Jahrelang lagerten deutsche Konzern die Gelder, die für Rentenzahlungen bestimmt sind, in separate Vermögensverwalter aus. Inzwischen führen die Unternehmen aus dem Leitindex Dax 30 ihre Pensionsverpflichtungen größtenteils nicht mehr innerhalb ihrer Bilanz, sondern in Pensionsfonds, Pensionskassen oder bei einem Treuhänder (Contractual Trust Arrangement, CTA). Hauptgrund: Die Konzerne wollen ihre Bilanz verkürzen und die Mittel besser vor Insolvenz schützen.
Dieser Trend dürfte jetzt gestoppt sein. So knapp sind die Mittel vieler Firmen wegen der Finanzkrise, so unsicher ist die Kreditvergabe der Banken, dass die Unternehmen das Geld lieber bei sich horten dürften. "Es werden 2009 weniger Mittel für die externe Kapitaldeckung von Pensionsverpflichtungen bereitgestellt", sagt Reiner Schwinger, Leiter betriebliche Altersvorsorge der Beratungsfirma Rauser Towers Perrin. "Die Unternehmen wollen lieber auf die Mittel zugreifen können und fragen sich: Warum soll ich Liquidität hergeben? Da kann die Kreditklemme zuschlagen." Die Krise werde sich für alle Unternehmen als Prüfstein für die Stabilität ihrer Pensionsprogramme erweisen, meint Schwinger.
Die Arbeitgeber spüren die Wirkungen der Finanzkrise auf ihr Pensionsvermögen bereits deutlich - egal, ob das Geld intern oder extern, ob es als Pensionsfonds oder Pensionskasse gemanagt wird. "Das Problem für viele Pensionskassen ist, dass ihr Risikokapital stark geschwunden ist", sagt Reiner Dietz, Geschäftsführer von Heubeck-Feri Pension Asset Consulting. "Bei einigen ist es sehr knapp geworden. Wir kennen aber niemanden, der seine Verpflichtungen nicht erfüllen konnte." Für die pensionierten Beschäftigten sollte das keine Auswirkungen haben: In der Regel sind die Unternehmen verpflichtet, die Zahlungen zu garantieren. Einigen Firmen stehen nun aber Nachschüsse für die Pensionsprogramme bevor, damit die Lücke zwischen Vermögen und Verpflichtungen nicht steigt.
Für die Lücke haben die schwachen Börsen gesorgt. 2007 bereits hatte vielen Pensionsvermögen ihre Aktienquote gesenkt: Die Dax-Firmen hatten Rauser Towers Perrin zufolge 2006 noch 42 Prozent ihrer Pensionsvermögen in Aktien investiert, 2007 waren es noch 32 Prozent. Die Entwicklung hat sich fortgesetzt. 2008 reduzierten dann ließen heftige Verluste den Wert einknicken. "Die Schwierigkeit der Pensionsprogramme ist, dass sie mit Aktien verloren haben und nur mit Staatsanleihen die Verluste teilweise auffangen konnten", sagt Wolfgang Hötzendorfer, Geschäftsführer des Fondsanbieters State Street Global Advisors. Gut 70 Prozent der Verpflichtungen der Dax-30-Konzerne waren vor einem Jahr extern gedeckt. Wie viel es jetzt noch ist, werden die Geschäftsberichte für das vergangene Jahr offenbaren.
Insgesamt stehen die deutschen Pensionsprogramme - auch die Versorgungswerke der öffentlichen Hand und die berufsständischen Altersversorger - im internationalen Vergleich noch gut da. In Großbritannien und den USA investieren die Einrichtungen häufig mehr in Aktien und auch in Hedge-Fonds sowie Beteiligungsgesellschaften, die 2008 sehr schwach abschnitten.
Dagegen hat der vergleichsweise hohe Anteil an Staatsanleihen und Pfandbriefen die hiesigen Altersversorger vor größeren Verlusten bewahrt. In diesem Jahr ist daher zunächst Vorsicht angesagt: "2009 wird knallhart", meint Rüdiger Sälzle, Vorstand von Fondsconsult. "Die Anleger müssen sich angesichts der fallenden Zinssätze neu positionieren, aber sie kommen im Kern um Staatsanleihen nicht herum." Wie andere Profianleger pirschen sich Pensionsprogramme auch an Unternehmensanleihen heran. Angesichts der hohen Zinsaufschläge wird viel Geld zunächst in Firmenbonds landen, sind sich die Beobachter einig. "Zuletzt haben Altersversorger oftmals Liquidität gehortet und investieren nun peu à peu in Unternehmensanleihen", sagt Dietz von Heubeck-Feri. Wie dort die Lage ist, dürften die Firmen selbst am besten wissen.