Erstens fällt auf, dass im vergangenen Jahr vor allem börsennotierte Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) erhebliche Nettomittelzuflüsse verbuchen konnten. Unter den zehn Aktienfonds mit den höchsten Einzahlungen rangieren in der Statistik des Branchenverbands BVI gleich sieben ETFs. Rund 5,1 Mrd. Euro sammelten die Top-Ten-Fonds bis November 2009 ein, davon landeten 3,4 Mrd. Euro bei den sieben ETFs.
In die Indexfonds aber stecken laut Branchenbeobachtern nach wie vor hauptsächlich professionelle Investoren ihr Geld - Schätzungen zufolge stammen rund 80 Prozent der Mittel in Indexfonds hierzulande von Profis wie Versicherungen und Pensionsfonds. Grund: ETFs, die einen Index eins zu eins abbilden, haben geringe Gebühren und zahlen in der Regel keine Vertriebsprovisionen, anders als klassische Investmentfonds. Deshalb landen ETFs auch nicht so oft in den Depots von Privatanlegern. Das legt den Schluss nahe, dass ein beträchtlicher Teil der Zuflüsse auf Profis zurückgeht.
Dafür spricht auch die gesunkene Zahl der Aktienfondsbesitzer. Nach Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) gab es Ende 2009 3,87 Millionen Privatanleger mit Aktienfonds. Ein Jahr zuvor waren es noch 3,99 Millionen. Eine andere Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des BVI bestätigt diesen Trend. Zwar ermittelte die GfK mit 9,09 Millionen mehr Aktienfondsbesitzern als das DAI, weil auch jene Produkte mitgezählt wurden, die den Anlegern über ihre Altervorsorgepolicen zuzurechnen sind. Doch auch die BVI-Studie zeigt: Die Zahl der Privatleute mit Aktienfonds ist zur Jahresmitte 2009 gefallen.
Riester-Sparer profitieren indirekt
Naheliegend ist daher: Privatanleger haben sich in der Mehrzahl komplett von ihren Aktienfonds getrennt. Andere Investoren, die sich womöglich besser auskennen, haben 2009 dagegen nachgekauft. "Diese These würde ich ganz stark unterstützen", sagt Martin Weber, Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Mannheim. "Als Wissenschaftler müsste ich die Frage eigentlich untersuchen." Aber offenbar sei es so, dass die Anleger, die Aktien wirklich verstanden haben, auch Aktienfonds gekauft hätten.
"Diese Anleger investieren auch eher nicht in einzelne Aktien, sondern diversifizieren über Fonds", sagt Weber, der sich mit dem Entscheidungsverhalten von Privatanlegern beschäftigt hat. Rüdiger von Nitzsch, Professor an der Aachener Universität, teilt die Einschätzung: "Das Bild ist klar." Die verschiedenen Anlegergruppen würden sich voneinander entfernen, sagt der Experte für Entscheidungsforschung und Finanzdienstleistungen. "Es gibt Privatanleger, die fast wie professionelle Anleger agieren und zum Beispiel ETFs kaufen. Und es gibt Anleger, die eher abgesichert und indirekt über Altersvorsorgeprodukte in Aktienfonds investieren."
Diese Gruppe ist inzwischen eine nicht zu unterschätzende Größe. Privatanleger werden auch dann zu Besitzern von Aktienfonds, wenn sie etwa einen Riester-Fondssparplan abschließen. So hat die genossenschaftliche Union Investment mit ihrem internationalen Aktienfonds Uniglobal bis Ende November 2009 rund 713 Mio. Euro eingesammelt. Es ist der Aktienfonds mit den höchsten Zuflüssen, und rund 85 Prozent davon stammen von Riester-Sparern. Wenigstens sie haben die Börsenrally mitgenommen.