Die Wahlen in Frankreich und Griechenland haben am Montag die Stimmung an der Frankfurter Börse getrübt. Der DAX machte nach einem Einbruch um mehr als zwei Prozent am Morgen seine Verluste wett und schloss 0,1 Prozent im Plus bei 6569 Zählern.
Besonders heftig reagierte der griechische Aktienmarkt auf das Wahlergebnis. An der Börse in Athen stürzte der Leitindex FTSE/Athex um 6,7 Prozent ab. Dagegen wurde das Wahlergebnis in Frankreich nach erstem Zögern positiv interpretiert: Nachdem der französische Leitindex CAC 40 am Morgen noch 0,6 Prozent eingebüßt hatte, ging er mit mit einem Gewinn von 1,7 Prozent auf 3214 Punkte aus dem Handel.
Commerzbank-Analyst Christoph Rieger kommentierte, der Wahlsieg des Sozialisten François Hollande bei der französischen Präsidentschaftswahl sei weithin erwartet worden. Doch "die politische Lage in Griechenland ist höchst unsicher". Bei der Parlamentswahl in Athen erhielten die beiden größten Parteien, die konservative Nea Demokratia (ND) und die sozialistische Pasok, zusammen lediglich 32 Prozent der Stimmen. Für die Bildung einer Mehrheitsregierung fehlt ihnen ein Sitz im Parlament.
Die Furcht vor einer Abkehr der Griechen vom bisherigen Sparkurs drückte die Kurse hellenischer Staatsanleihen. Im Gegenzug stiegen die Renditen von Zehnjahrespapieren um mehr als zwei Prozentpunkte auf 22,96 Prozent. Die Aktienkurse griechischer Banken, die zu den größten Gläubigern ihrer Regierung zählen und deshalb beim jüngsten Schuldenerlass bereits schwere Verluste erlitten, brachen zweistellig ein. Größte Verlierer waren die Alpha Bank und die EFG Eurobank, die jeweils mehr als 19 Prozent verloren.
Auch französische Finanztitel wurden in Mitleidenschaft gezogen: Die Aktien der drittgrößten Bank Crédit Agricole fielen um 6,7 Prozent auf 3,40 Euro. Das Geldhaus ist an der griechischen Bank Emporiki beteiligt.
Die beiden größeren Konkurrenten BNP Paribas und Société Générale erholten sich nach anfänglichen Verlusten dagegen schnell und setzten sich an die Spitze des CAC 40. Beide Banken hatten in der vergangenen Woche Fortschritte bei Bilanzabbau und Stärkung der Kapitalpolster gemeldet.
Die Kurse französischer Staatsanleihen notierten im Vergleich zum Freitag nahezu unverändert - ein Hinweis, dass Bond-Investoren trotz der Kritik von Wahlsieger Hollande am Spardiktat der deutschen Bundesregierung keine erhebliche Verschlechterung der französischen Staatsfinanzen befürchten. Der Euro stabilisierte sich nach einem Einbruch auf ein Dreimonatstief im asiatischen Handel am Abend auf bis zu 1,307 Dollar.
Deutlich zeigte sich die Sorge vieler Anleger außer am Aktienmarkt an der großen Nachfrage nach Bundesanleihen. Die Kurse der Papiere, die als sicherer Hafen in Krisenzeiten gelten, legten kräftig zu. Im Gegenzug fielen die Renditen von Zehnjahresläufern zunächst auf ein Rekordtief von bis zu 1,552 Prozent und lagen zuletzt bei 1,57 Prozent.