Portfolio:Schwedische Aktien hängen Europas Börsen ab
Stockholmer Leitindex seit Jahresbeginn elf Prozent im Plus. Starke Krone erhöht Rendite für Anleger im Euro-Raum. Wirtschaft wächst.
von Bernd Mikosch
Fondsmanager und Analysten sehen gute Investmentchancen am schwedischen Aktienmarkt. Sie verweisen auf die soliden Staatsfinanzen und die gute Positionierung der Unternehmen in den aufstrebenden Schwellenländern.
Die schwedische Börse ist einer der Überraschungssieger dieses Jahres. Der Leitindex OMX Stockholm 30 hat seit Jahresbeginn fast elf Prozent zugelegt, während der europäische Stoxx 50 rund drei Prozent im Minus liegt. In Euro gerechnet liegt Stockholms Aktienmarkt sogar knapp 20 Prozent im Plus - die Krone hat zur Gemeinschaftswährung zuletzt deutlich aufgewertet. Der Ratingagentur Morningstar zufolge haben Fonds mit schwedischen Standardwerten seit Jahresbeginn in Euro im Schnitt 19,6 Prozent zugelegt. Besser fuhren Anleger nur mit Fonds, die sich auf türkische Aktien oder einige asiatische Nischenmärkte spezialisiert haben.
John Bornstein, Fondsmanager des Skandia Swedish Equity Fund, sieht drei Gründe für die jüngste Rally: "Zum einen geht es der Wirtschaft gut. Die Staatsfinanzen sind solide, harte Sparprogramme wie andere Länder hat Schweden nicht nötig. Zum anderen sind die Exporteure gut aufgestellt. Die Industrieunternehmen erwirtschaften fast die Hälfte ihres Umsatzes in den Schwellenländern." Außerdem stehe Schwedens Finanzsektor gut da. "Die Banken sind kaum in Südeuropa engagiert", sagt Bornstein. Die Krise im Baltikum habe die Institute vorübergehend belastet, in den vergangenen Monaten habe sich diese Region aber deutlich stabilisiert. "Die Kreditausfälle, die Schwedens Banken im Baltikum zu verzeichnen hatten, sind rapide gefallen", betont der Fondsmanager.
Der schwedischen Wirtschaft geht es besser, als Volkswirte lange Zeit vermutet hatten: Das Statistikamt hatte für das dritte und vierte Quartal des vergangenen Jahres zunächst ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 Prozent und 0,6 Prozent gemeldet. Das veranlasste viele Analysten dazu, ihre Prognose für 2010 zurückzunehmen. Kürzlich revidierten die Statistiker ihre Zahlen jedoch - demnach stand im zweiten Halbjahr 2009 sogar ein klares Plus. Die Analysten der Schweizer Großbank UBS, die Schwedens Wirtschaft bislang nur ein Wachstum von 1,9 Prozent zugetraut hatten, erhöhten ihre Prognose vergangene Woche auf 3,5 Prozent.
Aktienfonds Schweden
"Die Marge der schwedischen Industrieunternehmen hat sich in der ersten Hälfte dieses Jahres sehr gut entwickelt", sagt Karl Hogtun, der für den norwegischen Vermögensverwalter Carlson einen Skandinavien-Fonds managt. "Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Entwicklung dieses Sektors stark vom Konjunkturausblick abhängt." Dieses Risiko verschweigt auch Skandia-Portfoliomanager Bornstein nicht: "Sollte es zu einem neuerlichen Einbruch der Weltkonjunktur kommen, werden schwedische Aktien vermutlich schlechter abschneiden als andere europäische Börsen - schließlich ist der Anteil der zyklischen Unternehmen relativ hoch."
Für den Markt spricht dem Experten zufolge die vergleichsweise günstige Bewertung: "Schwedische Aktien sind etwa mit dem 13-Fachen der für 2010 erwarteten Gewinne bewertet, rund 20 Prozent unter dem langfristigen Schnitt", sagt Bornstein. Dies und die solide Entwicklung der Unternehmensgewinne sollten den Aktienmarkt weiterhin unterstützen, ergänzt Hogtun. Tommi Saukkoriipi, Manager des Nordea Nordic Equity Fund, traut den Börsen der Region auf Sicht von zwölf Monaten ein Plus von acht bis zwölf Prozent zu.
Anleger müssen sich im Klaren darüber sein, dass ein Konjunktureinbruch nicht nur auf die Kurse der Unternehmen an der Börse durchschlagen würde, sondern auch die Währung unter Druck bringen könnte. Trotz gesunder Staatsfinanzen eigne sich die schwedische Krone nicht als sicherer Hafen, sagt Ursina Kubli, Ökonomin bei der Schweizer Bank Sarasin. Die Währung sei äußerst risikosensitiv: "Nimmt der Risikoappetit an den Finanzmärkten zu, gehört die schwedische Krone zu den Währungsgewinnern", sagt Kubli. "Steigt hingegen die Risikoaversion, verzeichnet die Krone in der Regel heftige Verluste."
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