Am deutschen Aktienmarkt zogen sich die Anleger zum Wochenschluss zurück. Das Wirtschaftswachstum in den USA fiel geringer aus als erwartet. Der deutsche Leitindex hat dennoch eine gute Woche hinter sich.
Der DAX drehte am Freitagnachmittag ins Minus und schloss 0,4 Prozent schwächer bei 6511,98 Punkten, nachdem Konjunkturdaten aus den USA etwas schlechter ausfielen als angenommen. "Die Verfehlung der Prognose hat dem DAX nicht gefallen", sagte ein Händler. In der abgelaufenen Woche hat das Börsenbarometer dennoch insgesamt 1,7 Prozent zugelegt. Seit Jahresanfang beläuft sich das Plus sogar auf mehr als zehn Prozent.
Der EuroStoxx beendete den Tag 0,8 Prozent schwächer. An den US-Börsen notierten Dow-Jones und S&P 500 im Minus, die Technologiebörse Nasdaq legte leicht zu.
In den USA verzeichnete die Wirtschaft im vierten Quartal ein Wachstum von 2,8 Prozent. Experten hatten jedoch mit einem Plus von drei Prozent gerechnet. Wirklich zufriedenstellend sei das Ergebnis nicht, da die Wachstumszahlen im Detail alles andere als überzeugend ausfielen, sagte Postbank-Analyst Heinrich Bayer. So seien die Daten zum privaten Verbrauch und zu den Investitionen enttäuschend. US-Finanzminister Timothy Geithner erwartet, dass die amerikanische Wirtschaft aufs Jahr gesehen um zwei bis drei Prozent wächst.
Insgesamt blieb der Handel am deutschen Markt mau. "Das Wochenende steht vor der Tür, deshalb halten sich heute viele Anleger zurück", sagte ein Händler. Generell könne aber festgestellt werden, dass immer mehr Akteure an den Aktienmarkt zurückkehrten. Dazu trage auch bei, dass die Berichtssaison in den USA und Deutschland bisher "nicht so schlecht" laufe.
Für zeitweise Unterstützung sorgte die offenbar kurz bevorstehende Einigung der griechischen Regierung mit den Privatgläubigern des Landes über einen Schuldenschnitt. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, man stehe kurz vor einem Abschluss der Verhandlungen, falls nicht am Freitag, dann möglicherweise am Wochenende. Aus der Umgebung der griechischen Regierung hieß es, bis Sonntagabend solle eine Grundsatzeinigung für den Anleihentausch erreicht werden. Spätestens bis Ende März muss eine Einigung stehen - dann müssen die fast 15 Mrd. Euro Schulden getilgt werden.
Die Aktien der griechischen Banken setzten derweil ihre Kursgewinne fort. Der entsprechende Index stieg zeitweise um bis zu 16 Prozent und markierte damit den höchsten Stand seit vier Monaten. Er schloss 3,4 Prozent im Plus.
RWE legt erneut zu
"Die Banken steigen, weil eine komplette Verstaatlichung vermieden wird", sagte HSBC-Analyst Dimitris Haralabopoulos. Die internationalen Gläubiger haben Griechenland in Aussicht gestellt, nicht-stimmberechtigte Aktien als Mittel zur Rekapitalisierung zuzulassen. Diese Papiere könnten die griechische Regierung kaufen und damit die Banken stützen. So könnte eine Verwässerung der Anteile der privaten Aktionäre und damit eine Verstaatlichung vermieden werden.
Bei den deutschen Einzelwerten blieb die Nachrichtenlage dünn. Ihren jüngsten Höhenflug setzten die RWE-Papiere fort, die um 1,2 zulegten. Eon-Aktien gaben dagegen ihre Gewinne ab und beendeten den Handel 0,1 Prozent niedriger. "Man sollte nicht vergessen, dass die beiden Konzerne noch immer eine nette Dividende zahlen", sagte ein Händler. Bei RWE beträgt die Ausschüttung an die Anleger für 2011 3,49 Euro, bei Eon einen Euro.
Unter Druck gerieten dagegen die Autowerte, nachdem der US-Hersteller Ford einen Gewinnrückgang für das vierte Quartal verbuchte und im Europageschäft einen Verlust vor Steuern von 190 Mio. Dollar einfuhr. Volkswagen, Daimler und BMW schlossen 2,4 bis 1,2 Prozent im Minus. In Mailand verlor Fiat 4,3 Prozent. Der italienische Hersteller ist stark in Lateinamerika engagiert. In diesem Markt enttäuschte Ford mit seinen Quartalsergebnissen. In New York notierten die Ford-Aktien drei Prozent niedriger.
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