"Term Asset-Backed Securities Loan Facility" (Talf) lautet die sperrige Bezeichnung. Doch auf dem vom amerikanischen Finanzministerium und der US-Notenbank ersonnenen Wortungetüm ruhen die Hoffnung der Marktteilnehmer: Talf soll nicht weniger gelingen als die Reanimation des Verbriefungsmarkts: "Es bleibt abzuwarten, ob Talf die Medizin sein wird, die dem Markt auf die Sprünge hilft", schreiben die Experten des Researchhauses Creditsights.
Bei Talf handelt es sich um ein Darlehenprogramm im Volumen von 200 Mrd. $ für Wertpapiere, die mit Autokrediten, Kreditkartenschulden und Studentenkrediten besichert sind. Es soll insgesamt Kredite in Höhe von 1000 Mrd. $ freisetzen - und die Liquidität auf dem ausgetrockneten Verbriefungsmarkt erhöhen.
Der Beginn fiel indes bescheiden aus: Am Donnerstagabend teilte die New Yorker Fed mit, dass in einer ersten Tranche am 25. März ingesamt 4,7 Mrd. $ ausgereicht werden. 1,9 Mrd. $ davon seien für mit Autokrediten, 2,8 Mrd. $ für mit Kreditkartenschulden besicherte Papiere bestimmt. Citigroup , Ford , Nissan und Huntington National Bank nahmen daran teil. "Das ist ein guter Start, auf dem wir aufbauen können", sagte William Dudley, Präsident der New Yorker Fed. Weitere Mittel fließen am 14. April.
Mag das Debüt auch überschaubar sein: Marktteilnehmer setzten darauf, dass Finanzminister Timothy Geithner und die Notenbank das Talf-Programm sukzessive ausweiten - und neue Wertpapiere mit einbeziehen. Bislang werden nur Vermögenswerte bester Bonität als Sicherheiten akzeptiert. Doch erste Aussagen deuten daraufhin, dass das zukünftig anders wird. "Die Sicherheiten für das Talf-Programm werden wahrscheinlich auf andere Vermögenswerte ausgeweitet", heißt es in der am Mittwochabend veröffentlichten Stellungnahme der Fed.
Einige Experten sehen im Talf den Kern einer Bad Bank. Sie halten es für denkbar, dass Geithner sein Konzept privater Fonds, die problematische Wertpapiere aufkaufen, mit dem Talf verschmelzen könnte. Die Grundidee: Die Regierung könnte unter im Rahmen dieses Programms auch illiquide Vermögenswerte als Sicherheiten akzeptieren - und damit de facto Geldhäusern und Hedge-Fonds die faulen Papiere abnehmen. "Das würde es der Regierung ermöglichen, den Bad-Bank-Ansatz schnell aufzusetzen. Schließlich sind viele technischen Fragen bereits geklärt", sagt Zach Pandl, Volkswirt bei Nomura Securities.
Dringender Handlungsbedarf besteht: Investoren scheuen vor dem Kauf besicherter Wertpapiere zurück, was sich in hohen Risikoaufschlägen wiederspiegelt. Mit Kreditkartenschulden besicherte Wertpapiere bester Bonität werden derzeit 320 Basispunkte über der Londoner Interbankenrate Libor gehandelt. Sie müssen also 3,2 Prozentpunkte höhere Zinsen als die Banken, wenn sie sich untereinander Geld leihen. Mitte Februar hatte die Differenz noch bei 250 Basispunkten gelegen. Bei mit Autokrediten besicherten Anleihen beträgt der Aufschlag laut JP Morgan Chase sogar 350 Basispunkte.
Der Talf-Start musste bereits mehrmals verschoben werden. Ursprünglich sollte im Februar mit der Kreditvergabe begonnen werden. Im März wurde der neue Termin dann wieder um zwei Tage nach hinten verlegt. Nicht nur wegen der zeitlichen Verzögerung kritisieren einige Experten das Programm.
Sie bemängeln zudem, dass den heftig gescholtenen Ratinagenturen eine entscheidende Rolle zukommt. Denn: Alle Talf-Papiere müssen von den Bonitätswächtern bewertet werden. Laut dem "Wall Street Journal" könnte das für Platzhirsche wie Standard & Poor's (S&P) und Moody's ein Geldsegen von 80 bis 240 Mio. $ bedeuten. S&P und Moody's wird vorgeworfen, strukturierte Produkte zu gut bewertet und die Krise damit angeheizt zu haben.