S&P hatte auf die Euro-Zone am Montagabend einen Warnschuss abgefeuert. Die Ratingagentur wird bis etwa Ende Februar entscheiden, ob sie der Bundesrepublik und fünf weiteren "AAA"-Euro-Staaten die Topbonitätsnote entzieht. Die Agentur stellte die Spitzen-Ratings von Deutschland, Frankreich, Österreich, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden sowie die Einstufungen der übrigen Euro-Länder mit sofortiger Wirkung offiziell auf den Prüfstand. Damit beginnt eine Frist von 90 Tagen, in der die Bonitätswächter über den Verlust des Triple-A befinden werden. Als Grund führte die Agentur die sich verschärfenden politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen in der Euro-Zone an.
Durch die Entscheidung der Agentur erhöht sich der Druck auf den EU-Gipfel Ende dieser Woche, wichtige Entscheidungen zu treffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, das Signal verstanden zu haben. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) nannte den Schritt der Ratingagentur eine Aufforderung an den Gipfel, schnell zu handeln. Dagegen sorgte die S&P-Entscheidung bei vielen anderen Politikern in Europa für Ärger und Entrüstung. Ein vorsichtiges Hoffnungszeichen kam indes von den Anleihemärkten: die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen sackte erstmals seit mehr als einem Monat unter sechs Prozent ab. Generell zeigten sich die Kapitalmärkte wenig aufgeregt.
Bundeskanzlerin Merkel sagte: "Was eine Ratingagentur macht, das ist in der Verantwortung der Ratingagentur." In Regierungskreisen hieß es, der Schritt komme nicht ganz unerwartet. Die Gründe seien aber wenig stichhaltig, und der Zeitpunkt der Veröffentlichung erscheine politisch motiviert.
Schäuble sagte, Europa müsse das Vertrauen an den internationalen Finanzmärkten zurückgewinnen, sagte Schäuble in Wien. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach von einer "tagesaktuellen und einer sehr kurzlebigen Beurteilung" einer einzelnen Agentur, von der sich die Bundesregierung nicht beeindrucken lasse.
Standard & Poor's setzte 15 der 17 Länder der Euro-Zone auf eine Beobachtungsliste ("Credit Watch Negative"). Das bedeutet, dass in den nächsten drei Monaten die Wahrscheinlichkeit einer Herabstufung bei 50 Prozent liegt. So hatte es die Agentur auch bei den USA gemacht, die im Sommer ihre Topnote verloren hatte. Würde sie die Staaten mit einem "negativen Ausblick" versehen, wäre die Frist nicht nur 90 Tage lang, sondern zwei Jahre. Zypern befindet sich schon auf der Liste, Griechenland ist ohnehin längst auf Ramschstatus und nur marginal am Kapitalmarkt aktiv.