Merken
Drucken
13.03.2010, 11:00
Schriftgröße: AAA
Portfolio:
Schlafender Riese im Fernen Osten
Schon 2009 lief der zweitgrößte Markt der Welt der Erholung hinterher. Die Investoren verschmähen das Land, Investmenthäuser haben Japan untergewichtet. Genau darin liegt eine große Chance - 2010 könnte Nippon groß heraus kommen.
von Erich Gerbl
Vom größten asiatischen Aktienmarkt will niemand etwas wissen. "Japan ist vergessen und verkauft", bringt DWS-Chefanleger Klaus Kaldemorgen die Lage auf den Punkt. Nachdem der zweitgrößte Markt der Welt der Erholung 2009 hinterherlief, befindet sich die Stimmung unter den Investoren auf einem historischen Tief. Doch genau darin liegt die Chance für Anleger. "Auf dem Tiefpunkt ist jede Veränderung positiv", sagt der DWS-Fondsmanager für globale Aktien Gunnar Friede. Hellen sich die Wolken nur ein wenig auf, könnte rasch die Sonne durchkommen.
Verschläft Finanzminister Naoto Kan womöglich die lang ersehnte Rally am japanischen Aktienmarkt? Es wäre fatal
"Da die Erwartungen so gering sind, zählt jeder positive Impuls doppelt", sagt Union-Investment-Fondsmanagerin Hannah Cunliffe. Nahezu alle Investmenthäuser haben Japan in ihren Portfolios untergewichtet. Daher könnte bereits bei einer leichten Gegenbewegung schnell ein Herdentrieb einsetzen. "Die Fondsmanager müssen dann ihr Risiko rasch neutralisieren", weiß DWS-Experte Friede. Sein Chef Kaldemorgen setzt antizyklisch auf diesen Markt: Japan könne 2010 positiv überraschen.
Aussichtsreiche Japan-Investments
Da Investoren realwirtschaftlich in anderen Regionen Asiens langfristig höhere Wachstumsraten finden, ist jedoch nicht mit einer dauerhaften Auferstehung des japanischen Aktienmarkts zu rechnen, sondern eher mit einer Bärenmarktrally. Die könnte es jedoch in sich haben. Denn zurzeit sind japanische Aktien ungewöhnlich günstig. Der größte Teil der Firmen notiert um oder unter dem Buchwert. "Mit dieser Bewertung unterstellt der Markt den Unternehmen, dass sie auf einige Zeit kein Geld verdienen werden. Dieser Meinung sind wir nicht", sagt Friede.
Japans Stärke in Asien wird unterschätzt
Frei von Risiken ist die Sache nicht. Der Yen könnte Anlegern einen Strich durch die Rechnung machen. Der Aktienmarkt korreliert eng mit dem Dollar-Yen-Wechselkurs. Je fester die Währung, desto schwächer der Markt. Doch die Hoffnung auf ein Ende der Yen-Hausse und eine Stärkung der Aktienmärkte ist angebracht.
Unterschätzt wird Japans Stärke in Asien. Der Anteil der Ausfuhren in diese Region stieg in den vergangenen 25 Jahren von 27 auf 52 Prozent. Allein 15 Prozentpunkte entfallen auf China. Gleichzeitig schrumpfte der US-Exportanteil von 40 auf 18 Prozent. Anders als in Deutschland machen die Ausfuhren nicht 47 Prozent, sondern nur 17 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Mit einer Erholung der lokalen Nachfrage ist hingegen nicht zu rechnen. Die Deflation verdirbt bereits seit 20 Jahren die Geschäfte. Derzeit macht Japan zudem eine für das Land hohe Arbeitslosigkeit von fünf Prozent zu schaffen. Selbst optimistische Volkswirte trauen Japan 2010 kein höheres Wirtschaftswachstum als 1,5 Prozent zu.
Teil 2: Exportkraft ist gefragt
-
FTD.de, 13.03.2010
© 2010 Financial Times Deutschland,
Bookmarken
Drucken
Senden
Leserbrief schreiben
Fehler melden