Ab dem 23. März steigen Fresenius und Hannover Rück in den Dax auf. Die Kurse der Aktien des Gesundheitskonzerns und des Rückversicherers konnten davon am Donnerstag allerdings kaum profitieren: Mit einem Abschlag von 0,4 Prozent hielten sich die Papiere von Fresenius nur etwas besser als der Gesamtmarkt, der Kurs von Hannover Rück fiel um gut zwei Prozent. "Sehr gute Nachrichten für Fresenius und Hannover Rück, der Bekanntheitsgrad der Titel wird steigen", urteilte jedoch Analyst Christian Kahler von der DZ Bank. Einige Investoren müssten nun neue Positionen aufbauen, bevor die Änderungen Ende März wirksam würden. "Kurzfristig könnten jedoch viele Investoren den Indexaufstieg als Argument für Gewinnmitnahmen nutzen", ergänzte der Analyst.
"Eine Indexaufnahme ist kein Zeichen für eine laufende Entwicklung, sondern ein Blick in den Rückspiegel", sagt Roger Peeters, Vorstand der Close Brothers Seydler Research AG. "Fresenius wird belohnt für seine historisch stabile Wertentwicklung, während der Abstieg der Postbank aus den Schwierigkeiten in der Vergangeneheit resuliert. Und dies ist exakt das Problem des Dax und aller anderen großen Indizes", sagt Peeters. Hannover-Rück-Aktien verloren binnen des letzten Jahres 13 Prozent, Fresenius-Anteilsscheine 27 Prozent an. Damit schlugen sie sich immer noch deutlich besser als Dax (minus 42 Prozent) und MDax (Minus 49 Prozent). Zum Vergleich: Der Dax-Indexabsteiger Infineon büßte binnen eines Jahres 90 Prozent, die Postbank 86 Prozent an Wert ein.
Die Papiere von Infineon und der Postbank verloren am Donnerstagvormittag drei beziehungsweise 2,8 Prozent. Die Kursverluste der beiden Aktien erklärten Händler aber nicht nur mit der Ankündigung des Dax-Abstieges, vielmehr stand der gesamte Aktienmarkt am Donnerstag unter Druck.
Geradezu euphorisch reagierten die Investoren dagegen auf den baldigen Wechsel von Rational in den Nebenwerteindex MDax. Die Papiere des Großküchenausrüsters, die zurzeit noch im Kleinwerteindex SDax notiert sind, kletterten in der Spitze um knapp zehn Prozent auf 71,90 Euro. Im weiteren Verlauf bröckelten die Kursgewinne allerdings wieder etwas ab.
Im Minus lagen die Aktien von Manz Automation , die um knapp fünf Prozent fielen. Manz muss seinen Platz im Technologieindex TecDax für Infineon räumen. Die Papiere des MDax-Absteigers Aareal Bank verloren 5,6 Prozent. In den MDax steigt Elringklinger auf, die Papiere des Autozulieferers gaben trotzdem um 2,4 Prozent nach. Ein Kursplus von gut zwei Prozent verbuchten dagegen die Aktien des künftigen SDax-Mitglieds Cewe Color .
Um Infineon und Postbank auch außerhalb des jährlichen Turnus aus dem Dax entfernen zu können, musste die Börse zuvor noch - ebenfalls krisenbedingt - ihre Index-Regeln ändern und so Raum für Aufsteiger schaffen. Die alte Regel für die Nachfolge von so genannten Fast-Exit-Kandidaten mit einem zu niedrigen Börsenwert legte fest, dass die Neulinge beim Börsenumsatz der vergangenen zwölf Monate zu den 35 größten Unternehmen gehören mussten. Nun reicht es, in diesem Umsatzkriterium nur zu den 45 größten Unternehmen Deutschlands zu zählen. Für den Börsenwert dagegen gilt weiterhin der Rang 35 als Pflicht für eine Aufnahme. Knapp gescheitert am Aufstieg sind demnach der Anlagenbauer GEA sowie die Solarworld AG .
Als heißer Kandidat für einen außerplanmäßigen Abstieg aus dem MDax gilt künftig die Aktie des krisengeschüttelten Hypo Real Estate . Sinkt der Streubesitz des Immobilienfinanzierers unter die Schwelle von zehn Prozent - etwa durch eine derzeit diskutierte Verstaatlichung - kann die Deutsche Börse die erst im Dezember aus dem Dax verbannte Aktie mit einer Frist von zwei Tagen auch aus dem MDax entfernen.
Der nächste regelmäßige Termin für die Überprüfung der Aktienindizes ist der 4. Juni 2009.
mit Agenturen