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Merken   Drucken   20.04.2009, 13:57 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Fashion Victims der Märkte

Die Finanzbranche versucht, Anleger ständig in neue Modethemen zu treiben. Aber nur wenige Trends zahlen sich wirklich aus. von Pierre-Christian Fink
In der Finanzbranche geht es zu wie im Modegeschäft: ständig wechseln die Trends. Fondshäuser und Banken leben ganz gut von kurzlebigen Moden, Anlegern stehen sie meist jedoch nicht sehr gut. Denn langfristig können nur die wenigsten Themeninvestments überzeugen, was derzeit besonders deutlich wird. "Aktuell gibt es keine einzige Strategie, die ungeschoren durch die Krise kommt," sagt Dieter Merz, Anlagestratege der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Egal ob Dividendenstrategien, Öko-Investments oder Exportwerte - viele Modethemen weisen derzeit eine schlechtere Bilanz auf als der breite Markt.
Merz fühlt sich in seiner Skepsis bestätigt: "Hinter Anlagetrends steckt viel Marketing. Die Finanzindustrie ist gewieft darin, neue Themen und Produkte zu generieren." Warum aber springen so viele auf? "Wahrscheinlich, weil die ganze Branche immer auf der Suche nach neuen Anlagestorys ist", so Merz.
"Der Boom nährt sich selbst"
Die Trends entstehen immer nach einem Muster: Eine Strategie wirft über kurze Zeit hohe Erträge ab - zunächst noch unbemerkt. Dann werden die passenden Fonds aufgelegt und die Werbetrommeln gerührt. Plötzlich sind Anlegermagazine voll mit dem Thema. "Wenn so ein Anlagetrend erst einmal läuft, nährt der Boom sich selbst", sagt Merz. "Dann kommt man bei der Themenanlage immer wieder auf die gleichen Titel, und treibt so die Kurse noch weiter."
Spätestens dann wird der Privatanleger neugierig. "Wer als Vermögensverwalter nicht auf einen Trend aufspringt, muss sich Fragen von seinen Kunden gefallen lassen", schildert Merz seine Erfahrungen. Eberhard Weinberger, Vorstand von DJE Kapital, hat Ähnliches erlebt: "Viele Kunden wollen natürlich von einer Anlagemode profitieren, dann müssen wir auf die Bremse treten. Manche Trends rollen zu wie ein Tsunami, entpuppen sich aber als Blase."
Kurzlebige Trends: Performance zum Dax seit Auflage des jeweiligen ...   Kurzlebige Trends: Performance zum Dax seit Auflage des jeweiligen Strategieindex
Beispiele dafür gibt es zuhauf. Nachdem sich die deutschen Exporte zwischen 1995 und 2005 fast verdoppelt hatten, legte die Deutsche Börse 2005 den Daxplus Export Strategy mit exportstarken Titeln auf. Doch er kam zur Unzeit: Erst scheiterte die Doha-Runde zur Liberalisierung des Welthandels, später riss die Wirtschaftskrise die Exporte nach unten. Seit Bestehen weist der Index ein Minus von knapp zwölf Prozent aus, während der Dax nur fünf Prozent verlor.
Ein größeres Desaster erlebten Anleger mit Öko-Fonds. Vor zwei Jahren setzte der Boom ein - und immer mehr Anleger investierten in Anbieter erneuerbarer Energien. Doch die Solarblase platzte schnell: Der ÖkoDax, aufgelegt im Juli 2007, stürzte seitdem um 57,5 Prozent ab - der Dax verlor rund 42 Prozent.
Horst Schneider, Leiter des Vermögensmanagements bei MLP, verurteilt Anlagetrends jedoch nicht generell. Für ihn liegt der größte Fehler der Anleger im späten Einstieg: "Wenn der letzte Privatanleger auf einen Trend aufspringt, haben sich die meisten institutionellen Investoren schon zurückgezogen und ihre Gewinne realisiert."
Einigen Trends können selbst die Vermögensverwalter etwas abgewinnen. "Es gibt sicher einige Trends, die mittel- bis langfristig halten werden", sagt Weinberger. Zum Beispiel sei nach dem Platz en der Rohstoffblase der Agrarsektor vielverspechend. Auch die Berenberg Bank rät ihren Kunden zu Rohstoffen. Derzeit sei ein guter Zeitpunkt für den Einstieg in Titel, die von der steigenden Nachfrage nach Energie oder Rohstoffen profitieren, sagt Markus Taubert, Chef-Vermögensverwalter der Bank. "Langfristige Megatrends sind auf keinen Fall tot - im Gegenteil."
  • Aus der FTD vom 20.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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