Immerhin gibt es eine Handvoll Befragte, die positiv gegenüber BP eingestellt waren und jetzt über Korrekturen nachdenken. Zu ihnen zählt die schweizerische Großbank
UBS . Dort diskutiert man "vertieft die Frage, ob wir in den Nachhaltigkeitsportfolios Investitionen in heikle Branchen wie die Ölindustrie überhaupt tätigen sollen". Ähnlich äußert sich die katholische Pax-Bank: "Wir diskutieren aktuell auch die grundsätzliche Einstufung von nicht erneuerbaren Energie- und Rohstoffwerten." Und die Fondsgesellschaft Dexia Asset Management bekennt, dass sich ihre Haltung gegenüber der Ölindustrie geändert habe. Die sogenannten Fat-Tail-Risiken seien Realität geworden. Solche Ereignisse treten extrem selten ein, haben dann aber besonders gravierende Auswirkungen.
Viele Banken sehen vor allem die Datendienstleister unter Zugzwang, die das Geschäftsmodell von Unternehmen nach nachhaltigen Kriterien bewerteten und auf deren Urteil sich die Produktanbieter verlassen. Die UBS etwa übt indirekt Kritik am hauseigenen Datenlieferanten Riskmetrics: "Falls wir zu dem Schluss kommen sollten, dass Konkurrenten von Riskmetrics besseres Research anbieten, würden wir einen Wechsel in Betracht ziehen." Riskmetrics erklärt, man habe bereits "Verbesserungen in der Methodik" vorgenommen und das Gewicht einzelner Risikobeurteilungen verändert.
Kritik an der eigenen Ratingagentur kommt auch von der Privatbank Pictet, die BP teilweise stark in Fonds gewichtet hatte. Ohne den Namen des Unternehmens zu nennen, erklärt die Bank, man habe den Datenlieferanten "natürlich sofort auf die Gründe angesprochen und griffige Maßnahmen verlangt, um solche Fehleinschätzungen in Zukunft möglichst zu vermeiden".