Einer der meistzitierten Tipps von Börsenlegende André Kostolany lautet: "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich." Kostolany ist vor zehn Jahren verstorben. Jetzt erklären viele Anlagestrategen auch seine Buy-and-Hold-Strategie für tot.
Als Hauptargumente führe sie dabei ins Feld: Sinkende Transaktionskosten und die immer stärkere Ausweitung des Computerhandels verhinderten mittlerweile, dass Anleger mit rein langfristigen Aktienanlagen noch ordentliche Renditen erzielen könnten. Kurse schwankten dadurch immer häufiger und stärker, stabile Aufwärtsbewegungen gehörten der Vergangenheit an.
Die Entwicklung des Dax stützt diese These: Wer vor zehn Jahren Dax-Aktien erworben und sie jetzt verkauft hat, steht nach vielen Hochs und Tiefs wieder ziemlich genau da, wo er angefangen hat.
"Buy-and-Hold-Anleger brauchen ein gewisses Maß an Trendgläubigkeit", sagt Heinz-Werner Rapp, Chefstratege des Bad Homburger Vermögensverwalters Feri, der das Vermögen von 200 wohlhabenden Familien verwaltet. "1980 bis 2000 war eine gute Zeit für diese Strategie. Jetzt würde ich sie nicht empfehlen." Stattdessen rät Rapp, das Geld Fondsmanagern anzuvertrauen, die aus dem raschen Auf und Ab der Märkte Gewinn schlagen können. Der Vermögensverwalter Gecam aus Wangen im Allgäu sieht es ähnlich: "Es sieht eher nach einer Zeit für Trader aus als für Buy-and-Hold-Investoren."
Wie Strategen die modernen Zeiten bewerten, kann Buy-and-Hold-Anlegern indes egal sein. Was auf Langfristigkeit fußt, kann gar nicht in einer Marktphase gut sein und in einer anderen schlecht. Wahre Buy-and-Hold-Anhänger wollen keine Trends verfolgen, beachten sie erst gar nicht. Zahlen des Bundesverbands Investment und Asset-Management zeigen schließlich, dass die Rendite von Aktieninvestments wächst, je länger diese laufen. Nur ein Problem haben kurz- und langfristige Anleger gemein: Sie müssen günstige Zeitpunkte für den Handel finden. Bei kurzfristig orientierten Anlegern gilt das für Kauf und Verkauf, für Buy-and-Hold-Investoren ist nur der Kauf entscheidend. Eine solche Gelegenheit würde sich gerade bieten, sagt Kostolany-Schüler Gottfried Heller, Gründer der Vermögensverwaltung Fiduka. "Günstiger als jetzt wird man Aktien kaum erstehen können", sagt er. Die Chancen, dass es von hier aus nach oben geht, stünden sehr gut. Heller widerspricht den Theorien richtungsloser Schwankungen: Die Strategie des langen Atems habe keineswegs ausgedient. Zumal die Alternative, also herauszufinden, wo der beste Verkaufszeitpunkt für ein Papier innerhalb eines kurzen oder mittellangen Trends liege, höchstens zufällig einmal funktioniere.