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Merken   Drucken   15.02.2006, 21:58 Schriftgröße: AAA

Renten und Devisen: Bernanke-Rede stärkt den Dollar  

Mit Verzögerung hat der neue Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, bei seinem ersten Auftritt im US-Kongress die Märkte bewegen können. Die von ihm vorbereitete Rede vor Kongressmitgliedern reichte nicht aus, um die Gemüter an den Finanzmärkten zu bewegen. von Yasmin Osman, Frankfurt, und Mark Schieritz, Berlin
Ben Bernanke   Ben Bernanke
Erst als der Nachfolger von Alan Greenspan anschließend Fragen der Parlamentarier beantwortete, fielen Sätze, die den Dollar nach oben und die Kurse an den Anleihemärkten nach unten trieben. "Für ein Ereignis wie dieses waren die Bewegungen allerdings moderat", sagte Matthias Huth, Rentenanalyst der Landesbank Baden-Württemberg. Allerdings kamen die Finanzmarktakteure im Verlauf der Anhörung zu dem Schluss, dass Bernanke wie Greenspan zu höheren Zinsen neigt. Die Kapazitäten der boomenden US-Wirtschaft seien praktisch ausgelastet, sodass die Inflation ohne ein Gegensteuern der Geldpolitik zunehmen könnte, warnte er. Das aktuelle Niveau der Realzinsen schade der Wirtschaft nicht. "Damit stellt er klar, dass aus seiner Sicht der neutrale Zinssatz höher liegt, verklausuliert spricht er sich damit für höhere Zinsen aus", sagte Hans Redeker, Leiter der Zinsstrategie von BNP Paribas. Harte Linie "Die Kommentare waren für Bernanke, dem der Ruf einer geldpolitischen Taube vorauseilt, relativ scharf", sagte Armin Mekelburg, Devisenanalyst der HypoVereinsbank. Als "Tauben" werden Notenbanker bezeichnet, die für eine eher lockere Geldpolitik stehen. Unter Analysten überwog die Auffassung, dass Bernanke die harte Linie vor allem deshalb vertritt, weil er zu Beginn seiner Amtszeit die hohe Glaubwürdigkeit der Fed an den Märkten erhalten will - nicht weil er vorhat, die Fed neu auszurichten. Bestärkt sahen sie sich dadurch, dass Bernanke sagte, er stehe "voll" hinter dem Mandat der Fed, wonach diese sowohl Preisstabilität als auch das Wachstum im Auge haben muss. Sein Plan, eine feste Vorgabe für die Inflation einzuführen, diene dazu, dieses Ziel besser erreichen zu können. Er werde dieses Vorhaben mit seinen Kollegen in der Zentralbank diskutieren, wo es Widerstand gegen eine solche Umstellung gibt. Bernanke betonte, dass Preisstabilität "essenziell für ein starkes und stabiles Wachstum von Output und Beschäftigung" sei. Die Fed sagt in ihren aktualisierten Konjunkturprognosen für 2005 eine Teuerungsrate von "etwa zwei Prozent" voraus und erwartet 2007 einen Preisanstieg von 1,75 bis 2 Prozent. Kurzfristige Anleihen belastet Dies wäre am oberen Ende jener Bandbreite von einem bis zwei Prozent, die Bernanke wiederholt als "Komfortzone" der Notenbank bezeichnet hat. Das Wirtschaftswachstum wird den Prognosen zufolge 2005 bei "etwa dreieinhalb Prozent" liegen und sich 2007 auf 3,0 bis 3,5 Prozent verlangsamen. Die Erwartung steigender Zinsen belastete vor allem kurzfristige Anleihen: Die Rendite zweijähriger US-Treasuries, die sensibel auf die Geldpolitik reagieren, stieg bis 20 Uhr MEZ um 0,03 Prozentpunkte auf 4,704 Prozent, zehnjährige US-Bonds rentierten um 0,01 Punkte höher mit 4,614 Prozent. Der Bund-Future drehte ins Minus und fiel um 18 Stellen auf 120,15 Punkte. Am Devisenmarkt wertete der Dollar gegenüber den meisten Währungen auf. Der Euro rutschte auf 1,1878 $ nach 1,1917 $. "Der Devisenmarkt ist noch immer von Zinsdifferenzen abhängig", sagte Redeker. Das höhere US-Leitzinsniveau macht Dollar-Anlagen attraktiv. Zum Dow JonesZum NASDAQ Comp.Zur FTD-DevisenübersichtZum Börsen-Glossar
  • Aus der FTD vom 16.02.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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