Große deutsche Aktiengesellschaften vernachlässigen den Dialog mit Privatanlegern. Viele Unternehmen antworten auf Schreiben privater Investoren gar nicht oder äußerst spät. Bekommen die Aktionäre eine Antwort, ist diese inhaltlich oft unbefriedigend. Das ist das Ergebnis einer Studie der Kölner Kommunikationsberatung Netfederation.
Die Tester schickten unter dem Namen eines fiktiven Aktionärs E-Mails an die Investor-Relations-Abteilungen von 110 Unternehmen, deren Aktien zu den Indizes Dax, MDax und TecDax gehören. Darin fragte der Absender, wie die im nächsten Jahr kommende Abgeltungsteuer die Aktionäre des Unternehmens treffen werde. Die Antworten bewertete Netfederation nach mehreren Kriterien: Wie lange brauchte das Unternehmen für seine Reaktion? Und wie gut haben die Mitarbeiter die Frage des Aktionärs beantwortet?
Die Ergebnisse sind ernüchternd: Nur 67 Prozent der Unternehmen haben überhaupt auf die E-Mail des Aktionärs reagiert. Ein Drittel antwortete gar nicht. Und die Unternehmen, die eine Antwort schickten, ließen sich zum Teil viel Zeit. Zudem ließ der Inhalt vieler Antworten zu wünschen übrig. 41 Prozent bezogen sich überhaupt nicht auf die gestellte Frage.
Langfristiger Schaden
Für Thorsten Greiten, Geschäftsführer von Netfederation, ist das Ergebnis unverständlich. "Wenn Unternehmen auf Anfragen von Privatinvestoren nicht oder ausweichend antworten, verspielen sie eine große Chance, sich ins rechte Licht zu rücken und die Verbindung zum Aktionär zu stärken." Solchen Schaden könnten die Unternehmen in Zukunft kaum mehr wiedergutmachen, warnt Greiten.
Bei dem Test entdeckte Netfederation einen Zusammenhang zwischen der Qualität der IR-Arbeit und der Größe des Unternehmens. So antworteten 77 Prozent der Dax-Unternehmen auf die Mails. Bei den MDax- und TecDax-Firmen waren die Quoten deutlich schlechter. MDax-Aktiengesellschaften antworteten zu 68 Prozent, TecDax-Mitglieder gar nur zu 57 Prozent.
"Je kleiner das Unternehmen ist, desto weniger Mitarbeiter kümmern sich um die Investor-Relations", deutet Greiten das Ergebnis. "Oft sind die Verantwortlichen Einzelkämpfer." Anders bei Dax-Konzernen: Sie verfügen meist über große Investor-Relations-Abteilungen. "Da ist es völlig unverständlich, wenn sie nicht antworten."