"Bei unseren Kunden haben wir beinahe eine Verdopplung der Volumen in ETFs gesehen", so Fuhr. "Der Trend geht zu ETFs, zumindest bei breiten liquiden Anlagen in europäische Aktien und Anleihen", sagte auch Jürgen Heiny, Investmentberater bei Watson Wyatt.
Seit dem Start der Produkte in Europa vor sechs Jahren ist das Wachstum rasant: Bis Ende Mai 2006 stieg das Volumen in ETFs auf 69,5 Mrd. $ (54,1 Mrd. Euro), wie Morgan Stanley ermittelte. Allerdings ist es wegen der permanenten Handelbarkeit kaum möglich, die genauen Investitionen aus Deutschland zu ermitteln. Weltweit stecken in rund 530 ETFs etwa 475 Mrd. $, gut drei Viertel davon in US-Fonds.
Nur wenige aktiv gemanagte Fonds schaffen es, langfristig die Rendite eines Index zu übertreffen. ETFs bilden Indizes, bislang vor allem auf Aktien, eins zu eins ab, sind also passive Fonds, was die Kosten senkt. Welche Bedeutung die Fonds an einigen Finanzmärkten haben, wurde im Frühjahr deutlich, als die erste Genehmigung eines ETFs auf Silber den Preis für das Edelmetall auf ein 22-Jahres-Hoch hievte.
Seit Beginn des Jahres ist die Zahl der Fonds in Europa auf gut 200 angewachsen - mehr als die Hälfte davon werden an der Deutschen Börse gehandelt. Die Marktführer, I-Shares von Barclays, die HypoVereinsbank-Tochter Indexchange und Lyxor, eine Sparte von Société Générale, haben je mehrere neue ETFs gestartet. Heute bringt Lyxor zwei Fonds auf den Markt. Einer läuft auf den japanischen Aktienindex Topix, ein zweiter ist ein Rohstoff-ETF.
In Europa gibt es im Vergleich zu den USA eine regelrechte Produktschwemme: Obwohl der US-Markt fast fünfmal so groß ist wie der europäische, kommen die Amerikaner mit zuletzt gut 230 börsengehandelten Fonds aus. Im Unterschied zu Europa investieren in den USA deutlich mehr private Anleger in ETFs. Branchenkenner schätzen, dass 30 Prozent der Gelder dort von Privatleuten stammen - in Europa hingegen maximal zehn Prozent.
Speziell in Deutschland konkurrieren nicht nur Terminkontrakte, sondern auch Zertifikate um die Gunst der Anleger. An der Deutschen Börse würden 100.000 Zertifikate und Optionsscheine gehandelt, sagte eine Unternehmenssprecherin. Das ETFs-Geschäft mit seinen niedrigen Margen lockt Bankenberater und Finanzvermittler kaum. I-Shares hat den Plan, mit ETFs über deutsche Finanzvermittler ins Massengeschäft einzusteigen, nicht weiter verfolgt. Die Zielgruppe seien vor allem Profiinvestoren, sagte ein I-Shares-Sprecher.