Die Probleme im spanischen Bankensektor haben den europäischen Anlegern am Pfingstmontag zu Schaffen gemacht. Die Sorge um eine Zuspitzung der Lage auf der iberischen Halbinsel drückte die Stimmung und löste am Rentenmarkt einen Ausverkauf spanischer Staatsanleihen aus.
Der DAX schloss 0,3 Prozent im Minus bei 6323,19 Punkten, nachdem er am Morgen zeitweise noch 1,4 Prozent im Plus gelegen hatte. Für Unterstützung am Markt hatten zunächst Spekulationen auf einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone gesorgt. Der Euro kostete zuletzt 1,2537 Dollar , zunächst war er sogar bis über 1,26 Dollar geklettert. Der EuroStoxx50 ging 0,4 Prozent schwächer aus dem Handel. Wegen des Feiertages in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern waren die Umsätze im DAX sehr niedrig. In den USA blieben die Börsen wegen des Feiertages Memorial Day ebenfalls geschlossen.
Kurseinbrüche bei spanischen Bankaktien verdarben den Anlegern die Laune. Die Titel des Sparkassen-Konzerns Bankia brachen zeitweise um 29 Prozent ein und schlossen 13 Prozent niedriger. Das zog auch den Madrider Leitindex nach unten, er verlor zwei Prozent. Andere spanische Banken wie Banco Popular kamen unter die Räder, sie büßten 7 Prozent ein, Sabadell rutschten um 5,3 Prozent.
Bankia hatte am Freitag den Staat um weitere 19 Mrd. Euro bitten müssen, um zu überleben. "Man wusste zwar, dass Bankia noch Geld braucht - aber so viel war doch überraschend", sagte ein Händler. Äußerungen des spanischen Ministerpräsidenten Manuel Rajoy am Montagnachmittag konnten den Markt nicht beruhigen, im Gegenteil: Der Madrider Leitindex baute seine Verluste sogar aus. Rajoy sagte auf einer Pressekonferenz, Spanien erlebe gerade einen "extrem schwierigen Moment". Sollte es nicht gelingen, das Haushaltsdefizit abzubauen, dürfte es für das Land schwierig werden, sich selbstständig zu finanzieren.
Die Sorgen um die spanischen Banken belasteten auch andere europäischen Finanzwerte. Der europäische Branchenindex verlor gut ein Prozent. Commerzbank -Aktien fielen um 3 Prozent. In Mailand rutschten Banca Popolare dell' Emilia Romagna um 4,7 Prozent ab, Banco Popolare um 3,7 Prozent.
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Für Erleichterung an den Märkten in Europa sorgten dagegen Umfrageergebnisse aus Griechenland, wonach die konservativen Befürworter der Sparpolitik bei den Neuwahlen am 17. Juni eine Mehrheit bekommen könnten. Dann wäre ein Verbleib des Landes in der Euro-Zone wahrscheinlicher als bei einem Sieg der linken Parteien, die gegen das Sparpaket sind.
Die Märkte hatte zuletzt vor allem die Frage verunsichert, was mit anderen angeschlagenen europäischen Ländern geschieht, sollte Griechenland aus der Euro-Zone austreten. In Athen zogen die Kurse um knapp sieben Prozent an, auch der Index der griechischen Banken kletterte um gut sechs Prozent. "Es ist ein zweischneidiges Schwert", sagte Sylvain Gordon, Chef der Aktienmarktstrategie bei Natixis in Paris. Der Aktienmarkt sei von der Bewertung zwar sehr günstig. "Aber will man wirklich vor dem 17. Juni ein Risiko eingehen?" Um langfristige Investitionen einzugehen, sei es wahrscheinlich noch zu früh.
In Frankfurt standen auch die im TecDAX notierten Solarwerte im Fokus. Dank des sonnigen Wetters erzeugten die Solaranlagen in Deutschland in den vergangenen Tagen so viel Strom wie noch nie. Das lockte Anleger in die Titel von Solarworld , die 6,2 Prozent zulegten. SMA Solar gewannen 1,2 Prozent. Auf den Verkaufslisten standen dagegen die Energieversorger RWE und Eon , die 2,5 und 1,8 Prozent einbüßten.
An den Rentenmärkten gingen die Staatsanleihen Spaniens auf Talfahrt. Die Titel brachen um über einen Punkt ein, was die Renditen auf über 6,5 Prozent steigen ließ - am Freitag waren es noch 6,3 Prozent gewesen. Da zugleich die Renditen der entsprechenden deutschen Bundesanleihen nahe dem Rekordtief von unter 1,4 Prozent verharrten, stieg der Risikoaufschlag für die spanischen Papiere auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Der als Angstbarometer geltende Bund-Future gab am Morgen zuerst nach, erholte sich dann aber wieder und markierte am Nachmittag sogar erneut ein Rekordhoch bei 144,47 Punkten.
Am Devisenmarkt verpufften die Gewinne des Euro zum Teil wieder. Die Gemeinschaftswährung notierte zeitweise bei 1,2624 Dollar und damit einen US-Cent höher als am Freitagabend in New York. Händler führten den Anstieg vor allem auf Deckungskäufe im Sog der Umfrageergebnisse aus Griechenland zurück. Fundamental bleibe der Euro angeschlagen, hieß es. Am Freitag war er zeitweise unter 1,25 Dollar gerutscht, der tiefste Stand seit Juli 2010.