Die Furcht vor den Konsequenzen eines möglichen Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone versetzt die Anleger an den europäischen Aktienmärkten weiter in große Unruhe. Der DAX rutschte am Mittwoch mit einem Abschlag von 1,6 Prozent zeitweise auf den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Aus dem Handel ging er 0,3 Prozent schwächer bei 6384 Zählern.
Der EuroStoxx50 verlor 0,2 Prozent, der Euro geriet ebenfalls in Wanken. Die New Yorker Wall Street hielt sich zum Handelsschluss in Europa knapp im Plus. "Die Lage rund um Griechenland ist weiter kritisch. Wir wissen nicht, ob das Land unter einer neuen Regierung wieder auf die Beine kommt oder tatsächlich auf eine Pleite zusteuert", sagte ein Händler.
Anleger befürchten, dass bei den am 17. Juni anstehenden Neuwahlen in Griechenland die Sparkurs-Kritiker weiteren Zulauf erhalten und die neue Regierung den Sanierungspakt mit der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufkündigt. Börsianer gehen davon aus, dass der hoch verschuldete Staat damit auf einen Austritt aus der Euro-Zone zusteuert.
Für zusätzliche Nervosität sorgte am späten Nachmittag auch, dass die Europäische Zentralbank nach Reuters-Informationen mehrere angeschlagene griechische Banken nicht mehr refinanziert. Den betroffenen Instituten steht damit nur noch die Liquiditätshilfe der griechischen Zentralbank für ihre Refinanzierung zur Verfügung. Um wie viele Banken genau es sich dabei handelt, blieb zunächst unklar. Die EZB wollte sicht dazu nicht äußern. Der Euro fiel in Reaktion auf die Meldung noch einmal kurz unter die Marke von 1,27 Dollar. Am Morgen war er bereits bis auf 1,2679 Dollar gerutscht, hatte sich zwischenzeitlich aber etwas erholt.
An den Rentenmärkten blieb die Lage ebenfalls angespannt. Die Renditen der zehnjährigen italienischen und spanischen Anleihen notierten weiter um die sechs Prozent - ein Niveau, das sich die klammen Staaten langfristig nicht leisten können. Rohöl, Kupfer und andere Rohstoffe litten neben der Verunsicherung über die wirtschaftliche Zukunft Europas auch unter der Aufwertung des Dollar. Da viele Anleger in die Weltleitwährung flüchteten, notierte der Dollar-Index zeitweise so hoch wie zuletzt im Januar.
ThyssenKrupp waren mit einem Abschlag 2,7 Prozent der schwächste Wert im DAX. Zahlreiche Analysten senkten ihre Ergebnis-Prognosen und Kursziele als Reaktion auf die Quartalsbilanz vom Vortag. Ingo-Martin Schachel von der Commerzbank bezeichnete den Ausblick für das europäische Stahlgeschäft als enttäuschend.
Unter den größten Gewinnern waren die Aktien der Deutschen Börse, die sich um 1,6 Prozent verteuerten. Die bekräftigten Gesamtjahresziele stützten einem Börsianer zufolge den Kurs. Analyst Christian Muschick von Silvia Quandt Research verwies zudem auf die angekündigte Reduzierung der Entgelte für die Abrechnung von Aktiengeschäften. Wie bei früheren Gebührensenkungen erhoffe sich die Deutsche Börse, dass steigende Handelsumsätze die Mindereinnahmen ausglichen.
Im SDAX rutschten Ströer in den Keller. Ein erneuter Quartalsverlust schickte die Papiere um bis zu 19,3 Prozent auf ein Rekordtief von 8,11 Euro.
International machten Total von sich Reden. Die Abdichtung des Gas-Lecks an der Nordsee-Bohrinsel "Elgin" trieb die Aktien des französischen Öl- und Gaskonzerns um 1,6 Prozent in die Höhe. In den kommenden Tagen behielten Experten das mit Schlamm aufgefüllte Bohrloch im Auge, um sicherzustellen, dass das Leck auch verschlossen bleibe, teilte Total mit. Seit Ende März strömten täglich geschätzte 200.000 Kubikmeter Erdgas aus der Förderanlage und bildeten ein explosives Gemisch.
Unterdessen warfen die Proteste der Kapitalismus-kritischen "Blockupy"-Bewegung in Frankfurt ihre Schatten voraus. Marktanalyst Roger Peeters vom Bankhaus Close Brothers Seydler verglich die Lage mit Weiberfastnacht. "Niemand trägt Krawatte." Viele Banken rieten ihren Mitarbeitern zudem, von zu Hause aus zu arbeiten. Einige Gebäude wie das Commerzbank-Hochhaus - der größte Wolkenkratzer der Stadt - bleiben während der bis Sonntag geplanten Proteste komplett geschlossen.