Der Leitzins fällt damit auf 1,0 Prozent. Die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank (EZB) werden nach Überzeugung von Volkswirten demnächst folgen. Es ist die dritte Zinssenkung der Schweizer Währungshüter innerhalb weniger Wochen und der größte Zinsschritt seit vielen Jahren. Selbst im Anschluss an die Anschläge in New York im Herbst 2001 hatte sich die SNB auf eine Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt beschränkt. Sie begründete ihre Entscheidung mit dem Risiko eines markanten Wirtschaftsabschwungs im kommenden Jahr. Zudem schwächen niedrigere Zinsen den zuletzt starken Franken, der die Exporte bremst.
Formal senkte die SNB ihr Zielband für den Leitzins Dreimonats-Libor, also für dreimonatige Franken-Kredite am Interbankenmarkt in London, auf 0,5 bis 1,5 Prozent. Analysten halten eine weitere Senkung in den kommenden Monaten für möglich.
Volkswirte und Finanzmärkte gehen davon aus, dass die US-Notenbank Anfang Dezember ihren Leitzins weiter zurücknehmen wird. Beflügelt wurden diese Spekulationen durch den starken Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, die in der vergangenen Woche nach Angaben des US-Arbeitsministeriums auf saisonbereinigt 542.000 und damit auf ein 16-Jahres-Hoch gestiegen sind. Für die Vorwoche revidierte die Behörde die Zahl auf 515.000.
"Dieser Bericht malt ein recht düsteres Bild der Lage am Arbeitsmarkt für Mitte November und bestärkt die Kommentare der US-Notenbank vom Vortag, wonach eine weitere kräftige Zinssenkung im Dezember praktisch garantiert scheint", sagte Cary Leahey, Volkswirt bei Decision Economics in New York. Michael Feroli, Volkswirt bei JP Morgan Chase, erwartet, dass die Federal Reserve in den nächsten zwei Monaten den Leitzins in zwei Schritten um jeweils 50 Basispunkte auf null senken und bis Ende 2009 dort belassen wird.
Auch die Zinssenkungserwartungen für die Euro-Zone wurden beflügelt, nachdem der vierteljährlich vom Münchner Ifo-Institut erhobene Index des Weltwirtschaftsklimas im Oktober von 73,4 Punkten im Vorquartal auf 60,0 Punkte eingebrochen ist. Das ist der tiefste Stand seit 20 Jahren und zeigt, dass eine globale Rezession bevorsteht. Für die kommenden sechs Monate wird kaum mit einer Erholung gerechnet.
Bundesbankpräsident
Axel Weber bekräftigte die Bereitschaft der EZB zu weiteren Leitzinssenkungen. Der starke Rückgang der Inflation und der rasche Abschwung der Wirtschaft ließen für einen solchen Schritt weiteren Spielraum, den die EZB wahrscheinlich nutzen werde, sagte er in Frankfurt. Um der Krise Herr zu werden, müsse die Geldpolitik vermutlich schneller normalisiert werden. Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktentwicklung sei es wichtig, dass nicht andere Bereiche angesteckt würden.