Eine Flut von schlechten Konjunkturdaten hat am Mittwoch den Anlegern weltweit die Stimmung verdorben. Nach einer Rekord-Erwerbslosenquote von 10,9 Prozent in der Euro-Zone wurde am Nachmittag bekannt, dass das Auftragsvolumen der US-Industrie im März um 1,5 Prozent geschrumpft ist. Die Wall Street reagierte verschnupft: Der Dow Jones und der breiter gefasste S&P 500 gaben ein halbes Prozent nach. Der DAX schloss 0,8 Prozent im Minus.
Angesichts der Rezession in der Euro-Zone war die Erholung der US-Wirtschaft in den vergangenen Wochen einer der wenigen Hoffnungswerte für Anleger. Neben dem Rückgang der Industrieaufträge enttäuschten am Mittwoch auch erste Arbeitsmarktdaten für April: Nach Angaben des Dienstleistungsunternehmens ADP wurden in der Privatwirtschaft 119.000 Stellen geschaffen, rund 50.000 weniger als von Analysten erwartet. Allerdings haben sich die ADP-Zahlen in der Vergangenheit nicht immer als zuverlässig erwiesen. Mehr Klarheit dürfte es am Freitag geben, wenn die amtliche US-Arbeitslosenstatistik für April veröffentlicht wird.
Dennoch verschärften die vorläufigen Zahlen den Abwärtstrend an den europäischen Börsen. Der Euro Stoxx 50 gab 0,7 Prozent nach. Der spanische Leitindex Ibex und der italienische FTSE/MIB verloren 2,6 Prozent. In Spanien kletterte die Arbeitslosenquote laut Eurostat im März auf 24 Prozent, in Italien wurde mit 9,8 Prozent der höchste Wert seit September 2000 erreicht. Obendrein gaben die Einkaufsmanagerindizes für beide Länder kräftig nach.
Die Angst vor einer Eskalation der Euro-Krise setzte vor allem Finanztiteln zu: Der Stoxx Europe 600 Banks fiel um 0,9 Prozent, während der branchenübergreifende Stoxx Europe 600 praktisch unverändert aus dem Handel ging. Zu den größten Verlierern im DAX zählten Commerzbank und Deutsche Bank , deren Kurse um 2,5 Prozent einbrachen. Der Euro fiel um 0,6 Prozent.
Auf der Suche nach einem sicheren Hafen schichteten Investoren ihr Geld in Bundesanleihen um: Der Bund-Future notierte mit 141,69 Zählern so hoch wie nie zuvor. Die Renditen zehnjähriger deutscher Staatsanleihen, die sich entgegengesetzt zu den Kursen bewegen, fielen vorübergehend auf ein Rekordtief von 1,599 Prozent. Auch die Nachfrage nach US-Staatsanleihen zog an. Die Renditen von Zehnjahrespapieren rutschten zeitweise unter 1,9 Prozent.