In der Finanzbranche geht es zu wie im Modegeschäft: ständig wechseln die Trends. Fondshäuser und Banken leben ganz gut von kurzlebigen Moden, Anlegern stehen sie meist jedoch nicht sehr gut. Denn langfristig können nur die wenigsten Themeninvestments überzeugen, was derzeit besonders deutlich wird. "Aktuell gibt es keine einzige Strategie, die ungeschoren durch die Krise kommt," sagt Dieter Merz, Anlagestratege der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Egal ob Dividendenstrategien, Öko-Investments oder Exportwerte - viele Modethemen weisen derzeit eine schlechtere Bilanz auf als der breite Markt.
Merz fühlt sich in seiner Skepsis bestätigt: "Hinter Anlagetrends steckt viel Marketing. Die Finanzindustrie ist gewieft darin, neue Themen und Produkte zu generieren." Warum aber springen so viele auf? "Wahrscheinlich, weil die ganze Branche immer auf der Suche nach neuen Anlagestorys ist", so Merz.
"Der Boom nährt sich selbst"
Die Trends entstehen immer nach einem Muster: Eine Strategie wirft über kurze Zeit hohe Erträge ab - zunächst noch unbemerkt. Dann werden die passenden Fonds aufgelegt und die Werbetrommeln gerührt. Plötzlich sind Anlegermagazine voll mit dem Thema. "Wenn so ein Anlagetrend erst einmal läuft, nährt der Boom sich selbst", sagt Merz. "Dann kommt man bei der Themenanlage immer wieder auf die gleichen Titel, und treibt so die Kurse noch weiter."
Spätestens dann wird der Privatanleger neugierig. "Wer als Vermögensverwalter nicht auf einen Trend aufspringt, muss sich Fragen von seinen Kunden gefallen lassen", schildert Merz seine Erfahrungen. Eberhard Weinberger, Vorstand von DJE Kapital, hat Ähnliches erlebt: "Viele Kunden wollen natürlich von einer Anlagemode profitieren, dann müssen wir auf die Bremse treten. Manche Trends rollen zu wie ein Tsunami, entpuppen sich aber als Blase."