Für Schiffsfondsanleger könnte es eine gute Nachricht sein. Langfristig könnten mehr Containerschiffe gebraucht werden als bislang angenommen. Davon geht der Schiffsklassifizierer Germanischer Lloyd (GL) aus, der als eine Art Schiffs-TÜV Schiffe aller Art klassifiziert und für die technische Sicherheit sorgt. Die Zauberformel dafür heißt Slow Steaming - langsames Fahren. Was zurzeit Linienreedereien wie
Maersk oder Hapag-Lloyd im großen Stil betreiben, um ihre Schiffe auch in Krisenzeiten in Fahrt zu halten, wird nach Ansicht der GL-Experten auch mittelfristig so bleiben: Containerschiffe werden künftig grundsätzlich langsamer fahren. Dafür verantwortlich seien stetig steigende Betriebskosten, die nach Berechnungen von GL bei langsamer Fahrt enorm sinken.
Der positive Nebeneffekt: "Wer langsamer fährt, braucht mehr Schiffe", sagt Pierre Sames, Leiter strategische Forschung und Entwicklung bei GL. "Die Reduktion der Geschwindigkeit von 22 Knoten auf 14 Knoten schafft schon einen Mehrbedarf von 22 Prozent auf der Route Asien-Europa, wenn die jährliche Transportleistung konstant gehalten werden soll." Dabei sei es für die Reedereien wirtschaftlicher, mit mehr Schiffen langsamer als mit wenigen schneller zu fahren. "Entscheidend für die Auswahl der optimalen Schiffsgeschwindigkeit sind die erwarteten Brennstoffpreise, Charterraten und Warenwerte."
Zurzeit fahren fast alle Schiffe mit stark reduzierter Geschwindigkeit, um Kosten zu sparen - mit Ausnahme von Kühlcontainern, Bulkern und Tankschiffen, die auch weiterhin schnell sein müssen, weil sie entweder verderbliche Waren transportieren oder Rohstoffe, die dringend gebraucht werden. Für die Mehrzahl der Containerschiffe aber gilt: Pflügten sie in Boomzeiten mit 25 Knoten, etwa 46 Stundenkilometern, durch die Meere, fuhren sie 2008 nur noch mit 20 Knoten, und seit einigen Monaten schleichen sie mit 14 Knoten dahin.