Auf den Tag genau sieben Jahre nach dem verheerenden Tropensturm "Katrina" wird die Küstenstadt New Orleans erneut von einem Hurrikan heimgesucht. "Isaac" traf am Mittwoch mit voller Wucht auf die Küste von Louisiana und legte faktisch alles lahm: an Land und auf See. Mehrere Hunderttausend Haushalte und Unternehmen sind ohne Strom, einzelne Wohnviertel wurden evakuiert, die Regierung hat den Notstand ausgerufen. Auch die großen Ölkonzerne mussten ihre Förderung im Golf von Mexiko nahezu vollständig stoppen - mit spürbaren Folgen für den Ölpreis.
Bereits in Erwartung des Sturms hatten die Preise für Energierohstoffe stark zugelegt, denn die Golfregion liefert 23 Prozent der amerikanischen Ölproduktion, sieben Prozent der US-Erdgasförderung und 44 Prozent der Raffineriekapazität des Landes. Die Regierung meldet aktuell einen Produktionsausfall von rund 1,3 Millionen Barrel Öl (je 159 Liter) pro Tag. Zudem fallen rund 70 Prozent der Erdgasförderung vor der Golfküste aus.
Von den 596 Förderplattformen in der Region sind mittlerweile 503 menschenleer, die meisten Arbeiter wurden vorsorglich an Land gebracht. Wann die Anlagen wieder fördern können, ist ungewiss. Von den 76 Bohrinseln wurden bis Dienstag 49 evakuiert, meldet die Umweltbehörde BSEE. "Das Herunterfahren der Öl- und Gasproduktion ist eine Standardprozedur", erläuterte die BSEE. Auch zahlreiche Raffinerien und einige Häfen an der Golfküste haben ihre Arbeit vorübergehend eingestellt.
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In der Nacht zum Mittwoch deutete sich allerdings an, dass "Isaac" schneller ins Inland abdrehen könnte als befürchtet. Zur Markteröffnung gaben die Preise für Öl und Erdgas daher wieder leicht nach. "Nach unseren Informationen war ,Isaac‘ nicht so zerstörerisch wie anfangs befürchtet", sagte Hannes Loacker, Analyst bei Raiffeisen Bank International. "Das Augenmerk liegt nun darauf, wann die Produktion wiederaufgenommen wird und ob es Schäden gab."
Bis Mittwochmittag hielten die Anlagen dem Sturm offenbar weitgehend unbeschadet stand. "Aus momentaner Sicht rechnen wir - anders als damals bei ,Katrina‘ - nicht mit größeren Schäden für die Infrastruktur", sagte die Energieexpertin Amy Jaffe von der Universität Houston.
Allerdings trifft der Hurrikan die Energiekonzerne zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn er ist bei Weitem nicht ihr einziges Problem. "Es ist definitiv eine Kombination aus ,Isaac‘, der für eine Schließung der US-Raffinerien gesorgt hat, und dem Ausfall einer der größten Raffinerien der Welt", sagte Gemma Parker, Analystin bei Facts Global Energy, der Nachrichtenagentur Reuters. In Venezuela brannte vier Tage lang die Amuay-Raffinerie. 48 Menschen kamen bei diesem Unglück ums Leben.
Hinzu kommen geopolitische Risiken, wie der ungelöste Konflikt um ein mögliches Atomprogramm des Iran. Die sieben führenden Industrienationen (G7) haben angesichts der gestiegenen Energiepreise eine Erhöhung der weltweiten Ölproduktion gefordert. Zugleich erklärten sich die G7-Finanzminister am Mittwoch grundsätzlich dazu bereit, strategische Ölreserven anzuzapfen, um negative Auswirkungen auf die globale Konjunktur zu verhindern. Die Internationale Energieagentur (IEA) solle die notwendigen Schritte unternehmen, um eine vollständige Versorgung sicherzustellen, hieß es in einer Erklärung der G7-Staaten.
In den USA rechnen Experten bereits damit, dass Washington in den kommenden Wochen auf die strategischen Reserven von rund 700 Million Barrel zurückgreifen wird. Die Opposition hat Präsident Barack Obama bereits vorgeworfen, mit diesem Schritt die Wirtschaft stimulieren und die Verbraucher entlasten zu wollen, um kurz vor der Wahl im November für gute Stimmung zu sorgen. Bereits seit Wochen diskutiert Washington über diesen Schritt: "Isaac" könnte nun tatsächlich den konkreten Anlass liefern, um endlich zu handeln.