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  FTD-Serie: Die französische Entscheidung

Das Nein war eindeutig: Die Franzosen haben die EU-Verfassung abgelehnt und stürzen die Union damit in eine Krise. Informationen und Hintergründe rund um den Verfassungsstreit und seine Folgen hier auf einen Blick.

Merken   Drucken   26.05.2005, 20:22 Schriftgröße: AAA

Referendum verunsichert Finanzmärkte  

Eine Ablehnung der EU-Verfassung in Frankreich wird nach Einschätzung von Experten den Euro und die Aktienmärkte in Osteuropa und der Türkei belasten. Umstritten ist aber, wie gravierend der Effekt sein wird. von Mark Schieritz, Berlin, und Claus Hecking, Frankfurt
Gegner wie Befürworter der EU-Verfassung versuchen über ...   Gegner wie Befürworter der EU-Verfassung versuchen über Kampagnenplakate, die Bevölkerung zu mobilisieren
Die Prognose macht die Sonderstellung deutlich, die dem französischen Referendum an den Finanzmärkten beigemessen wird. In der Regel achten Händler kaum auf derartige politische Ereignisse.
Nach einer Umfrage der Investmentbank Merrill Lynch unter Fondsmanagern rechnen 71 Prozent der Teilnehmer damit, dass der Kurs der Gemeinschaftswährung sinkt, wenn sich die Franzosen am Sonntag gegen die Verfassung entscheiden. Bereits am Donnerstag sackte der Euro auf ein Sieben-Monats-Tief ab, nachdem eine Umfrage nur geringe Chancen auf einen positiven Ausgang des Referendums ergeben hatte.
Die Optimisten betonen, dass der Euro bisherige Krisen der EU gut überstanden hat. So habe der Kurs weder auf die Aufweichung des Stabilitätspakts noch auf den Streit über den Irak-Krieg reagiert.
Frankreichs Referendum könnte Stimmung kippen
Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America, verweist darauf, dass die rechtlichen Grundlagen für die Währungsunion im Maastrichter Vertrag und nicht in der Verfassung festgeschrieben sind. Dieser werde durch ein Nein in Frankreich nicht in Frage gestellt. "Die direkten Auswirkungen werden sich in Grenzen halten", urteilte auch die Commerzbank. Daten wie Wachstum und Inflation seien für die Währung wichtiger.
Laut Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ist die französische Entscheidung mit früheren Ereignissen aber nicht zu vergleichen. Sie komme zu einem Zeitpunkt, an dem sich die EU ohnehin in einer prekären Lage befinde. So hätten die stark unterschiedlichen Wachstumsraten bei einigen Investoren Zweifel an der Stabilität der Währungsunion geweckt. Mit dem Referendum in Frankreich, das als Rückschlag für die politische Integration interpretiert würde, könnte die Stimmung endgültig kippen.
EZB hofft auf "Ja"
"Ich könnte mir vorstellen, dass der Aufwärtstrend des Euro unterbrochen wird, weil sich Anleger die Frage stellen, wie es weitergehen soll", sagte Mayer. Sein Kollege Joachim Fels von Morgan Stanley sieht sogar die Gefahr, dass "es zu einem Auseinanderbrechen der Währungsunion kommt". Eine unmittelbar bevorstehende Währungskrise erwarten aber auch die Skeptiker nicht.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat signalisiert, dass sie noch auf ein positives Votum hofft. EZB-Direktor Lorenzo Bini Smaghi warnte jedoch vor "Unsicherheit" im Falle eines Neins. Die Notenbank müsse dann klar machen, dass sie zu ihrer Verantwortung für die Preisstabilität stehe. In Frankfurt wird aber erwartet, dass die EZB nur reagiert, wenn es wider Erwarten zu schweren Finanzturbulenzen kommt.
Einig sind sich die Experten, dass die größten Risiken an den Rändern Europas lauern. "Wenn sowohl Franzosen als auch Niederländer die Verfassung ablehnen, ist das auch ein Nein des Volkes zum Tempo der EU-Erweiterung. Dann dürfte die Politik zwei Gänge zurückschalten", sagte Harwig Wild vom Bankhaus Metzler. Dies werde Währungen und Märkte der betroffenen Staaten belasten. Auch starke Kursausschläge halten Volkswirte für möglich. Insbesondere die Türkische Lira habe "wegen der Beitrittsfantasie an Wert gewonnen. Es gibt viel spekulatives Geld, das kurzfristig abgezogen werden könnte", so Wild. Aber kaum ein Experte geht davon aus, dass mit einem Nein der Beitritt der Neumitglieder zur Euro-Zone abgesagt wäre.
  • Aus der FTD vom 27.05.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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