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Merken   Drucken   14.06.2012, 08:44 Schriftgröße: AAA

Rindfleisch aus Indien: Heiliger Büffel!

Ausgerechnet Indien steht davor, zum weltgrößten Exporteur von Rindfleisch zu werden - ein Land, in dem die Kuh sakrosankt ist. Die Bürokraten im US-Landwirtschaftsministerium machen es möglich.
© Bild: 2012 FTD.de/None
Ausgerechnet Indien steht davor, zum weltgrößten Exporteur von Rindfleisch zu werden - ein Land, in dem die Kuh sakrosankt ist. Die Bürokraten im US-Landwirtschaftsministerium machen es möglich.
von Frankfurt

Es klemmt in Indiens Volkswirtschaft. Seit Jahren ist der Subkontinent ein Liebling der Investoren, der lange ähnlich wie China mit rasantem Wirtschaftswachstum glänzte. Doch das Bild bekommt Kratzer. In den ersten drei Monaten dieses Jahres wuchs Indiens Bruttoinlandsprodukt nur um 5,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum - und damit noch langsamer als unmittelbar nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008. Die Politiker des Landes können sich nicht mehr auf dringend notwendige Reformen einigen. Und zuletzt drohte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) gar mit einer Herabstufung der Bonitätsnote Indiens auf Ramschstatus.

Erleuchteter mit Kuh: Indien ist auf dem Weg, weltgrößter ...   Erleuchteter mit Kuh: Indien ist auf dem Weg, weltgrößter Exporteur von Rindfleisch zu werden.

Doch in einem Sektor kommt Indien derzeit ganz groß raus: dem Markt für Rindfleisch. Laut Daten des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums schickt sich der Subkontinent an, die bisherige Nummer eins Australien und die Nummer zwei Brasilien zu überholen und weltgrößter Exporteur von Rindfleisch zu werden. Den Schätzungen zufolge wird das Land 2012 gut 1,5 Millionen Tonnen Fleisch exportieren. Vor drei Jahren waren es noch gerade einmal 600.000 Tonnen gewesen.

Rindfleisch. Ausgerechnet Rindfleisch. Aus Indien. Einem Land, in dem die Kuh ein heiliges Tier ist und viele Bundesstaaten das Töten von Kühen und den Verzehr von Rindfleisch verbieten. Da dürfte es auf dem Weltmarkt gar kein indisches Rindfleisch geben.

Gibt es aber, und das liegt daran, wie das US-Landwirtschaftsministerium Rindfleisch definiert. Denn zu der Kategorie Rindfleisch ("Beef") gehören in der Erhebung auch Wasserbüffel, und nur das ist es, was Indien exportiert. Entbeintes, tiefgefrorenes Wasserbüffelfleisch. Die indischen Gesetze beziehen sich nur auf Kühe und Wasserbüffelweibchen, die Milch geben. Männliche Wasserbüffel und weibliche Tiere, die keine Milch mehr geben, dürfen geschlachtet und exportiert werden, was die indische Fleischindustrie denn auch in großem Umfang tut. Das sogenannte Carabeef ist sehr mager und wird deshalb gerne von der fleischverarbeitenden Industrie verwendet, etwa für Salami.

Dass das indische Wasserbüffelfleisch so reißenden Absatz findet, führt das amerikanische Landwirtschaftsministerium auf eine steigende Nachfrage aus Importnationen in Südostasien, dem mittleren Osten und Afrika zurück. Diese achteten sehr auf den Preis, und die exportorientierten Schlachthöfe des Subkontinents hätten darauf reagiert.

Während der Fleischkonsum in den meisten westlichen Industriestaaten zurückgeht, steigt er in anderen stark wachsenden Regionen an. Die Industrievereinigung Meat & Livestock Australia prognostiziert einen weltweiten Nachfrageanstieg um 24 Prozent bis zum Jahr 2020. David Nelson, Analyst bei der Rabobank, sagte der Financial Times: "Indien füllt eine große Lücke im Markt. Weltweit ist die Rindfleischproduktion eher rückläufig, weil das Land, das bisher als Viehweide genutzt wurde, in höherwertiges Agrarland umgewidmet wird."

Und nicht nur das Wasserbüffelfleisch ist im Ausland gefragt. Auch die Schlachter des Landes wecken Interesse: Der größte australische Rindfleischproduzent, Australia Agriculture, will mehrere Hundert indische Arbeiter für einen neuen Schlachthof im nordaustralischen Darwin anheuern.

  • Aus der FTD vom 14.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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