Die EZB hatte klargestellt, dass sie keine Staatsanleihen als Sicherheit für Refinanzierungsgeschäfte akzeptiert, die nicht mindestens eine Bonitätsnote von "A-" haben. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet bestätigte damit einen FTD-Bericht. "A-" ist das siebthöchste Rating von Standard & Poor's (S&P) und Fitch und entspricht der Note "A3" von Moody's.
"Vor dieser Klarstellung der EZB hatte man annehmen können, dass Staatsanleihen der Euro-Mitglieder immer akzeptiert werden, auch wenn ihr Rating unter 'A-' fällt", sagte Christoph Rieger, Rentenanalyst von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Bislang seien die Regeln relativ vage gewesen, ein spezifisches Rating-Niveau sei nicht erwähnt worden, schreiben die Analysten von
Goldman Sachs .
Höhere Risikoprämie
Für die Finanzmärkte ist diese Unterscheidung wichtig: Wenn sich Banken von der EZB Geld leihen wollen, müssen sie Wertpapiere als Sicherheit hinterlegen, die von der Notenbank akzeptiert werden. "Die Risikoprämie, die für Anleihen gezahlt werden muss, die später möglicherweise nicht bei der EZB hinterlegt werden können, wird sich jetzt erhöhen", sagte Rieger.
"Die Anleger werden künftig stärker auf die Haushaltssituation und die Ratings reagieren - bislang hatte eine Rating-Herabstufung doch kaum Konsequenzen am Markt", ergänzte Luca Jellinek, Leiter Zinsstrategie von
ABN Amro . Das zeichnete sich bereits am Mittwoch ab, wie Rieger berichtete: "Viele Anleger haben heute erst einmal Anleihen von Staaten schlechterer Bonität wie Griechenland und Italien verkauft, davon haben Deutschland und Frankreich profitiert." Deutschland und Frankreich verfügen trotz ihrer Haushaltsprobleme noch immer über die Top-Bonitätsnote "AAA".
Griechenland wird nicht demnächst herabgestuft
Die Renditeabstände vergrößerten sich allerdings nur um ein bis zwei Basispunkte. "Vielleicht weiten sich die Aufschläge noch um den einen oder anderen Basispunkt aus, aber derzeit erwartet niemand, dass eine Herabstufung Griechenlands unmittelbar bevorsteht", sagte Wee-Khoon Chong, Zinsanalyst der
Royal Bank of Scotland .
S&P, das erst am Vortag die Bonität Griechenlands bestätigt hatte, gab vorerst Entwarnung: "Die Ankündigung der EZB (...) wird die Ratings der Staaten der Euro-Zone nicht in Mitleidenschaft ziehen. Da es ausreicht, von einer Rating-Agentur mit "A-" oder"A3" bewertet zu werden, hat selbst Griechenland einen gewissen Puffer: Moody's beurteilt die Südeuropäer mit "A1" um zwei Stufen besser.
Bessere Marktdisziplin
Experten gehen davon aus, dass die EZB damit für mehr Haushaltsdisziplin im gemeinsamen Währungsraum sorgen will. Schon oft hatte die Notenbank das Schuldenmachen in der Euro-Zone kritisiert. "Es ist aber ein sehr großer Unterschied, ob ich meine Meinung sage oder ob ich bestimmte Konsequenzen ankündige", sagte ABN-Stratege Jellinek. "Das sind großartige Nachrichten, denn das führt wieder ein höheres Maß an Marktdisziplin in der Euro-Zone ein", jubelte Goldman Sachs. Die Renditeaufschläge würden künftig wieder stärker die jeweilige ökonomische Situation der Euro-Mitglieder widerspiegeln. Die griechische Schuldenagentur gab sich unbesorgt. "Wir fallen nicht unter diese Grenze", sagte deren Leiter Spyros Papanicolaou.
Andere Zentralbanken verfahren ähnlich, schreibt S&P: So akzeptiert die britische Notenbank nur Papiere der "AA"-Kategorie, die schwedische und die schweizerische Notenbank verlangen "A"-Ratings.
Am europäischen Rentenmarkt stiegen die Renditen wegen guter Konjunkturdaten und dem schwachen Euro. Der Bund-Future fiel folglich um 58 Stellen auf 119,27 Punkte. Der Euro ging bis auf 1,1718 $ zurück und wurde gegen 20 Uhr MEZ bei 1,1768 gehandelt, nach 1,1782 $ am Vortag.