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Merken   Drucken   13.02.2012, 16:54 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Vorsicht, Luftlöcher!

Fluggesellschaften befinden sich in schweren Turbulenzen. Die Aktien sind deshalb zurzeit nur etwas für mutige Anleger. von Alois Lehner 
Negative Meldungen häufen sich in der Airline-Industrie: Spanair, viertgrößter Anbieter in Spanien, stellte den Flugbetrieb ein und meldete Insolvenz an. Die skandinavische Fluggesellschaft SAS, die elf Prozent an Spanair hält, reagierte daraufhin mit einer Gewinnwarnung. Auch die ungarische Traditionsairline Malev musste nach 66 Jahren das Aus bekannt geben. Marktbeobachter gehen davon aus, dass weitere Airlines in den Abgrund gerissen werden oder sich Partner suchen müssen. So glaubt kaum jemand, dass die beiden großen Anbieter Alitalia  oder SAS auf Dauer allein überleben können.
Ausgewählte Aktien der Airline-Industrie   Ausgewählte Aktien der Airline-Industrie
Die Branche muss zahlreiche Belastungsfaktoren verkraften. Einer davon sind die hohen Kerosinpreise. Die am Ölpreis hängenden Flugbenzinpreise sind für die energieintensiven Fluglinien enorm wichtig, weil die Kosten für Kerosin zu den größten Ausgabeposten der Airlines gehören; ein Viertel bis ein Drittel aller Ausgaben entfallen auf Treibstoff. Zudem drückt die Konkurrenz der Billigflieger auf die Margen, und neue Steuern wie die deutsche Luftverkehrsabgabe belasten. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor sind die seit Anfang des Jahres vorgeschriebenen Emissionszertifikate für Flüge von und nach Europa.
Ins Kontor schlägt zudem die weltweite Konjunkturabkühlung. Die Reihen in der lukrativen Businessclass lichten sich in einem Abschwung stärker als im Niedrigpreissegment. Mit noch heftigeren Rückgängen muss bei den Frachtaufkommen gerechnet werden - das lukrative Cargogeschäft hängt stärker an der Weltwirtschaft als das Passagiergeschäft.
Die Aussichten für 2012 sind insgesamt also wenig verheißungsvoll. Auch der Luftfahrtverband IATA zeigt sich fürs laufende Jahr pessimistisch. Er rechnet weltweit mit einem Gewinn der Branche von 3,5 Mrd. Dollar; 2011 waren es geschätzte 6,9 Mrd. Dollar. Für die europäischen Anbieter prognostiziert der Verband gar einen Verlust von 0,6 Mrd. Dollar.
Kursinformationen und Charts
  ALITALIA A 0,445 EUR  [-0.034 -7,10%
  Lufthansa 8,479 EUR  [0.008 +0,09%
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Bleibt die Frage der Bewertung. Auf Basis der für 2012 prognostizierten Gewinne haben Airline-Titel, gemessen an denen, die überhaupt Gewinne schreiben, ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von im Schnitt 22. Auf 2013er-Basis beträgt das durchschnittliche KGV 15 - eine positive Entwicklung der Branche unterstellt. Das liegt allerdings noch immer über dem Durchschnittswert der vergangenen zehn Jahre von elf.
Wegen der derzeit noch düsteren Aussichten der Zunft sollten konservative Anleger bei den zyklischen Airline-Aktien weiter auf der Hut bleiben. Lediglich flexible und spekulative Investoren könnten die Wette auf einen Turnaround im kommenden Jahr eingehen und dafür gut positionierte Titel ins Auge fassen.
Einer davon ist die Lufthansa . Die Kranich-Fluggesellschaft sollte nach Einschätzung von Ingo Schmidt, Analyst bei der Hamburger Sparkasse, gestärkt aus dem Konsolidierungsprozess hervorgehen. Er stuft das Papier mit "Kaufen" ein. Seiner Ansicht nach sollten weitere Insolvenzen im Sektor dazu führen, dass auch das Preisniveau der Flüge wieder nach oben kommt. Das negative Umfeld sei ohnehin bereits in den Kursen berücksichtigt. Zudem sei die Bewertung mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von aktuell 0,62 tief; das Rekordtief lag bei 0,50. Darüber hinaus hat der Konzern mit Swiss  vorgemacht, wie er rote Zahlen schreibende Tochtergesellschaften saniert. Das sollte der Lufthansa auch mit den Töchtern Austria Airlines und Germanwings gelingen.
Eine weitere Lufthansa-Tochter, nämlich British Midland Airways (BMI), befindet sich mittlerweile in Händen der International Airlines Group (IAG). Die Gruppe ging aus der Fusion von British Airways  und Iberia  hervor. BMI wird die Bilanz des britisch-spanischen Unternehmens zwar belasten, dennoch scheint der Deal sinnvoll. London gehört zu den lukrativsten Märkten im Fluggeschäft, vor allem am größten Flughafen Heathrow sind attraktive Zeitfenster für Starts und Landungen jedoch Mangelware. Mit dem Kauf von BMI erhält die IAG solche Slots, die neue Langstreckenflüge ermöglichen. Manko des Unternehmens ist derzeit das starke Standbein in Spanien, wo die Wirtschaft am Boden liegt. Über Iberia hat die Gruppe allerdings auch eine gute Position in den prosperierenden Märkten in Lateinamerika.
Neben Airlines sind auch Flughafenbetreiber, etwa Fraport , interessant. Nach Ansicht von Markus Hesse, Analyst bei Macquarie, zieht das Unternehmen über einen längeren Zeitraum Nutzen aus dem Wachstum bei den Passagierzahlen. Diese sorgen für höhere Gebühreneinnahmen und schlagen sich in steigenden Konzessionseinnahmen nieder. Weitere Impulse erhalten die Frankfurter von den Auslandsbeteiligungen. Das Unternehmen entwickelt und betreibt unter anderem die Flughäfen von Antalya und Lima. Neues Wachstumspotenzial eröffnet nicht zuletzt die neue Frankfurter Nordwest-Landebahn, die im November 2011 in Betrieb gegangen ist.
23:08:21 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
ALITALIA A 0,445 EUR   -7,10%  -0.034
Lufthansa 8,479 EUR   +0,09%  0.008
Fraport 42,25 EUR   +1,34%  0.56
  • FTD.de, 13.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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