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Merken   Drucken   29.07.2010, 15:33 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Zögerliches Aufräumen bei Ökofonds

Das BP-Desaster bringt viele Ökofonds in Erklärungsnot. Die Konsequenzen halten sich aber in Grenzen. Viele verteidigen das Best - in - class - Prinzip. von Martin Reim 
Aus der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko wollen nur weniger Anbieter von nachhaltigen Finanzanlagen Konsequenzen ziehen. Das zeigt eine Umfrage des Anlegermagazins BÖRSEonLINE unter rund 40 Marktteilnehmern. Anbieter, die bereits vor der Katastrophe auf Aktien von Ölunternehmen verzichtet hatten, wollen dies auch künftig tun und sehen sich durch das von BP  ausgelöste Desaster in ihrer Entscheidung bestätigt. Viele derjenigen, die bereits zuvor in Aktien von Ölfirmen investiert hatten, bewerten die Ölkatastrophe eher als Zufall und sehen darin keinen Anlass, Investitionen in die Branche auszuschließen. Einig sind sich die Firmen nur darin, dass BP nicht mehr als nachhaltiges Unternehmen infrage kommt.
"Es hat sich bestätigt, dass es sinnvoll ist, diese Branche komplett zu meiden, um glaubwürdig zu sein", erklärt die schweizerische Fondsgesellschaft Swisscanto. Ähnlich klingt es bei der nachhaltigkeitsorientierten Wiener Bank Schelhammer & Schattera: "Nach den zahlreichen Umweltverstößen der vergangenen Jahre bei BP war ein neuerlicher Verstoß nur eine Frage der Zeit. "
Kursinformationen und Charts
  BP 496,1 GBp  [6.35 +1,30%
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Bei anderen Anbietern nachhaltiger Finanzprodukte zählte BP vor der Ölpest zu ihren Beteiligungen. Grund dafür ist das sogenannte Best-in-Class-Prinzip. Es erlaubt Anlagen in anrüchige Branchen wie etwa die Ölindustrie - solange nur der Beste ins Depot rückt. BP war dabei oft erste Wahl - auch wegen des positiven Urteils von Ratingagenturen und Indexbetreibern, nach denen sich viele Investoren richten. Denn BP hat einen hohen Anteil an regenerativen Energien, trägt also weniger zum CO2-Ausstoß bei als viele Konkurrenten.
Zwar sind sich alle Marktteilnehmer darin einig, dass BP nicht mehr in ein ethisch ausgerichtetes Depot gehört. Dennoch verteidigen die Befürworter des Best-in-Class-Ansatzes ihre Entscheidung. Eine Abkehr von dem Ansatz "würde zu einer geringeren Diversifikation im Portfolio führen und auf Renditechancen aus den ausgeschlossenen Branchen verzichten", erklärt etwa das Unternehmen Meag, das unter anderem die Investments des Versicherers Munich Re  verwaltet und BP in einem Fonds hatte. Und die evangelische Darlehnskasse Münster, die an BP ebenfalls über Fonds beteiligt war, betont: "Im Nachhinein ist es immer leicht zu sagen: ‚Das musste ja passieren.‘"
Immerhin gibt es eine Handvoll Befragte, die positiv gegenüber BP eingestellt waren und jetzt über Korrekturen nachdenken. Zu ihnen zählt die schweizerische Großbank UBS . Dort diskutiert man "vertieft die Frage, ob wir in den Nachhaltigkeitsportfolios Investitionen in heikle Branchen wie die Ölindustrie überhaupt tätigen sollen". Ähnlich äußert sich die katholische Pax-Bank: "Wir diskutieren aktuell auch die grundsätzliche Einstufung von nicht erneuerbaren Energie- und Rohstoffwerten." Und die Fondsgesellschaft Dexia Asset Management bekennt, dass sich ihre Haltung gegenüber der Ölindustrie geändert habe. Die sogenannten Fat-Tail-Risiken seien Realität geworden. Solche Ereignisse treten extrem selten ein, haben dann aber besonders gravierende Auswirkungen.
Viele Banken sehen vor allem die Datendienstleister unter Zugzwang, die das Geschäftsmodell von Unternehmen nach nachhaltigen Kriterien bewerteten und auf deren Urteil sich die Produktanbieter verlassen. Die UBS etwa übt indirekt Kritik am hauseigenen Datenlieferanten Riskmetrics: "Falls wir zu dem Schluss kommen sollten, dass Konkurrenten von Riskmetrics besseres Research anbieten, würden wir einen Wechsel in Betracht ziehen." Riskmetrics erklärt, man habe bereits "Verbesserungen in der Methodik" vorgenommen und das Gewicht einzelner Risikobeurteilungen verändert.
Kritik an der eigenen Ratingagentur kommt auch von der Privatbank Pictet, die BP teilweise stark in Fonds gewichtet hatte. Ohne den Namen des Unternehmens zu nennen, erklärt die Bank, man habe den Datenlieferanten "natürlich sofort auf die Gründe angesprochen und griffige Maßnahmen verlangt, um solche Fehleinschätzungen in Zukunft möglichst zu vermeiden".
12:57:10 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
BP 496,1 GBp   +1,30%  6.35
Münchener Rück 108,65 EUR   +0,84%  0.9
UBS 13,08 CHF   -0,15%  -0.02
  • FTD.de, 29.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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