Die jüngste Herabstufung Spaniens und die Unsicherheit vor der Wahl in Griechenland hat den DAX am Donnerstag belastet. Der deutsche Leitindex schloss mit 6138,61 Punkten bei schwachen Umsätzen 0,2 Prozent niedriger. Der EuroStoxx50 legte dagegen 0,2 Prozent auf 2148 Zähler zu. Auch an anderen europäischen Handelsplätzen ging es bergauf, nachdem sich die US-Börsen in der Pluszone behaupten konnten.
Große Sprünge wagte aber auch dort kaum ein Anleger. "Bevor um Griechenland und Spanien nicht mehr Ruhe einkehrt, sollte man sich lieber ein wenig zurückhalten und schauen, was passiert", sagte Aktienstratege Heinz-Gerd Sonnenschein von der Postbank. Seit Tagen trauen sich die Investoren wegen der Probleme in der Euro-Zone und der bevorstehenden Parlamentswahl in Griechenland nicht, größere Positionen einzugehen.
Die Ratingagentur Moody's hatte am Mittwochabend die Bonität Spaniens gleich um drei Stufen auf "Baa3" gesenkt. Damit rangiert das Land nur noch eine Stufe über Ramsch-Status. Eine weitere Herabstufung sei denkbar, hieß es von Seiten Moody's. Als Grund nannte die Agentur die Hilfen von 100 Mrd. Euro für die spanischen Banken, die die Schuldenlast des Landes weiter erhöhten. Zudem stufte Moody's die Kreditwürdigkeit Zyperns auf "Ba3" herunter. Die Risiken, die von Griechenland für die Insel ausgingen, seien gestiegen, begründeten die Analysten diesen Schritt.
Je näher die Parlamentswahl in Griechenland rückt, desto mehr nimmt die Verunsicherung an den Börsen zu. Analysten machen den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone davon abhängig, welche Parteien die Regierung übernimmt. "Die Ungewissheit darüber belastet auf jeden Fall die Märkte", sagte ein Händler. Bei griechischen Bankaktien überwog allerdings das Prinzip Hoffnung. Anleger setzten darauf, dass die sparwilligen Kräfte bei den Wahlen am Sonntag die Mehrheit der Stimmen bekommen. Der Athener Bankenindex schoss um 23,4 Prozent nach oben. Außerhalb Griechenlands zeichnete sich bei Finanzwerten kein klarer Trend ab. Der europäische Bankenindex drehte nach einem wechselvollen Handel ins Plus und schloss 0,3 Prozent fester.
Wie am Vortag waren im DAX die defensiven Werte gefragt, also jene Aktien, die als weniger abhängig von der Konjunkturentwicklung gelten. Die Papiere des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer standen mit einem Plus von 1,4 Prozent weit oben. Die Papiere des Gesundheitskonzerns Fresenius rückten um 1,3 Prozent vor, die von Eon legten 0,9 Prozent zu. Dagegen standen besonders konjunkturabhängige Titel wie die Aktien der Autokonzerne und Finanzwerte auf der Verliererseite. BMW und Daimler gaben 2,6 und zwei Prozent nach.
Im TecDAX stürzten die Aktien von Centrotherm zeitweise um rund 40 Prozent auf 3,08 Euro ab und markierten damit ein Rekordtief. Am Vorabend hatte der auf die Solarbranche spezialisierte Anlagenbauer mitgeteilt, derzeit mit den Banken zu verhandeln, um die Geldversorgung sicherzustellen. In den Sog von Centrotherm gerieten auch Solarworld . Sie rutschten in der Spitze um rund zehn Prozent auf 1,27 Euro ab - der tiefste Stand seit Mai 2004. Die Centrotherm-Aktie schloss mit einem Abschlag von 26,5 Prozent bei 3,75 Euro, die von Solarworld ging mit einem Minus von 4,2 Prozent bei 1,35 Euro aus dem Handel.