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Merken   Drucken   08.02.2012, 16:37 Schriftgröße: AAA

Nach Facebook-Börsengang: Privaten Handelsplattformen droht Flaute

Facebook heizte den Aktienhandel auf Sekundärmärkten an. Mit dem Börsengang muss nun ein neues Spekulationsobjekt her. von April Dembosky, San Francisco
Mit dem Börsengang Facebooks droht privaten Handelsplattformen ein herber Rückgang beim Handelsvolumen. Zwar erleichtert der Ausstieg des Onlinenetzwerks anderen Startups wie Twitter und Dropbox, sich abzuheben. Doch nach Ansicht von Analysten wird das Interesse der Anleger nicht dem für Facebook entsprechen. Das Unternehmen beherrscht den Handel auf diesen Plattformen und macht bei Secondmarket rund zwei Drittel der Transaktionen aus.
Der Unternehmenssitz von Facebook im kalifornischen Palo Alto   Der Unternehmenssitz von Facebook im kalifornischen Palo Alto
"Keine Frage, dass die Lücke, die Facebook hinterlässt, sich dramatisch im Geschäft der privaten Handelsplattformen niederschlagen wird", sagt Manuel Henriquez, Chef von Hercules Technology Growth Capital. "Da draußen gibt es kein zweites Schwergewicht von dieser Größe."
Auf privaten Handelsmarktplätzen können Anleger Stammaktien privater Unternehmen handeln. So können etwa ehemalige Firmenmitarbeitern noch vor einem Börsengang ihre Anteilscheine in Bares umwandeln.
Branchenkenner im Silicon Valley werten private Handelsplattformen als wichtiges Sprungbrett für Unternehmen, die noch nicht reif sind für die Wall Street. Diese Plattformen geben Startups mehr Zeit zu wachsen und nehmen den Druck, das junge Unternehmen verkaufen zu müssen. Gleichzeitig bieten sie den Anlegern mehr Gelegenheiten, da die Zahl der Börsengänge in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist.
Sharespost und Secondmarket sind die beiden größten Unternehmen, die derlei Transaktionen ermöglichen. Seit Handelsbeginn im Jahr 2009 hat das Volumen stark zugenommen. Sharespost teilte mit, die durchschnittliche Transaktionsgröße sei von 100.000 Dollar im Jahr 2010 auf 1 Mio. Dollar 2011 angewachsen. Secondmarkets gibt an, dass das gesamte Handelsvolumen der Plattform von 360 Mio. Dollar 2010 auf 558 Mio. Dollar 2011 gestiegen ist.
Diese Marktplätze wurden größtenteils für Facebook geschaffen und waren die Reaktion darauf, dass ehemalige Mitarbeiter des Netzwerks ihre Aktien loswerden, aber nicht auf den Börsengang warten wollten. "Sie waren die Pioniere, wahrscheinlich unfreiwillig", sagt Greg Brogger, Gründer von Sharespost. "Sie waren gezwungen, den Weg zu ebnen."
Die neuen Handelsplattformen zwangen Facebook allerdings auch dazu, sich mit einer Reihe von Problemen auseinandersetzen: beispielsweise Bedenken wegen möglichen Insiderhandels, Offenlegung von Informationen über das Unternehmen oder die Anzahl der Aktionäre, da nicht börsennotierte Unternehmen maximal 500 Aktionäre haben dürfen.
Fast drei Viertel der Käufer auf privaten Marktplätzen sind institutionelle Investoren wie Hedge-Fonds. Der Handel gilt als riskant, weil die Unternehmen, deren Aktien gehandelt werden, keine Details über das Unternehmen offenlegen müssen. Nach Ansicht einiger Marktteilnehmer hatte dies schon überzogene Bewertungen zur Folge. Die Anleger sehen darin jedoch eine Chance, vor dem Börsengang verbilligt Anteile an einem Unternehmen zu erwerben.
Banker könnten die Kurse der privaten Handelsplattformen als Bezugsgröße für das Festlegen von Facebooks Aktienkurs an der Börse nehmen, so wie es die Banker des Onlinenetzwerks Linkedin getan haben. In den vergangenen zwei Wochen stieg Facebooks Aktienkurs bei Sharespost von 35,50 Dollar auf 40 Dollar.
Der Abschied des Netzwerks von den privaten Handelsplattformen "stellt das Ende einer Ära dar", sagt Brogger. Wie Jeff Thomas, Manager bei Secondmarket, glaubt aber auch er, dass eine neue Generation Startups Facebooks Platz einnehmen wird.
"Facebook hat das Modell bestätigt", so Thomas. "Jetzt nehmen wir die nächsten 200 großartigen Unternehmen da draußen ins Visier." Jeden Tag besuche er Unternehmen im Silicon Valley, um die Werbetrommel für Secondmarket zu rühren, sagt er. Seiner Ansicht nach dürfte sich das Interesse der Anleger auf andere Unternehmen aus dem Bereich soziale Medien verlagern sowie auf Firmen für Unternehmenssoftware und Datenanalyse.
Quelle: The Financial Times
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