Der DAX hat am Donnerstag deutlich höher geschlossen. Die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) für unbegrenzte Anleihekäufe von kriselnden Euro-Mitgliedern wurden durchweg positiv aufgenommen. Die Kursgewinne wurden auch von der Nachricht unterstützt, dass sich die Stimmung der Dienstleistungsunternehmen in den USA aufgehellt hat. Der deutsche Leitindex schloss 2,9 Prozent höher bei 7167 Punkten. Der MDAX verabschiedete sich 2,09 Prozent fester bei 11.115 Punkten aus dem Handel und der TecDAX gewann 1,09 Prozent auf 804 Punkte.
Der Markt habe von EZB-Präsident Mario Draghi alles bekommen, was er sich gewünscht habe, sagte ein Händler. Draghi sprach von einem "effektiven Schutzschild" für die Euro-Zone gegen die Stürme an den Märkten. Die EZB werde tun, "was immer nötig ist", um den Euro zu retten. Den Leitzins beließ die EZB unverändert bei 0,75 Prozent. Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung zog kräftig an, am Rentenmarkt fielen die Zinsen für spanische und italienische Anleihen deutlich.
Während als sicher geltende Staatsanleihen deutliche Abschläge verzeichneten, griffen Anleger am Donnerstag verstärkt bei den Bonds der Euro-Peripherie zu. Die deutschen Bundesanleihen bauten im Verlauf ihre Kursverluste weiter aus. Die Rendite der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg zuletzt um acht Basispunkte auf 1,56 Prozent. Der Terminkontrakt Bund-Future fiel um 114 Basispunkte auf 140,26 Prozent. Auch die Kurse der ebenfalls als relativ sicher eingestuften Staatsanleihen von Finnland, den Niederlanden, der Schweiz, Österreichs und Frankreichs wiesen Rückgänge auf. Frankreich hatte im Tagesverlauf eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit zu einer rekordniedrigen Emissionsrendite begeben. Die Rendite auf spanischen Anleihen fiel 42 Basispunkte von 6,456 Prozent auf 6,03 Prozent. Italienische Anleihen entwickelten sich ähnlich: Die Rendite sank von 5,520 Prozent um 25,9 Basispunkte auf 5,261 Prozent.
Bei Anleihen entwickeln sich Kurse und Rendite stets entgegengesetzt. Fallende Verzinsungen zeigen daher an, dass Investoren die Papiere kauften. Ziel der angekündigten EZB-Käufe ist ebenfalls eine Absenkung der Verzinsung, die die wirtschaftlichen Schwergewichte Spanien und Italien Anlegern bieten müssen, wenn sie zwecks Refinanzierung neue Bonds am Primärmarkt versteigern – wofür die aktuellen Renditen der bereits am Sekundärmarkt gehandelten Staatsanleihen eine Richtschnur bietet. Damit die Zentralbank die Papiere auch tatsächlich kauft, müssten beide Länder nach Angaben Draghis allerdings ein offizielles Hilfeersuchen stellen und im Gegenzug Sparzusagen machen.
Auch die Umsätze zogen merklich an. So wechselten am Donnerstag knapp 200 Millionen DAX-Aktien den Besitzer - so viel wie seit fünf Wochen nicht mehr. Die Marktkapitalisierung der darin gelisteten 30 Wert stieg um gut 20 Mrd. Euro.
Zwar habe die EZB "die Erwartungen der Investoren übererfüllt und ein Kursfeuerwerk an den Märkten entfacht", sagte Lars Kremkow von Activtrades aus London ein. Doch aus deutscher Sicht "muss die Zeit erst noch zeigen, ob die Euphorie des heutigen Handelstages gerechtfertigt ist".
Vor allem die Bankenwerte profitierten von den EZB-Aussagen: Im DAX belegten Deutsche Bank und Commerzbank mit Kursgewinnen von 7,1 respektive 5,3 Prozent die ersten beiden Plätze. Die Lufthansa -Aktien stiegen ungeachtet weiterer Streikankündigungen um 3,4 Prozent. Dagegen büßten die Aktien der Deutschen Börse als einziger Indexverlierer 0,2 Prozent ein. Nach sehr schwachen Handelszahlen für den August kursierten am Markt Gerüchte, dass der Börsenbetreiber sein Ergebnisziel für das Gesamtjahr möglicherweise nicht halten kann. Die Prognose hatte allerdings bereits nach dem jüngsten Quartalsbericht als unsicher gegolten.
Bei den Technologiewerten profitierten die Solarwerte von der Einleitung eines EU-Antidumping-Verfahrens gegen die chinesische Konkurrenz: Solarworld und SMA Solar verteuerten sich um 2,5 beziehungsweise 3,2 Prozent. Nach dem "desaströsen Kursverlauf" vieler Titel aus diesem Bereich seien nun die ersten Schnäppchenjäger unterwegs, sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade.
mit DPA, Reuters und Bloomberg