FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Dow Jones rauscht tief unter die 10.000-Punkte-Marke

Merken   Drucken   04.06.2010, 21:27 Schriftgröße: AAA

US-Börsenschluss: Dow Jones rauscht tief unter die 10.000-Punkte-Marke  

Die Wall Street ist schwer angeschlagen. Ursache ist der schwache US-Arbeitsmarktbericht, die hemmungslose Verschuldung in Europa und das dortige tollkühne Spekulieren an den Finanzmärkten: Ungarn stellt sich als das neue Hellas vor, SocGen soll sich im Derivatehandel verzockt haben. von Thomas Spinnler, Frankfurt
Vor der Vielzahl an negativen Nachrichten kapitulierten selbst die notorisch optimistischen Amerikaner: Der Dow Jones  fiel zeitweise um mehr als 340 Punkte und ließ die Marke von 10.000 Zählern weit hinter sich. Er schloss 3,2 % leichter bei 9931 Punkten. Kein einziger der 30 US-Standardwerte notierte im Plus. Es war der drittschlimmste Absturz im laufenden Jahr.
Der breiter gefasste S&P 500  büßte mit minus 3,4 % auf 1064 Zähler noch stärker ein. Der Nasdaq Composite  gab sogar 3,6 % auf 2219 Stellen ab.
Als Höhepunkt der Datenwoche war der US-Arbeitsmarktbericht von den Anlegern mit Spannung erwartet worden. Die Zahlen verfehlten die optimistischen Erwartungen vollständig und nährten bei den Anlegern ernste Zweifel an der Robustheit des konjunkturellen Aufschwungs. Nach Angaben des Arbeitsministeriums in Washington stieg die Zahl der Beschäftigten im Mai um 431.000. Allerdings wurden 411.000 von ihnen allein wegen einer Volkszählung und deshalb nur vorübergehend angestellt.
"In der Summe wird man gespannt auf die weiteren Entwicklungen am Arbeitsmarkt blicken müssen – und sollte dabei mögliche Revisionen der heute gemeldeten Zahlen im Auge behalten", schrieb Nord/LB-Analyst Tobias Basse. Die Entwicklungen am US-Arbeitsmarkt seien "als prinzipiell nicht negativ zu werten", so Basse. "Unserer Auffassung nach besteht auch weiterhin durchaus Grund zu einem gewissen Optimismus."
Auch Ungarn ist hoch verschuldet
Ein gewisser Optimismus ist auch angesichts der Nachrichten aus Europa die vernünftigste Haltung: Die Schuldenkrise und die in diesem Zusammenhang stets bemühte Formel von den Angst vor deren Ausweitung ließen der Wall Street keine Chance auf Fortsetzung der jüngsten Gewinnserie: Diesmal sah sich Ungarn veranlasst, vor einen unerwartet großem Haushaltsdefizit zu warnen. Es könnte nach Schätzungen der Regierungspartei mit bis zu 7,5 % rund doppelt so hoch sein wie bislang angenommen - der Vergleich mit der Lage Griechenlands spukte umher.
Analysten gehen allerdings von einem geringeren Defizit von etwa 5 % aus und halten den Vergleich zu Griechenland nicht für nachvollziehbar. Trotzdem machen sich die Amerikaner Sorgen darüber, dass die Ungarn über ihre Verhältnisse leben.
Die Nachrichtentrias des Schreckens komplettierte eine weitere Nachricht, diesmal aus Old Europe: Spekulationen über Probleme im Derivate-Geschäft bei der französischen Société Générale  brachten die Sorgen vor der Instabilität der Finanzbranche zurück ins Bewusstsein.
In ihrem Wochenausblick setzen die Analysten der DZ-Bank aber auf eine kommende Erholung: "Die konjunkturellen Rahmenbedingungen für den US-Aktienmarkt haben sich verbessert, doch wird dies von der EU-Schuldenkrise überschattet. Im Laufe des Jahres sollten aber ökonomische Einflussfaktoren wieder verstärkt in das Blickfeld rücken und eine stärkere Erholung der US-Aktienkurse ermöglichen", prognostizieren sie.

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    © 2010 Financial Times Deutschland,
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