Für Investoren ist das allerdings nicht mehr als graue Theorie. Sie interessieren sich für die Kursperformance. Und hier schneiden Familienunternehmen schlechter ab als nicht familiengeführte Firmen. "In wirtschaftlich turbulenten Zeiten reagieren kleinere Unternehmen volatiler als größere", nennt Studienleiterin Ann-Kristin Achleitner von der Technischen Universität München einen Grund für das schlechtere Abschneiden, vor allem in den vergangenen zwei Jahren. Als Datenbasis der Studie dienten sämtliche Unternehmen aus dem breit angelegten CDax, die zwischen 1998 und 2008 an der Börse notiert waren, ausgenommen Finanzwerte.
Zu den familiengeführten Unternehmen zählen Betriebe, deren Familie mindestens einen Anteil von 25 Prozent hält oder aber mindestens ein Mitglied der Gründerfamilie als Vorstand oder Aufsichtsrat tätig ist. Um Verzerrungen zu vermeiden, entschieden sich die Experten bei der Auswahl für den CDax und nicht für den häufig verwendeten Gex (German Entrepreneurial Index), in dem zwar familiengeführte Unternehmen notiert sind, diese jedoch nicht länger als zehn Jahre an der Börse gelistet sein dürfen.
Besonders bitter für die kleineren Unternehmen: Obwohl sie operativ bessere Ergebnisse lieferten als die Großen, schnitten sie an der Börse schlechter ab. Zum einen liegt das an der geringeren Aufmerksamkeit, die ihnen beigemessen wird. Einige Analystenhäuser beobachten sogenannte Small Caps erst gar nicht mehr. Zum anderen befürchten Investoren, dass die Firmen in schwierigen Zeiten eine längere Durststrecke finanziell nur schwer verkraften können. Außerdem kreiden Investoren den börsennotierten Mittelständlern gerade in Krisenzeiten häufig einen sehr geringen Streubesitz und somit eine zu geringe Aktienliquidität an.
Nahezu die Hälfte der börsennotierten Unternehmen ist familiendominiert, sie tragen aber nur rund ein Drittel zur Marktkapitalisierung bei. Ihr Anteil nahm jedoch seit 2000 von 55 Prozent auf 45 Prozent ab. "Daraus lässt sich auf keinen Trend schließen", sagt Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. Vielmehr geht er davon aus, dass es künftig wieder mehr werden. Vor allem dynamische Unternehmen aus dem Dienstleistungsbereich, die sich nicht durch Hauptversammlungen, Quartalsberichte und die Beobachtung von Analysten abschrecken lassen, dürften wieder den Weg auf das Börsenparkett schaffen.