Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zieht sich nach hohen Verlusten mit Staatsanleihen aus Europas Schuldenländern weitgehend aus der Finanzierung der öffentlichen Hand zurück. "Wir wollen den Anteil der Staatsfinanzierung insgesamt drastisch reduzieren", sagte LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz der drittgrößten deutschen Bank. "Wir wollen Richtung Null". Dies gelte auch für Bundesanleihen, die derzeit für Banken ein Verlustgeschäft seien.
Auch in der Kommunalfinanzierung will er sich zurückhalten. Über ihr Gebiet - also Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen - hinaus will die LBBW keine langfristigen Kommunaldarlehen mehr begeben. Dies sei vor allem der neuen Aufsichtskennziffer Leverage-Ratio geschuldet, die große Kredite bestraft.
Vetters Aussagen sind Ausdruck des Bewusstseinswandels in der Kreditbranche. Der Schock durch die griechischen Zahlungsprobleme hat bei den Banken Zweifel an der Kreditwürdigkeit öffentlicher Gläubiger insgesamt geweckt. Ihre Liquiditätsreserve legt die LBBW bevorzugt bei anderen Banken oder in Pfandbriefen an.
Vergangenes Jahr verarbeitete die LBBW aus der Staatsschuldenkrise allein 940 Mio. Euro Belastungen; vor Steuern verblieb dank niedriger Risikovorsorge im Kreditgeschäft ein Ergebnis von 117 Mio. Euro. In das laufende Jahr ist die Bank mit weniger Gewinn gestartet als im ersten Quartal des Vorjahrs. Erwartet wird ein Vorsteuergewinn von 150 Mio. Euro, der sich aber nicht auf das Jahr hochrechnen ließe. 2012 soll das Ergebnis höher ausfallen als 2011, mittelfristig will die Bank wieder eine Rendite von acht bis zehn Prozent erreichen. Derzeit sind es vier Prozent. Kerngeschäft der LBBW ist das Firmenkundengeschäft im Südwesten Deutschlands.
Mit dem Sparen kommt die LBBW, die nach ihrer staatlichen Rettung 2009 restrukturiert werden musste, langsamer voran als geplant. Vetters 2009 mit der EU-Kommission formuliertes Ziel, den Verwaltungsaufwand bis 2013 um 700 Mio. Euro zu senken, werde nicht erreicht, wurde am Rande der Konferenz deutlich. Schuld seien unerwartet hohe Kosten, etwa für Regulierung. Seit 2009 ist der Verwaltungsaufwand um 380 Mio. Euro gesunken. Erreicht werde das Ziel, bis 2013 rund 2500 Stellen abzubauen.