zu 3,8 Prozent auf einen Rekordwert von 59,96 Euro und schlossen 2,6 Prozent fester. Die Aktien Pumas verteuerten sich um bis zu 3,6 Prozent und gehörten damit zeitweise zu den größten Gewinnern im MDAX . Die Sport - und Modemarke hat seinen Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr deutlich gesteigert und rechnet auch 2012 sowie 2013 mit Umsatzzuwächsen im prozentual hohen einstelligen Bereich.
Deutlich Rückenwind hatten auch TUI , nachdem es dem Unternehmen gelungen ist, weitere Anteile an der Reederei Hapag-Lloyd zu verkaufen. Die Aktien des Reise- und Schifffahrtskonzerns standen mit einem Plus von 3,5 Prozent weit oben im MDAX. Der Aufsichtsrat des Reisekonzerns aus Hannover gab am Dienstagabend grünes Licht für die Transaktion, mit der die Hansestadt zum größten Eigner der Containerreederei wird. Auch der am Morgen von TUI vorgelegte Quartalsverlust konnte die Stimmung nicht trüben.
Das Unternehmen hat in seinem ersten Geschäftsquartal wegen einer schwächeren Entwicklung der Tourismustochter TUI Travel mehr Verlust eingefahren. Die Zahlen hätten aber über den Erwartungen des Marktes gelegen, sagte ein Börsianer.
Auftrieb erhielten erneut die Autowerte, nachdem Daimler  in der Vorwoche für 2011 einen Rekordgewinn vermeldet hatte, den der Stuttgarter Konzern in diesem Jahr halten will. Die Daimler-Aktie gewann 1,5 Prozent, nachdem sie die Vorwoche mit einem Plus von zwei Prozent abgeschlossen hatte. VW -Papiere waren mit einem Aufschlag von 2,6 Prozent Spitzenreiter im DAX, BMW -Titel verteuerten sich um ein Prozent. Im Windschatten der Auto-Hersteller gaben auch die im MDAX gelisteten Titel des Zulieferers Leoni Gas, die um 4,6 Prozent vorrückten. Continental  und Elringklinger  legten zwischen 1,6 und 0,6 Prozent zu.
Auch die Papiere von RWE  gehörten abermals zu den Lieblingen der Anleger. Die Titel schlossen 1,7 Prozent fester bei 32,16 Euro und haben seit Jahresanfang bereits 18,5 Prozent zugelegt. Die Investoren honorierten den Umbau des Konzerns, sagte ein Händler. Die Aussage von RWE, sich bis Jahresende von seiner tschechischen Tochter Net4Gas trennen zu wollen, habe zuletzt die positive Stimmung verstärkt.
An der Londoner Börse schossen die Titel von Cable & Wireless Worldwide um 44,51 Prozent nach oben, nachdem Vodafone  Interesse an dem Festnetzanbieter bekundet hatte. Die Vodafone-Aktie schloss ein Prozent im Plus. Auf die Telekom -Papiere färbte die Stimmung nicht ab: Sie schlossen 0,1 Prozent schwächer.
21:51:55 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
DAX 6339,94    +0,38%  24.05
MDAX 10196,44    -0,34%  -35.08
ESTX RE.EUR 365,07    +0,26%  0.96
Dow Jones 12444    -0,68%  -85.75
S&P500 1316,59    -0,31%  -4.09
Euro 1,25111 USD   -0,19%  -0.00238
  • FTD.de, 15.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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