FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Notenbanken geraten in Zugzwang

Merken   Drucken   20.11.2008, 21:17 Schriftgröße: AAA

Rezessionsangst: Notenbanken geraten in Zugzwang  

Der immer deutlichere Absturz der wichtigsten Volkswirtschaften in eine Rezession zwingt die Zentralbanken zu schnelleren Zinssenkungen. Die Schweizer Nationalbank preschte vor und überraschte die Märkte mit einem Zinsschritt um einen vollen Prozentpunkt. von Doris Grass (Frankfurt)
Der Leitzins fällt damit auf 1,0 Prozent. Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) werden nach Überzeugung von Volkswirten demnächst folgen. Es ist die dritte Zinssenkung der Schweizer Währungshüter innerhalb weniger Wochen und der größte Zinsschritt seit vielen Jahren. Selbst im Anschluss an die Anschläge in New York im Herbst 2001 hatte sich die SNB auf eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt beschränkt. Sie begründete ihre Entscheidung mit dem Risiko eines markanten Wirtschaftsabschwungs im kommenden Jahr. Zudem schwächen niedrigere Zinsen den zuletzt starken Franken, der die Exporte bremst.
Formal senkte die SNB ihr Zielband für den Leitzins Dreimonats-Libor, also für dreimonatige Franken-Kredite am Interbankenmarkt in London, auf 0,5 bis 1,5 Prozent. Analysten halten eine weitere Senkung in den kommenden Monaten für möglich.
Volkswirte und Finanzmärkte gehen davon aus, dass die US-Notenbank Anfang Dezember ihren Leitzins weiter zurücknehmen wird. Beflügelt wurden diese Spekulationen durch den starken Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die in der vergangenen Woche nach Angaben des US-Arbeitsministeriums auf saisonbereinigt 542.000 und damit auf ein 16-Jahres-Hoch gestiegen sind. Für die Vorwoche revidierte die Behörde die Zahl auf 515.000.
"Dieser Bericht malt ein recht düsteres Bild der Lage am Arbeitsmarkt für Mitte November und bestärkt die Kommentare der US-Notenbank vom Vortag, wonach eine weitere kräftige Zinssenkung im Dezember praktisch garantiert scheint", sagte Cary Leahey, Volkswirt bei Decision Economics in New York. Michael Feroli, Volkswirt bei JP Morgan Chase, erwartet, dass die Federal Reserve in den nächsten zwei Monaten den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 50 Basispunkte auf null senken und bis Ende 2009 dort belassen wird.
Auch die Zinssenkungserwartungen für die Euro-Zone wurden beflügelt, nachdem der vierteljährlich vom Münchner Ifo-Institut erhobene Index des Weltwirtschaftsklimas im Oktober von 73,4 Punkten im Vorquartal auf 60,0 Punkte eingebrochen ist. Das ist der tiefste Stand seit 20 Jahren und zeigt, dass eine globale Rezession bevorsteht. Für die kommenden sechs Monate wird kaum mit einer Erholung gerechnet.
Bundesbankpräsident Axel Weber  bekräftigte die Bereitschaft der EZB zu weiteren Leitzinssenkungen. Der starke Rückgang der Inflation und der rasche Abschwung der Wirtschaft ließen für einen solchen Schritt weiteren Spielraum, den die EZB wahrscheinlich nutzen werde, sagte er in Frankfurt. Um der Krise Herr zu werden, müsse die Geldpolitik vermutlich schneller normalisiert werden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklung sei es wichtig, dass nicht andere Bereiche angesteckt würden.
  • Aus der FTD vom 21.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6339,94  [24.05 +0,38%
  Euro Stoxx 50 2161,87  [5.35 +0,25%
  Dow Jones 12454,83  [-74.92 -0,60%
  Nasdaq Composite 2837,53  [-1.85 -0,07%
  Euro 1,25124 USD  [0 0,00%
  Brent-Öl 106,83 USD  [0.27 +0,25%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote