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Merken   Drucken   09.03.2009, 11:51 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Aktiv trifft passiv

Vermögensverwalter nehmen Anlegern die Entscheidung ab, welche Indexfonds sie kaufen sollen - und verdienen daran mit. von André Schmidt-Carré
Einfach den Index kaufen. So preisen ETF-Anbieter gerne ihre Produkte an. Die Idee ist simpel: Nur wenige Fondsmanager schlagen ihre Benchmark, deshalb kauft der Anleger mit börsengehandelten Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) besser gleich den breiten Markt. Die Frage ist nur, welchen Markt er kaufen soll: Aktien Europa, Aktien USA, Renten oder doch lieber Immobilien?
Bei der sogenannten Asset-Allocation sind ETF-Anleger meist auf sich allein gestellt. Beim klassischen Fondskauf über die Hausbank hilft zumindest der Bankberater mit, dem beim Fondsverkauf Provisionen winken. Bei den preiswerten ETFs hingegen ist Beratung bislang kein Thema, außer der Anleger bezahlt Honorar. "Aber der Bedarf ist da", sagt Thomas Meyer zu Drewer, Deutschlandchef des ETF-Anbieters Lyxor. Er sieht Indexfonds als Werkzeuge, mit denen Anleger sich ihr Portfolio zusammenstricken können. Bei der Entscheidung, wie sie das machen, will der ETF-Anbieter künftig mithelfen. Und natürlich mitverdienen.
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Dazu hat Lyxor eine Zusammenarbeit mit der Anfang des Jahres gegründeten Vermögensverwaltung Avana Invest vereinbart. Deren Anlagekonzept richtet sich zwar zunächst nur an institutionelle Investoren. Im zweiten Quartal wollen Lyxor und Avana aber auch einen ETF-Dachfonds für Privatanleger auf den Markt bringen. An der Spitze von Avana stehen Götz Kirchhoff und Thomas Uhlmann, in der Indexfondsbranche keine unbekannten Gesichter: Die beiden führten bereits die Geschäfte beim deutschen ETF-Pionier Indexchange. Die Aufgabenteilung ist klar: Lyxor stellt die ETFs, Avana steuert die Asset-Allocation dazu und liefert das Risikomanagement.
Basis ist ein Trendfolgemodell, das aus Marktentwicklungen per Computer automatisch Kauf- und Verkaufssignale generiert. Auf Letzteres legt Kirchhoff besonderen Wert: "Viele Investoren verkaufen bei fallenden Kursen zu spät. Ziel des Systems ist vor allem, hohe Verluste wie in den vergangenen Monaten zu vermeiden." Die Kehrseite: In Seitwärtsbewegungen liefern Trendfolger häufig widersprüchliche Signale, die zu häufigem Ein- und Aussteigen und damit zu vermehrten Transaktionskosten führen. Beim nächsten Aufwärtstrend droht zudem die Gefahr, nicht von Anfang an dabei zu sein.
Zu welchen Kosten der Lyxor-Avana-Dachfonds für Privatanleger auf den Markt kommt, ist noch nicht bekannt. Anhaltspunkte könnte Vermögensverwalter Artus Direct Invest liefern, der mit einem ähnlichen Konzept arbeitet. Dessen Kosten liegen deutlich über denen von ETFs. Dafür kommt der Anleger im Vergleich zu klassischen Dachfonds mit aktiv gemanagten Einzelfonds mit knapp zwei Prozent Gesamtkosten pro Jahr noch einigermaßen günstig weg. Außerdem entfällt gegebenenfalls der Ausgabeaufschlag, denn den Indexdachfonds kann der Anleger nicht nur am Schalter, sondern wie einen ETF auch an der Börse kaufen.
Das Angebot an ETF-basierten Dachfonds ist noch klein, die Initiative ging bislang von den Vermögensverwaltern aus. Zu den Vorreitern zählt Veritas. Der Dachfondsanbieter hat seit 2007 einen ETF-basierten Fonds im Programm, der in Aktien- und Rentenmärkte investiert. Die Auswahl trifft ebenfalls ein Trendfolgemodell, das sich in der Krise gut behauptet hat: Auf Jahressicht liegt der Fonds mit mehr als fünf Prozent im Plus. "Wir haben im Frühjahr 2008 starke Verkaufssignale für sämtliche Aktienmärkte bekommen", sagt Fondsmanager Thorsten Winkler.
Der jüngste Neuzugang unter den vermögensverwaltenden ETFs stammt von der Deutsche-Bank-Tochter DB X-Trackers. Die Asset-Allocation liefern die Anlagestrategen der Berliner Quirin Bank. Mit einer maßgeschneiderten Vermögensverwaltung hat der Dachfonds freilich wenig zu tun. Dafür ist der Indexfonds mit jährlich 0,72 Prozent Gebühren günstiger als viele Angebote der Wettbewerber - und bleibt ETF-typisch passiv: "Der Fonds muss immer voll investiert sein", sagt Christoph Kanzler, der den ETF initiiert hat. Der Aktienanteil liegt bei mindestens 50 Prozent, sodass sich der Fonds Kapriolen an den weltweiten Aktienmärkten nur bedingt entziehen kann.
  • Aus der FTD vom 09.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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